BVB-Musterbeispiel Svensson: Top-Transfers müssen nicht teuer sein
VonLars Pollmann
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Daniel Svensson liefert als Leihspieler beim BVB starke Leistungen. Der Verein wird für eine mutige Entscheidung im Winter belohnt.
Dortmund – Über die Transferpolitik von Borussia Dortmund sind schon viele Worte gesagt und geschrieben worden.
Der Blick auf den vergangenen Sommer legt eine durchwachsene Bilanz offen: Serhou Guirassy verdient das Prädikat „Königstransfer“, die Leistungen der EM-Teilnehmer Waldemar Anton, Maximilian Beier und Pascal Groß schwanken, Leihspieler Yan Couto wird den Erwartungen noch nicht gerecht.
Im Winter legte der BVB mit den Leihen von Carney Chukwuemeka und Daniel Svensson nach – Torhüter Diant Ramaj wurde gekauft, aber sofort weiterverliehen. Bei Chukwuemeka macht der Körper die Einschätzung schwierig, dass Dortmund einen guten Treffer gelandet hat. Bei Svensson sind keinerlei Einschränkungen nötig: Der Schwede ist sogar ein Volltreffer!
Svensson war vor Winter-Transfer zum BVB kein großer Name
Anders als die Sommer-Einkäufe und auch Chukwuemeka, der als englisches Top-Talent gilt, war Svensson ein in Deutschland weitgehend unbeschriebenes Blatt. Den FC Nordsjaelland haben eben die wenigsten Fußballfans hierzulande regelmäßig im Blick. Unter Fachleuten und Scouts war der Linksverteidiger selbstredend ein Thema.
Immerhin hatte es vor dem Wechsel nach Dortmund schon das Interesse anderer Klubs gegeben. „Letztes Jahr wurde berichtet, dass Klubs wie Liverpool und Juventus auf ihn schauen. Es hat sich schon angedeutet, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein größerer Klub zuschlägt“, erklärte Keven Bader, Experte beim schwedischen Fotbollskanalen, kurz nach dem Transfer von Svensson gegenüber Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports.
Die Darstellung, dass der BVB einen absolut unbekannten Rohdiamanten ausgegraben habe, ist also etwas übertrieben. Und doch steht Svensson für einen Transfer-Weg, von dem Schwarzgelb abgekommen ist, auf den sich der Klub aber wieder öfter begeben sollte.
Schließlich war die Verpflichtung des Nationalspielers durchaus ein Wagnis. Nicht zwingend aus finanzieller Sicht: Neben einer Leihgebühr soll die moderate Ablöse von sechs bis sieben Millionen Euro fällig werden, wenn Dortmund Svensson im Sommer fest verpflichten wird. Das, so kann man schon jetzt festhalten, wird eine lohnende Investition.
Aber aus sportlicher Sicht bestand eben doch ein Wagnis. Schließlich war nicht davon auszugehen, dass der (damals) 22-Jährige den Sprung aus Dänemark nach Deutschland und aus der Conference League, auf die sich seine bisherige internationale Erfahrung auf Klubebene bezogen hatte, in die Champions League mühelos gelingen würde.
Bis vor drei Monaten in der dänischen Liga unterwegs gewesen. Die Champions League nur aus dem Fernsehen gekannt.
Svensson ist gleich ein Favorit von BVB-Trainer Niko Kovač geworden
Der BVB ist für den Mut belohnt worden, für die seit Jahren bestehende Dauerbaustelle auf der linken Abwehrseite einen gewiss talentierten, aber auch noch reichlich unerfahrenen Spieler zu holen. Svensson hat sich in Windeseile an das gestiegene Niveau gewöhnt, ist auch gleich ein Favorit von Trainer Niko Kovač geworden.
Nach dessen BVB-Startelfdebüt sprach er an Svensson Sonderlob aus, nannte ihn fast schon liebevoll den „kleinen Jungen“. Der ist schnell erwachsen geworden in Dortmund. Das ist auch in den beiden Spielen gegen den FC Bayern und FC Barcelona deutlich geworden.
Dass Svensson in zwei der wichtigsten und schwersten Spiele der Saison über je 90 Minuten auf dem Feld stand, sprach dabei schon für sich. Aber auch die Leistungen waren bemerkenswert, vor allem in ihrer rasanten Entwicklung. War der Jungprofi gegen die Bayern noch in manchen Szenen mit Michael Olise etwas überfordert, nahm er im Verbund mit Ramy Bensebaini dem Barça-Wunderkind Lamine Yamal regelrecht die Lust am Spiel.
Alle Winter-Neuzugänge der Bundesliga in der Übersicht
Svensson auf bestem Wege zum BVB-Publikumsliebling
Obendrein machte Svensson vorne viel Dampf, war an gefährlichen Szenen beteiligt und schlug gute Standards, so auch die Ecke vor dem 2:0 durch Serhou Guirassy. Es war ein Auftritt, der jedem Spieler gute Noten eingebracht hätte. Umso mehr gilt das für einen Profi, der bis vor wenigen Monaten noch in Dänemark gegen Teams angetreten ist, die kaum ein deutscher Fan auf der Landkarte verorten könnte.
Schon jetzt ist Svensson zudem wegen seiner leidenschaftlichen, unermüdlichen Spielweise auf bestem Wege zum Publikumsliebling. Kurzum: Diese Winter-Leihe war ein Transfer, der sich auf voller Linie auszahlt.
Es muss nicht immer das große Geld fließen, um eine Mannschaft sehr sinnvoll zu verstärken. Bleibt aus BVB-Sicht zu hoffen, dass ähnliche Profile wie Svensson auch für den Sommer ein Thema sind. Für den Kader-Umbau wird da schließlich nicht so viel Geld übrig sein, wenn Dortmund die Champions League verpassen sollte.