VonLars Pollmannschließen
In seiner zweiten Spielzeit bei Borussia Dortmund findet Felix Nmecha seinen Rhythmus. Auch Julian Nagelsmann hat seine starke Leistung bemerkt.
Dortmund – Borussia Dortmund stellt für die letzten Länderspiele des Jahres den zweitgrößten Block an den DFB ab. Vier Profis aus dem Team von Nuri Şahin hat Bundestrainer Julian Nagelsmann für die abschließenden Gruppenspiele in der UEFA Nations League gegen Bosnien und Herzegowina sowie Ungarn nominiert. Nico Schlotterbeck und Pascal Groß sind dabei feste Größen, die Berufungen von Julian Brandt und Felix Nmecha kommen etwas überraschend.
BVB-Vizekapitän Brandt war zuletzt im November 2023 bei den Niederlagen gegen die Türkei und Österreich dabei, Nmecha hat sein einziges Länderspiel noch im März selben Jahres unter Hansi Flick bei einer Pleite gegen Belgien absolviert. „Felix Nmecha hat sich beim BVB stabilisiert und ist wie Julian Brandt nach zuletzt guten Leistungen wieder dabei“, kommentierte Nagelsmann seine Entscheidungen für das Mittelfeld-Duo. Für Nmecha ist die Rückkehr dabei so etwas wie eine Belohnung für seine beste Phase in Dortmund.
Felix Nmecha konnte in seiner ersten Saison die Erwartungen nicht erfüllen
Der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte in der vergangenen Saison sichtlich damit zu kämpfen, in Dortmund die Nachfolge von Jude Bellingham anzutreten. Selbst die Verantwortlichen des BVB wussten, dass sie mit 30 Millionen Euro deutlich über Marktwert für Nmecha gezahlt haben. Anders war der gebürtige Hamburger beim VfL Wolfsburg aber nicht loszueisen, zumal die Niedersachsen den Preis mit Interesse aus England hochtreiben konnten.
Rechtfertigen konnte Nmecha die hohe Investition in seiner ersten Spielzeit so gut wie nie. Als er im Herbst zarte Anzeichen eines Formanstiegs zeigte, setzten ihn Hüftprobleme über Monate außer Gefecht. Im Saisonendspurt durfte Nmecha so vor allem in den eher weniger wichtigen Spielen mitwirken. Im Halbfinale der Champions League sammelte Nmecha beispielsweise insgesamt acht Minuten, im Finale gegen Real Madrid saß er durchgehend auf der Bank.
Nuri Şahin hat beim BVB die richtige Rolle für Nmecha gefunden
Im Sommer kamen sogar Gerüchte auf, denen zufolge der BVB seinen teuren Einkauf nach nur einem Jahr wieder loswerden wolle. Sonderlich konkret ist es dabei mutmaßlich nie geworden, dabei ist auch fraglich, wie sich der Markt für Nmecha gestaltet hätte. Stattdessen unternahm der Rechtsfuß unter Şahin einen neuen Anlauf. Nach etwas mehr als vier Monaten lässt sich festhalten: Das war für beide Seiten die genau richtige Entscheidung. Nmecha ist der größte Gewinner unter Trainer Şahin.
Er hat sich im BVB-Mittelfeld festgespielt, überzeugt dabei zuletzt in der Rolle des Sechsers mit vielen Freiräumen vor der Abwehr. Diesen Kniff wählte Şahin im mutmaßlichen Schicksalsspiel gegen RB Leipzig (übrigens mit Inspiration durch Thomas Tuchel). Nmecha interpretiert die Rolle mutig, verleiht seiner Mannschaft im Aufbauspiel Schwung und nutzt seine Athletik auch immer besser in der Arbeit gegen den Ball.
Nmecha profitiert auch vom Ausfall von Bayerns Aleksandar Pavlović
„Er zeigt das, was ich immer in ihm gesehen habe, was wir uns erhofft haben“, sagte Sebastian Kehl gegenüber den Ruhr Nachrichten zu Nmecha. „Er ist ein stabiler Baustein in unserem Mittelfeld, wo unterschiedliche Fähigkeiten vereint sind“, so der Sportdirektor weiter. Der größte Wunsch lautet dabei, dass Nmecha gesund bleibt. Dann, da waren sich die Verantwortlichen vor der Verpflichtung sicher, kann aus dem Talent ein Topspieler werden.
Gänzlich überraschend ist derweil nicht, dass Nagelsmann Nmecha erstmals in seiner Amtszeit als Bundestrainer selbst unter Beobachtung nehmen will. Das Profil des früheren Wolfsburgers, der in seinen Anlagen ein kompletter Mittelfeldmann ist, gibt es auch im Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft nicht allzu oft. Nach den Rücktritten von Kapitän İlkay Gündoğan und Toni Kroos sind die Rollen im DFB-Team neu zu verteilen.
Angelo Stiller vom VfB Stuttgart und Aleksandar Pavlović vom FC Bayern spielen in den Plänen von Nagelsmann für diese Positionen schon eine entscheidende Rolle, nun darf sich Nmecha präsentieren. Sicher auch, aber nicht nur, weil Pavlović nach einem Schlüsselbeinbruch wohl erst 2025 wieder spielen kann.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Moritz Mueller

