VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt würde den PSG-Stürmer gerne fest verpflichten – genauso wie das Schweden-Talent Bergvall.
Frankfurt – Das Training am Dienstag brachte Sturmhüne Sasa Kalajdzic nicht zu Ende, der neue Funkturm der Eintracht musste nach einem schmerzhaften Zusammenprall mit einem Mitspieler das Feld verlassen und auf dem Radl ins Trainingscamp zurückfahren. Die erste Diagnose: Fußprellung. Das ist nicht angenehm, aber nichts, was einen, der schon diverse Brüche, Bänderrisse in der Schulter oder im Knöchel und vor allem zwei zerfetzte Kreuzbänder im Knie überstehen musste, großartig von der Arbeit abhalten würde. Sasa Kalajdzic wird also, sollte nichts Unvorhersehbares passieren oder die Schmerzen doch noch einmal heftig aufflammen, im nicht ganz unbedeutenden Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim SV Darmstadt 98 in der Sturmspitze der Eintracht auflaufen können.
Das ist umso bedeutsamer, da der bisher beste Angreifer zurzeit gar nicht da ist. Omar Marmoush, mit zwölf Pflichtspieltreffern das Maß aller Dinge, verdingt sich mit Ägypten beim Afrika-Cup. Sonst gibt es da noch Nachwuchsstürmer Nacho Ferri, zuletzt gar nicht im Kader, und Jessic Ngankam, der die Erwartungen nicht erfüllen konnte und zur Stärkung des Selbstvertrauens und der Matchpraxis am besten ausgeliehen werden soll. Das war es dann im Sturm von Eintracht Frankfurt. Das ist der Status quo.
Der abgeändert werden soll. Und da kommen gleich zwei Kandidaten ins Spiel, die schon länger gehandelt werden, deren interne Transferbewertungen sich aber geändert haben. Der vorgeblich als Ziel Nummer eins ausgerufene Arnaud Kalimuendo von Stade Rennes ist nun in der Gunst der Eintracht etwas weiter nach hinten gerutscht. Der am Samstag 22 Jahre alt werdende Franzose soll gut 20 Millionen Euro kosten, das ist den Frankfurtern zu viel. Dabei hat der 1,75-Meter-Angreifer einen guten Lauf, machte in den letzten drei Pflichtspielen für Rennes vier Tore. Er steht voll im Saft, könnte eine Soforthilfe sein.
Das hat der wuselige Mittelstürmer dem anderen Aspiranten voraus, trotzdem fokussieren sich die Verantwortlichen der Hessen inzwischen eher auf Hugo Ekitiké von Paris Saint-Germain. Der 21-Jährige hat zwar seinen Stammplatz auf der Tribüne, kam nur am ersten Spieltag gegen den FC Lorient zu einem achtminütigen Einsatz. Doch die Sportliche Führung der Eintracht mit Markus Krösche an der Spitze hält große Stücke auf den 1,89 Meter großen Stürmer, der in Frankreich vor noch nicht allzu langer Zeit als eines der größten Talente gehandelt und als Sturmjuwel gepriesen wurde.
Ekitiké zur Eintracht? Abstriche beim Gehalt notwendig
Mit dem Wechsel von Stade Reims in die Hauptstadt vor eineinhalb Jahren (für 36 Millionen Euro) geriet die Karriere jedoch ins Stocken. Lief seine Premierensaison noch halbwegs ordentlich (vier Tore, vier Vorlagen), kam er in dieser Spielzeit gar nicht mehr zum Zug. Ekitiké ist ein Spieler, der die Tiefe sucht, schnell, robust, technisch gut, er erinnert in seiner Spielweise ein wenig an Randal Kolo Muani, der mittlerweile bei PSG angestellt ist, dort aber ein trauriges Dasein fristet.
Ob der in Reims geborene Akteur sofort helfen könnte, ist aufgrund seiner fehlenden Spielpraxis eher fraglich, ein wenig Anlaufzeit würde er sicher benötigen. Andererseits ist ja genau deswegen Sasa Kalajdzic geholt worden, der sofort funktionieren soll, und auch Omar Marmoush wird spätestens im Februar nach Frankfurt zurückkehren.
Von Ekitiké verspricht sich Sportvorstand Krösche eine mittel- bis langfristige Hilfe, der Deal soll in die Zukunft weisen, der Vertrag über Jahre laufen. Zudem bietet der schnelle Angreifer das Potenzial zur Wertsteigerung. Das lässt ein Verein wie die Eintracht nie außer Acht. Und sie bietet dem ein wenig vom Weg abgekommenen Spieler die Möglichkeit, seine Karriere zu begradigen und sie wieder in Schwung zu bringen. Dafür ist die Eintracht eine perfekte Plattform, das hat sie oft genug bewiesen.
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Ekitiké, mit dem die Eintracht bereits im Sommer verhandelt hatte, ohne sich aber wirklich nahe gekommen zu sein, wäre auch kein Schnäppchen, 17 bis 20 Millionen Euro müssten die Frankfurter sicher locker machen. Das ist viel Geld, aber keine Hürde, die unüberwindbar ist. Zumal es rund um den Kolo-Wechsel zwar einige Spannungen zwischen den Klubverantwortlichen von Paris und der Eintracht gab, die aber längst ausgeräumt sind. Mehr noch: PSG-Chef Nasser Al-Khelaifi hat höchste Achtung vor der in Frankfurt geleisteten Arbeit und hat seine Wertschätzung schon öffentlich artikuliert. Und auch der Spieler wäre – anders als im Sommer – bereit dazu, Abstriche in punkto Gehalt zu machen. In Paris verdient er mehr als sieben Millionen Euro, weniger als die Hälfe würde es in Frankfurt geben – aber dafür die Aussicht, die Laufbahn neu anzukurbeln und noch einmal durchzustarten. Mit 21 liegt ja noch alles vor ihm. Klar scheint aber schon jetzt, dass da ein schneller Durchbruch eher nicht zu erwarten ist, sondern ein zähes Ringen bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar.
Lucas Bergvall: Barca und BVB als Rivalen für die Eintracht
So könnte es auch beim offensiven Mittelfeldspieler Lucas Bergvall laufen, um den sich die Eintracht intensiv bemüht. Der 17-Jährige gilt als das größte Talent Schwedens und als einer der spannendsten Nachwuchsspieler in ganz Europa. Die Eintracht setzt alle Hebel in Bewegung, um den Hochbegabten an den Main zu locken, ist bereit, Bergvalls Stammverein Djurgardens IF mit 8,5 Millionen Euro zu entschädigen. Sie will den Spieler unbedingt. Ob das klappt?
Die Frankfurter haben große Konkurrenz, der FC Barcelona und Borussia Dortmund buhlen ebenfalls stark um den Techniker. Die Hessen aber führen ihre Geschichte im Umgang mit Talenten und ihre Glaubhaftigkeit ins Feld, zeigen den Frankfurter Weg auf: Längst ist europaweit bekannt, dass hochveranlagte Fußballer im Stadtwald reifen und sich entfalten können, weil sie Spielzeit bekommen.
Die Eintracht kann sogar mit einem aktuellen Fallbeispiel ins Rennen gehen, das bei Bergvall Eindruck hinterlassen könnte: Hugo Larsson. Der Mittelfeldmann hat einen kometenhaften Aufstieg im Frankfurter Dress hingelegt, sich binnen kürzester Zeit zu einem Leistungsträger und einem begehrten Spieler entwickelt, gerade für Klubs aus der Premier League. Der Junge ist erst 19 Jahre alt – und Schwede. (dur)
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