Die besondere Transfer-Spezialität des BVB: Kovač „geht das Herz auf“
VonLars Pollmann
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Der BVB könnte die Champions League noch erreichen, auch wegen seiner Transfers im Winter. Diese wurden über die Jahre zur echten Spezialität.
Dortmund – Borussia Dortmund hat zum Saisonfinale gegen Holstein Kiel am Samstag (15.30 Uhr, alle TV-Infos) die große Chance, eine Krisen-Saison doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu führen.
Sollte der Sprung auf Tabellenplatz vier und damit der Einzug in die Champions League gelingen, hätte der Klub gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen und mit seinem Endspurt einen großen finanziellen und Prestige-Schaden abgewendet. Den Grundstein dafür hat der BVB bereits Ende Januar und Anfang Februar gelegt.
Einerseits mit dem Trainerwechsel von Nuri Şahin zu Niko Kovač (nach drei Spielen unter Interimscoach Mike Tullberg), andererseits mit späten Verpflichtungen im Winter-Transferfenster. Carney Chukwuemeka und Daniel Svensson kamen leihweise nach Dortmund und haben die Mannschaft verstärkt. Vor allem der Schwede hat sich schnell als Volltreffer-Transfer erwiesen.
BVB-Einkauf Svensson „vom Kopf her sehr viel weiter“
Unter der Woche hat der BVB beim Linksverteidiger Nägel mit Köpfen gemacht: Dank einer Kaufoption nahm Dortmund Svensson bis 2029 unter Vertrag. „Ich bin sehr zufrieden und glücklich, dass wir Daniel an uns binden konnten. Es hat wahrscheinlich keiner erwartet, dass er in so kurzer Zeit so performt“, erklärte Kovač am Donnerstag in der Pressekonferenz vor dem 34. Bundesliga-Spieltag zum schwedischen Nationalspieler.
Svensson hat keinerlei Anlaufzeit gebraucht, obwohl der Sprung vom FC Nordsjaelland zum BVB und in die Champions League groß war. „Das ist ein sehr reflektierter, sehr intelligenter junger Mensch, der sich mit seinem Beruf so auseinandersetzt, wie ich mir das erwarte. Er ist jetzt 23, aber er ist vom Kopf her sehr viel weiter“, schwärmte Kovač, der keinen großen Hehl daraus macht, dass Svensson einer seiner Lieblingsspieler ist.
Er schätze am Flügelspieler ganz besonders, dass er so aufnahmefähig sei, wie ein Schwamm alle Anweisungen des Trainerstabs umsetzt. „Es gibt nichts, was man ihm an die Hand gibt, das er nicht sofort umsetzt. Es ist sensationell, das wünsche ich mir von allen. Bei ihm geht mir das Herz auf, ich bin glücklich und freue mich, dass es auch noch solche Spielertypen gibt, die, egal ob jung oder alt, sofort dabei sind“, so Kovač weiter.
Dortmund beweist im Winter oft ein gutes Näschen
Im Preis-Leistungs-Verhältnis kann Svensson, für den per Kaufoption kolportierte sechseinhalb Millionen Euro Ablöse fällig werden, wohl schon jetzt zu den größeren Hits der jüngeren BVB-Vergangenheit gezählt werden. Dabei ist durchaus auffällig, wie oft der Klub zuletzt gerade im Winter ein gutes Näschen bewiesen hat.
Die Liste der Transfers zur Mitte der Saison, die schnell einen guten Impact hatten, ist beim Blick auf die vergangenen Jahre lang, egal, ob es um Leihen oder feste Transfers ging: 2018 kamen Manuel Akanji und Michy Batshuayi, 2020 Emre Can und Erling Haaland, 2023 Julian Ryerson, 2024 Ian Maatsen und Jadon Sancho, 2025 eben Svensson.
All diese Spieler hatten ihren Anteil an erfolgreichen Rückserien, wurden teils mit großem Gewinn verkauft oder sind bis heute wichtige Größen im Dortmunder Kader. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn die Rede von einer Transfer-Spezialität des BVB ist. Echte Flops hat es im Winter jedenfalls kaum gegeben.
Alle Winter-Neuzugänge der Bundesliga in der Übersicht
Eine hundertprozentige Trefferquote wäre gewiss zu viel verlangt. Auch im zurückliegenden Winter hat der BVB sie nicht erreicht: Chukwuemeka hat sein riesiges Potenzial zwar andeuten können, aber auch gezeigt, warum ihm der Durchbruch bisher verwehrt bleibt. Der Engländer hat zu viele körperliche Probleme, erlebt ein Start-Stopp-Halbjahr.
Dass der BVB die Kaufoption bei Chukwuemeka verstreichen lässt, ist nur folgerichtig. Durch Leihgebühr und Gehalt soll der Mittelfeldmann eine hohe siebenstellige Summe gekostet haben. Im Vakuum wäre dieses Geschäft eher negativ zu bewerten.
Immerhin aber zeigte Chukwuemeka seine beste Leistung beim 4:1-Auswärtssieg gegen den SC Freiburg. Die Breisgauer oder Eintracht Frankfurt muss Dortmund am Samstag überholen, um in die Champions League einzuziehen. Dort hat der BVB in dieser Saison über 100 Millionen Euro eingenommen. Da wären die Millionen, die der FC Chelsea kassiert hat, leicht zu verschmerzen.