VonFrank Hellmannschließen
Erst Rostock, dann Gdynia: Der Doppelpack gegen Polen in der EM-Qualifikation soll den deutschen Fußballerinnen maximalen Ertrag einbringen, um entspannter die Olympia-Vorbereitung im Juli anzugehen
Mitunter ist der recht teure Campus des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als Begegnungsstätte wirklich wertvoll. Auf den nebeneinander liegenden Plätzen 3 und 4 sind sich die vergangenen Tage die Frauen-Nationalmannschaft und die U16-Junioren ganz nahe gewesen. Während die Jungs unter lautstarker Anleitung des Weltmeister-Hospitanten Shkodran Mustafi übten, verhielt sich Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch bei „seinen Mädels“ vergleichsweise leise. Alexandra Popp und Co. sind übrigens hinterher auf der Terrasse von den Talenten noch um Selfies gebeten worden.
DFB-Trainer Horst Hrubesch freut sich auf Atmosphäre in Rostock
Derlei wertgeschätzte DFB-Frauen haben vor der wohlverdienten Sommerpause noch einen Doppelpack gegen Polen in der EM-Qualifikation zu bestreiten. Für das Heimspiel in Rostock (Freitag 20.30 Uhr/ ZDF) sind fast alle der knapp 19.000 Tickets abgesetzt, was den Coach an die schöne Atmosphäre im Ostseestadion beim Entscheidungsspiel in der Nations League gegen Dänemark (3:0) Anfang Dezember erinnert.
„Die Stimmung war bombastisch: Ich kann den Zuschauern versprechen: Sie werden wieder ein gutes, vernünftiges Spiel sehen.“ Er habe ja nicht umsonst „das Beste vom Besten“ nominiert: „Es ist wichtig, so früh wie möglich die EM-Qualifikation zu sichern“, sagt der 73-Jährige. Danach wird das Rückspiel in der Hafenstadt Gdynia (Dienstag 18 Uhr/ARD) ausgetragen, bekannt als Hauptquartier der polnischen Kriegsmarine.
DFB-Stürmerin gibt Richtung vor: „Gilt, Medaille zu holen“
„Die Mädels sind gut drauf, sie haben richtig gut trainiert. Wenn wir alles reinpacken, glaube ich, dass wir beide Partien erfolgreich gestalten“, versicherte Hrubesch vor dem Kehraus einer kräftezehrenden Saison, bei der sein Nationalteam lange mit den Nachwirkungen der WM in Australien zu kämpfen hatte. Und nun ist der Urlaub wieder verdammt kurz.
Der nur noch bis zum Sommer benötigte Aushilfscoach weiß einerseits um das straffe Programm, andererseits sind die Olympischen Spiele solche Entbehrungen aus seiner Sicht ja wert. Was man dort erlebe, sagt das 2016 bei den Männern mit Silber dekorierte HSV-Idol, könne er „jedem nur empfehlen“.
Protagonisten wie Lea Schüller haben den Anspruch längst verinnerlicht: „Es gilt, diesen Sommer eine Medaille zu holen.“ Die Angreiferin vom FC Bayern schlenderte am Mittwoch Arm in Arm mit ihrer künftigen Klubkollegin Lena Oberdorf auf den Trainingsplatz – beide kennen und schätzen seit gemeinsamen Zeiten bei der SGS Essen.
Schüller räumte erstmals ein, dass sie Oberdorf mit zum Wechsel zum FC Bayern überredet habe – bereits bei der WM habe man darüber gesprochen. „Obis Mutter hat dann auch gesagt, dass es mal wieder Zeit wird, dass wir wieder in einer Mannschaft spielen.“
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Oberdorf hat Unruhe nach bestätigten Wechsel gut weggesteckt
Die Mittelfeldabräumerin Oberdorf hat sich vom VfL Wolfsburg mit dem Pokalsieg gebührend verabschiedet, konnte allerdings Anfang der Woche beim Relegationsspiel von Fortuna Düsseldorf kaum hinsehen, weil ihr Bruder Tim so tragisch scheiterte. Wenigstens hätte er im Elfmeterschießen „in einer guten Innenverteidiger-Manier oben links rein“ verwandelt.
Ihr hat die Unruhe um ihren Wechsel nach München nichts anhaben können. „Ich habe meine Leistung gebracht und Verantwortung übernommen“, merkte die 22-Jährige an.
Deutschland muss sich auf Bundesliga-Torschützenkönigin einstellen
Ebenfalls erhobenen Hauptes hat auch Ewa Pajor die Autostadt verlassen. Die zum FC Barcelona wechselnde Bundesliga-Torschützenkönigin trifft nun gleich viele Weggefährtinnen wieder. „Sie ist wirklich nur ganz schwierig aus dem Spiel zu nehmen. Ich habe sie noch nie müde erlebt“, lobte Oberdorf. „Die Polinnen sind keine Laufkundschaft, kicken können sie auch – und vorne mit Pajor haben sie eine Ausnahmestürmerin“, warnte Hrubesch.
Auch wenn zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Österreich (3:2) und Island (3:1) bei der DFB-Elf nicht alles rund lief, passten am Ende die Resultate. Und wenn jetzt die erhoffte Ausbeute an der Ostsee dazukommt, dann können die restlichen Pflichtpartien auf Island (12. Juli) und gegen Österreich (16. Juli) zum Testen und Schaulaufen genutzt werden. Bereits 10.000 Karten sind fürs letzte Heimspiel in Hannover verkauft, was einmal mehr zeigt, dass sich die deutschen Fußballerinnen bundesweit ein festes Stammpublikum erspielt haben.
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