Droht Díaz beim FC Bayern das Mané-Schicksal? Experte ordnet ein
VonAdrian Kühnel
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Luis Díaz heuert beim FC Bayern an – und soll dort Erfolg haben, wo sein Vorgänger scheiterte. Gelingt ihm das? Ein Experte ordnet ein.
München – Am Dienstagmorgen landete Luis Díaz in München, um dort den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren. Im Anschluss soll der 28-jährige Kolumbianer beim FC Bayern einen Vierjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterzeichnen. Für kolportierte 75 Millionen Euro inklusive erfolgsabhängiger Boni wechselt der Linksaußen vom FC Liverpool an die Säbener Straße – und soll dort das schaffen, was Sadio Mané vor drei Jahren nicht gelang: Als Premier League-Star in München durchzustarten.
Doch ergibt der kostspielige Díaz-Transfer für den FC Bayern überhaupt Sinn? Oder profitiert gar der FC Liverpool mehr?
Liverpool erzielt mit Díaz-Verkauf an Bayern beachtlichen Gewinn
„Isoliert betrachtet, wirkt es wie ein sehr geschicktes Geschäft“, urteilt Liverpool-Experte Sam McGuire gegenüber Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, über den Díaz-Verkauf. Die 75 Millionen Euro machen den Kolumbianer zum drittteuersten Abgang der Vereinsgeschichte der Reds. Für einen Spieler, der in dieser Saison 29 Jahre alt wird und unter Trainer Arne Slot nicht immer unumstritten gesetzt war, ist das ein beachtlicher Gewinn.
Liverpool handelt dabei nach bewährtem Muster: Verkaufe rechtzeitig und zu Höchstpreisen, bevor der Marktwert sinkt. Beim Verkauf von Mané konnten die Reds 2022 bei nur noch einem Jahr Vertragslaufzeit 32 Millionen Euro als Sockelablöse herausschlagen. Díaz‘ Kontrakt in Liverpool wäre noch zwei Jahre gültig.
Anders als bei Mané, der 2022 im Alter von 30 Jahren laut McGuire schon seinen Zenit überschritten hatte, trennt sich der amtierende englische Meister diesmal von einem Spieler auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Díaz steuerte in der vergangenen Saison 13 Tore und sieben Vorlagen zum Premier League-Titel bei – nur Mohamed Salah war an mehr Treffern beteiligt.
Die Ablösesumme verschafft Liverpool zudem finanziellen Spielraum für neue Transfers. Nach Investitionen von bereits über 300 Millionen Euro steht auch noch Alexander Isak von Newcastle United auf der Wunschliste – durch Díaz‘ Abgang wird ein wichtiger Kaderplatz für einen ausländischen Spieler frei.
FC Bayern bekommt einen Kämpfer mit Qualität
„Díaz ist ein echter Kämpfer. Er gibt auf dem Platz alles und stellt die Bedürfnisse der Mannschaft über seine eigenen“, beschreibt McGuire den neuen Bayern-Star. Der Kolumbianer bringt genau die Eigenschaften mit, die Trainer Vincent Kompany für sein System benötigt: Vielseitigkeit, Tempo und die Fähigkeit, unter Druck Lösungen zu finden.
Besonders wertvoll ist Díaz‘ Ballsicherheit. „Gib ihm den Ball, und er wird ihn festmachen“, erklärt der Liverpool-Experte, der unter anderem für das Fach-Portal Anfield Watch berichtet. „Wenn Liverpool unter Druck stand, wurde der Ball oft auf die Nummer 7 gespielt, und er trug ihn dann über 50 Meter nach vorne.“ Diese Qualität könnte für Bayern Gold wert sein, wenn es darum geht, Pressing zu überwinden und schnelle Umschaltmomente zu kreieren.
Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern
Auch charakterlich scheint Díaz perfekt zu passen. Trotz Sprachbarrieren fand er in Liverpool sofort Anschluss – selbst zu Spielern wie Curtis Jones, dessen starker Liverpooler Dialekt sogar für Muttersprachler schwer verständlich ist. „Die Bayern bekommen einen wirklich nützlichen Spieler, der auf diesem Niveau in seine besten Jahre kommt“, prognostiziert McGuire.
Was unterscheidet Luis Díaz von Sadio Mané?
Der Vergleich zu Mané drängt sich auf: Beide wechselten als etablierte Liverpool-Stars nach München, beide spielten bei den Engländern zum Ende vermehrt zentral statt auf ihrer angestammten linken Außenbahn. Doch hier enden die Parallelen bereits.
„Von Díaz kann man – im Gegensatz zu Mané damals – nicht behaupten, dass er als Spieler auf dem absteigenden Ast ist“, stellt McGuire klar. Während Mané 2022 bereits 30 Jahre alt war und Leistungseinbußen zeigte, kommt Díaz in der Blüte seiner Karriere nach München. Der Kolumbianer wurde beim LFC nicht verdrängt, sondern taktisch umpositioniert – ein wichtiger Unterschied.
Mané musste seinerzeit in Liverpool für den jungen Díaz Platz machen. Díaz wurde bei den Reds zuletzt vermehrt zentral eingesetzt, weil Trainer Slot ihn dort für am wertvollsten hielt. „Bevor die Verletzungen im Sturm auftraten, war Díaz der gesetzte Linksaußen und befand sich in der Form seiner Karriere“, betont der Experte.
Kompanys perfekte Waffe für die Außenbahn
Unter Kompany könnte Díaz zu alter Stärke zurückfinden. Der belgische Trainer bevorzugt ein offensives System mit breiten Außenbahnspielern – genau Díaz‘ Paradedisziplin. Seine Fähigkeit, sowohl als klassischer Flügelspieler als auch als falscher Neuner zu agieren, macht ihn zu einer idealen Lösung für Kompanys taktische Flexibilität.
Einzig die Konstanz im Abschluss bereitet noch Sorgen. Von Ende September bis Anfang April erzielte Díaz in der vergangenen Saison nur vier Ligatore. Doch in einem offensiveren System wie dem der Bayern könnte Díaz profitieren.
FC Bayern tätigt Transfer mit Potenzial
Während Liverpool finanziell optimal agiert, könnte Bayern sportlich einen großen Gewinn einfahren. Díaz bringt alles mit, was in München gewünscht wird: Tempo, Unberechenbarkeit und die Fähigkeit, Spiele im Alleingang zu entscheiden. Anders als Mané kommt er nicht als alternder Star, sondern als Spieler, der noch Potenzial in sich trägt.
Ob die 75 Millionen Euro aus Sicht des FC Bayern gut investiert wurden, wird erst dann zu bewerten sein, wenn Díaz konstant starke Leistungen abruft. Ein Knackpunkt, an dem Mané in München scheiterte und mit dem auch Sané zu kämpfen hatte.