VonThomas Kilchensteinschließen
Eric Dina Junior Ebimbe spielt genauso unstet wie Eintracht Frankfurt. Dem Team geht Kontinuität und Balance ab.
Es hatte nicht viel gefehlt, und Eric Dina Junior Ebimbe hätte den den Europapokal bringenden Treffer zum 1:1 gar nicht erzielen können - weil er nicht mehr auf dem Platz gestanden hätte. Trainer Dino Toppmöller hatte „tatsächlich überlegt“, seinen Rechtsverteidiger vorzeitig vom Feld zu holen, wieder hatte der Franzose mit dem großen Phlegma anfangs keinen Bezug zum Spiel aufbauen können.
Der frühen Gladbacher Führung inklusive eines 60-Meter-Passes des Torwarts und eines Spurts von Joe Scally hatte Ebimbe erstaunt zugesehen, „sehr schwach verteidigt“, deckelte Toppmöller, dazu vergab der 23-Jährige eine prima Kopfballchance, wirkte unkonzentriert. Alles gute Grüne, die für eine Auswechslung sprachen.
Mehr zu Eintracht Frankfurt
Eintracht: Sportchef Krösche zieht in Frankfurt die Zügel an
„Aber wir kennen ja unseren Junior“, sagte Toppmöller, er ließ den Fahrigen auf dem Feld, was dieser mit dem hübsch herauskombinierten 1:1 belohnte, „damit hat er sich mehr Spielzeit gegönnt“, sagte Toppmöller hinterher launig. „Er hat immer geniale Momente nach vorne“, lobte der Coach, um sich nach einer knappen Stunde die Haare zu raufen - ein kapitaler Fehlpass von Ebimbe hätte Tomas Cvancara fast zum Gladbacher 2:1 genutzt. Sofort danach holte er Ebimbe runter, Wadenprobleme hätte er gehabt, sicherer war es so allemal.
Das war mal wieder ein typisches Eric Dina Ebimbe-Spiel, Genie und Wahnsinn liegen so nah beieinander beim Hochtalentierten, und keiner weiß, wann er welche Seite zeigt, er vermutlich auch nicht. Sein Spiel ist wie eine Achterbahn, mal dilettantische Fehler, mal klasse Aktionen. Dann zeigt er, welch Potenzial in ihm schlummert, welche Dynamik er am Flügel entwickeln kann. Es kommt halt nur in homöopathischen Dosen vor.
Das Unstete ist bei Eintracht Frankfurt Programm
Damit steht er stellvertretend für die gesamte Mannschaft von Eintracht Frankfurt, auch da weiß man selten, was passiert. Sie hat Qualität, keine Frage, sie zeigt es viel zu selten, allenfalls scheint es ab und an auf. Selbst in 90 Minuten wechseln diese Phasen von einer auf die andere Halbzeit, oft auch von einer Minute auf die nächste, wie bei Ebimbe. Das Unstete, das Instabile, das Unberechenbare ist ein Charakterzug dieses Team, dem Kontinuität und Balance abgeht, das Sprunghafte ist Programm. Damit umzugehen, ist nicht leicht, auch weil man es schwer erklären kann.
Was zuweilen zur Folge hat, dass selbst gut ausgetüftelte Matchpläne schiefgehen. In Gladbach etwa ging Toppmöllers Taktik auf, mit Ebimbe und Ansgar Knauff zwei schnelle Leute auf die Außenbahn zu beordern. Und damit dem Tempo der Gladbacher zu begegnen. Das klappte in Person von Knauff deutlich besser, der in der Offensive viele gute Läufe hatte und in der Defensive den flinken Franck Honorat an Vorstößen hinderte. Knauff ergatterte ein Lob des Coaches. „Sehr gut“ habe er gespielt und „sich total verausgabt“, am Tor hatte er Anteil. Aber auch Knauff ist in dieser Saison erstaunlich vielen Schwankungen unterworfen, sieben Tore hat er erzielt, so viele wie nie, aber eben auch Spiele zum Vergessen abgeliefert.
Dass es übrigens Ebimbe war, der die Eintracht in den Europacup geschossen hat, ist pikant: Er war es auch, der in der letzten Saison in letzter Minute des letzten Spiels gegen Freiburg das 2:1 markierte - ein Tor, das überraschend die Conference League brachte. Der Mann hat ein Gespür für besondere Momente, so oder so.
