Star wurde nicht ersetzt

Eigener Spieler wird von BVB-Boss Sebastian Kehl scharf kritisiert

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Donyell Malen wurde im Winter von Borussia Dortmund verkauft, der BVB hat keinen Ersatz gefunden. Äußerungen von Sportdirektor Sebastian Kehl geben Aufschluss.

Dortmund – Bei Borussia Dortmund ist in den letzten Wochen so viel passiert, dass der Abschied von Donyell Malen beinahe in Vergessenheit geraten ist: Nuri Şahin wurde beurlaubt, Interimscoach Mike Tullberg schaffte in drei Spielen zumindest eine kleine Trendwende, Niko Kovač wurde als neuer Cheftrainer geholt, der BVB erlebte einen spannenden Deadline Day mit drei Verpflichtungen.

Die durch den Verkauf von Donyell Malen an Aston Villa freigewordene Planstelle in der Offensive ist nach den Transfers von Salih Özcan (Leihe zum VfL Wolfsburg abgebrochen), Daniel Svensson (Leihe vom FC Nordsjaelland) und Carney Chukwuemeka (Leihe vom FC Chelsea) allerdings offen geblieben. Der erhoffte Zugang von Rayan Cherki von Olympique Lyon hat sich zerschlagen, andere Spuren, etwa zu Marcus Rashford von Manchester United, haben sich nicht konkretisiert.

Die Verantwortlichen des BVB erkennen keine Fehlplanung, verweisen auf das vorhandene Personal und Potenzial im Kader. Und schickten Malen in Person von Sebastian Kehl auch noch einen ziemlich deutlichen Seitenhieb hinterher.

BVB wollte Donyell Malen eigentlich nicht abgeben

„Wir sind Anfang Januar damit konfrontiert worden, dass Donyell Malen ein Angebot hatte in einer Dimension, die für uns noch nicht nachdenkenswert war, weil wir auf dieser Position eigentlich keinen Spieler abgeben wollten. Das Angebot hat sich dann in eine Dimension bewegt, wo wir darüber nachdenken mussten“, erklärte Sportdirektor Kehl am Dienstag im Rahmen der Vorstellung von Niko Kovač als neuem Cheftrainer.

„Der Spieler hat uns klar zu verstehen gegeben, dass er auch aufgrund seiner Vertragslaufzeit etwas Neues machen möchte, dort einen langfristigen Vertrag unterschreiben kann. Ab diesem Zeitpunkt haben wir die Entscheidung getroffen“, sagte Kehl und ließ Sätze fallen, die Malen in kein sonderlich gutes Licht rücken.

Die Worte von BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl in Richtung von Donyell Malen ließen aufhorchen.

„Der Spieler war nicht mehr mit dem Kopf bei Borussia Dortmund“

„Der Spieler war nicht mehr wirklich mit dem Kopf bei Borussia Dortmund, wir wissen alle, dass es am Ende nicht zu Leistungen führt“, so der Sportdirektor. „In der Verfassung, in der der Spieler sich am Ende präsentiert hat ... das muss man sagen: Donyell ist in dieser Saison nicht dorthin gekommen, wo er mal war. Wir haben eine gute Lösung gefunden“, ist der ehemalige BVB-Kapitän Kehl überzeugt.

In der laufenden Saison war Malen in 21 Pflichtspielen für den BVB zum Einsatz gekommen, dabei an sechs Treffern beteiligt gewesen. Als Highlight steht sein später Siegtreffer im Champions-League-Heimspiel gegen Sturm Graz zu Buche, dem stehen aber auch einige Tiefpunkte gegenüber. Des Öfteren musste Malen dem Vernehmen nach von Şahin zu mehr Eifer in der Arbeit gegen den Ball aufgerufen werden. Nach dem Sieg in Wolfsburg vor der kurzen Winterpause soll Trainer Şahin in einer Ansprache sogar Malen als Negativbeispiel gerüffelt haben.

Malen war in der BVB-Kabine ein Einzelgänger

Die Körpersprache des als Einzelgänger geltenden Niederländers war auch den Führungsspielern in der BVB-Kabine ein Dorn im Auge. Eine Träne wird Malen aus der Mannschaft nicht nachgeweint. „Wir glauben, dass wir in dieser Konstellation sehr gut gerüstet sind für das, was auf uns zukommt. Gleichwohl haben wir uns mit der Perspektive auf dem Markt beschäftigt. Die Dinge, die im Raum standen, waren teilweise wirtschaftlich nicht umzusetzen“, erklärte Kehl am Dienstag. In Bezug auf den gescheiterten Deal um Cherki wolle sich der BVB „nicht an den Spielchen beteiligen“, die aus Lyon lanciert würden.

Der Abschied von Malen soll Dortmund bis zu 30 Millionen Euro einbringen. Für einen Spieler, der in rund dreieinhalb Jahren nie längerfristig über gute Ansätze hinauskam und auch nie mit vollem Herzen für seinen Arbeitgeber brannte, ist das durchaus viel Geld.

Dass der BVB dieses Geld im Winter nicht reinvestierte, obwohl der Klub beim Weggang von Malen betont hatte, auf alle Eventualitäten vorbereitet gewesen zu sein, könnte den Verantwortlichen aber noch auf die Füße fallen. Im bisherigen Saisonverlauf haben mit Jamie Gittens und Serhou Guirassy nur zwei Offensivspieler des BVB regelmäßig performt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO

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