Von Kolumbien bis nach München

Die bewegende Geschichte hinter dem Spitznamen von Bayern-Star Luis Díaz

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Luis Díaz trägt den Spitznamen „El Flaco“ – die bewegende Geschichte des Bayern-Neuzugangs vom unterernährten Jungen zum Weltklasse-Spieler.

München – Luis Díaz, Neuzugang des FC Bayern, hat in einem auf Social Media veröffentlichten Clip seines neuen Klubs seinen Spitznamen preisgegeben: „El Flaco“. Der kolumbianische Flügelspieler, der vom FC Liverpool nach München gewechselt ist, offenbarte damit mehr als nur einen Namen. Denn dahinter verbirgt sich die Geschichte seines steinigen Weges zum Profifußballer.

Luis Díaz ist der neue Star des FC Bayern.

„El Flaco“ bedeutet auf Spanisch „der Dünne“ oder „der Schmächtige“ – ein Spitzname, der Díaz‘ bemerkenswerte Entwicklung von einem mangelernährten Jungen aus La Guajira zu einem der begehrtesten Flügelspieler der Welt widerspiegelt. Der 28-Jährige wuchs in Barrancas auf, einer der ärmsten Regionen Kolumbiens, wo die indigene Gemeinschaft der Wayuu seit jeher mit extremer Armut und Mangelernährung zu kämpfen hat.

Sein Vater, Luis Manuel Díaz, arbeitete als Bauarbeiter, und seine Mutter, Cilenis Marulanda, verkaufte Snacks und traditionelle Speisen, um die Familie zu unterstützen. Die körperlichen Auswirkungen dieser harten Kindheit waren deutlich sichtbar. Als Díaz im Alter 2015 von der kolumbianischen Legende Carlos Valderrama entdeckt und für die indigene Nationalmannschaft Kolumbiens nominiert wurde, zweifelte so mancher noch an seiner physischen Verfassung.

John ‚Pocillo‘ Diaz, damaliger Trainer der Auswahl, erinnerte sich: „Einen Moment lang dachten wir, es würde sehr schwierig für ihn werden, Leistung zu bringen, weil Lucho (wie Díaz ebenfalls genannt wird; Anm. d. Red.) Probleme mit Mangelernährung zu haben schien – er war sehr dünn und verlor die Zweikämpfe mit anderen Spielern.“ Trotz seiner körperlichen Defizite schaffte es Díaz, sich unter 400 Kandidaten durchzusetzen und einen Platz im 26-Mann-Kader zu erhalten.

FC Bayerns Neuzugang Luis Díaz: Von „Fideo“ zu „Flaco“

Ursprünglich wurde Díaz sogar „Fideo“ (die Nudel) genannt – ein noch deutlicherer Hinweis auf seine extrem schmächtige Statur. Doch was als körperliche Schwäche erschien, entpuppte sich als Antrieb für außergewöhnliche Qualitäten. Seine Dribblings, Finten und seine Geschwindigkeit ließen die Trainer trotz aller Bedenken staunen.

Luis Díaz (r.) 2019 als 22-jähriger bei Atlético Junior: Schmächtig, aber flink unterwegs.

Der Spitzname „El Flaco“ reiht Díaz in eine illustre Tradition ein. Von César Luis Menotti, dem legendären argentinischen Weltmeistertrainer, über Niederlande-Legende Johan Cruyff bis hin zu Uruguay-Ikone Enzo Francescoli – alle trugen diesen Namen und verkörperten eine besondere Philosophie: dass Technik, Intelligenz und Kreativität über rohe physische Kraft triumphieren können. Und übrigens wurde auch Gladbach-Legende Patrick Herrmann von seinem venezolanischen Mitspieler Juan Arango der Spitzname „Flaco“ verpasst.

Luis Díaz‘ Spitzname als Symbol für Widerstandskraft

Beim Barranquilla FC erkannten die Verantwortlichen den Ernst von Díaz‘ körperlicher Verfassung und stellten einen speziellen Ernährungsplan auf, der ihm helfen sollte, zehn Kilogramm zuzunehmen. „El Flaco“ ist bei Díaz mehr als nur eine Beschreibung seiner Statur: Es ist ein Symbol für Resilienz und den Triumph über widrige Umstände.

Seine Geschichte zeigt auf, wie viele außergewöhnliche Talente aufgrund von Armut und Mangelernährung unentdeckt bleiben könnten. Dass Díaz es geschafft hat, ist das Ergebnis einer seltenen Kombination aus überirdischem Talent, unbändigem Willen und dem glücklichen Zufall, zur richtigen Zeit von den richtigen Menschen entdeckt worden zu sein.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

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Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
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Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
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Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
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Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
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Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

Der Name verbindet ihn mit einer Ahnenreihe fußballerischer Genies, die bewiesen haben, dass die größten Talente oft in den unscheinbarsten Körpern stecken. Wie seine berühmten Vorgänger verkörpert auch Díaz den romantischen Gedanken, dass im Fußball immer noch Raum für das Unerwartete ist.

Bei Bayern München wird „El Flaco“ nun Teil einer neuen Geschichte. Der Spitzname, der einst seine körperlichen Defizite beschrieb, ist heute ein Markenzeichen für explosive Geschwindigkeit, unermüdliches Dribbling und einen unbändigen Kampfgeist geworden. Was als Hinweis auf Schwäche begann, wurde zu einem Symbol der Stärke. Luis Díaz‘ Spitzname „El Flaco“ erzählt die Geschichte eines Jungen, der trotz aller Widrigkeiten nie aufgegeben hat – eine Mentalität, für die der FC Bayern rund 75 Millionen Euro investiert hat.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

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