VonChristopher Michelschließen
Jamal Musiala zeigt regelmäßig seine Reife auf dem Spielfeld. Auch neben dem Feld glänzt der Star des FC Bayern: Selbstkritik und Diplomatie zeichnen ihn aus.
München - Der Dienstagabend in der Johan Cruijff ArenA in Amsterdam war Schauplatz eines intensiven Duells zwischen Deutschland und den Niederlanden, das mit einem 2:2-Unentschieden endete. Jamal Musiala, der beim 5:0-Sieg gegen Ungarn noch brilliert hatte, sah sich diesmal ständiger Manndeckung und Doppelungen der Gegenspieler gegenüber. Der 21-Jährige konnte gemeinsam mit Partner Florian Wirtz nicht die gewohnten Glanzpunkte setzen.
Musiala geht Schiedsrichterkritik cool aus dem Weg
Musiala bewahrte jedoch kühlen Kopf und zeigte sich selbstkritisch. „Es ist ein Prozess. Diesmal war es nicht unser Tag. Daraus müssen wir lernen“, reflektierte er im Interview mit RTL. Er fügte hinzu: „Wir mögen es, viel zu zocken. Aber wir hatten zu viele Ballverluste. Auch ich hatte einen Ballverlust vor dem Tor. Da müssen wir alle cleverer und ballsicherer sein.“
Trotz einer harten Aktion von Xavi Simons, der Musiala mit offener Sohle traf, blieb der junge Spieler gelassen und fokussiert auf das Spiel. Während Bundestrainer Julian Nagelsmann Kritik am Unparteiischen äußerte, hielt sich der Dribbelkünstler zurück: „Ich will nicht zu viel über den Schiedsrichter sprechen. Jeder, der das Spiel gesehen hat, hat gemerkt, dass nicht alles gut gelaufen ist. Aber das passiert im Fußball. Ich will nicht meckern! Wir müssen schauen, dass wir besser spielen.“
Trotz Konkurrenz ein gutes Verhältnis zu Bayern-Legende Müller
Musiala hat trotz seines jungen Alters bereits eine bemerkenswerte Reife und diplomatische Fähigkeiten gezeigt. Er hat Thomas Müller, eine Legende des FC Bayern München, allmählich in den Hintergrund gedrängt, ohne dass dies zu Konflikten führte. Müller äußerte sich positiv über das Verhältnis zu Musiala: „Wir haben ein gutes Verhältnis, auch wenn wir theoretisch irgendwie Konkurrenten sind.” Musiala wiederum lobte Müller: „Sein IQ ist richtig groß im Fußball. Er versteht Sachen, die ich nicht mal sehe, manchmal.“
Auch als Musiala nicht für den Ballon d‘Or nominiert wurde, blieb er gelassen. Er sprach zwar von einem „Rückschlag“. Doch Musiala ließ sich davon nicht entmutigen: „Es ändert nichts an meiner Mentalität und an meinen Zielen für diese Saison. Und es bringt nichts, sich einen Kopf darüberzumachen.“
Auch eine Tuchel-Spitze ließ der Offensivstar unkommentiert
Im Herbst 2023, als der FC Bayern 7:0 gegen den VfL Bochum gewann und Musiala auf der Bank blieb, äußerte sich der damalige Trainer Thomas Tuchel: „Jetzt muss er einen Tick stabiler werden und bleiben, dass er durchgehend zur Verfügung steht. Das ist auch ein Talentkriterium, dass du konstant fit bist und viel spielen kannst. Dann ist Jamal jemand, der über die halblinke und linke Seite den Unterschied für uns ausmachen kann.“ Musiala nahm die Kritik an und blieb ruhig, obwohl er nur selten verletzt war. Dabei stießen die Tuchel-Worte im Umfeld des Akteurs nach Informationen von fussball.news durchaus sauer auf. Die Verletztenliste des FC Bayern hätte Spitzen durchaus hergegeben. Doch er schwieg dazu und zeigte Leistung.
Musiala hat sich als Führungsspieler bewiesen. Er ist intelligent und hat sich in jungen Jahren in der Privatschule Whitgift im Süden Londons durchgesetzt. Er hat das Potenzial, das Gesicht des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft zu werden. Seine Mischung aus klaren Worten und diplomatischen Äußerungen, gepaart mit seiner Konstanz auf dem Feld, ist auf diesem Weg unerlässlich. Bis jetzt scheint Musiala die richtige Balance gefunden zu haben.
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