Ein Tor kostete den BVB den Superstar der Klub-WM – aktueller Wert: 120 Millionen
VonLars Pollmann
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Cole Palmer hat die FIFA Klub-WM entschieden. Kaum zu glauben: Der 120-Millionen-Mann wollte eigentlich zum BVB, wurde jedoch zu seinem Glück gezwungen.
East Rutherford/Dortmund – Als Cole Palmer nach dem Finale der FIFA Klub-WM den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers aus den Händen von US-Präsident Donald Trump überreicht bekam – und der skandalumwobene Politiker sich auch noch zwischen die jubelnden Profis drängte – schaute der Mittelfeldspieler reichlich verdutzt.
Für die Anhänger von Borussia Dortmund ist es der Ausgangspunkt eines faszinierenden Gedankenspiels: Der neue Superstar des englischen Fußballs hätte schließlich beinahe das schwarzgelbe Trikot getragen.
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Die Geschichte von Palmers Fast-Wechsel zum BVB im Sommer 2023
Im Sommer 2023 waren die Vorzeichen für einen Transfer von Palmer zum BVB ideal. Der Verein hatte durch den Verkauf von Jude Bellingham ein prall gefülltes Konto und stand bei englischen Talenten dank der Erfolgsgeschichten von Jadon Sancho und Bellingham selbst an der Spitze der Wunschliste.
Dortmund war die logische nächste Stufe für Palmer, der bei Manchester City über den Talentstatus nicht hinauskam. Berichte über das Interesse des BVB konkretisierten sich schnell, wobei zunächst eine moderate Ablöse von rund 15 Millionen Euro oder eine Leihe über gleich zwei Jahre im Raum standen – durchaus klassische BVB-Modelle für ein Talent, das den Durchbruch suchte.
Cole Palmer schoss ein Tor, das alles veränderte
Die Dynamik des potenziellen Transfers kippte innerhalb weniger Tage im August 2023. Palmers Ausgleichstor für Man City im UEFA-Supercup gegen Sevilla war der Katalysator. Dieses Tor, noch dazu nach der schweren Verletzung von Kevin De Bruyne, zeigte seinen Wert auf der größten Bühne und veränderte die Haltung von Startrainer Pep Guardiola.
Plötzlich war eine Leihe vom Tisch. Guardiola stellte ein Ultimatum: Palmer bleibt oder wird teuer verkauft. Dabei verdoppelte sich die Preisforderung laut Medienberichten schlagartig auf über 30 Millionen Pfund. Das machte den Deal für den BVB wirtschaftlich unmöglich.
Bemerkenswert ist indes: Guardiola und Palmer widersprechen sich in ihrer Erzählung des Transfers deutlich. Der Katalane zeichnete später das Bild eines Spielers, der unbedingt wegwollte: „Er hat zwei Saisons lang darum gebeten, gehen zu dürfen“, erklärte der Trainer und fügte hinzu: „Ich sagte: Bleib. Er wollte gehen. Was können wir tun?!“
Palmer selbst betont, sein Plan sei nie ein permanenter Abschied gewesen. „Ich wollte einfach nur verliehen werden“, betonte Palmer in einem Interview. Über den Wechsel zu Chelsea sagte er sogar: „Ich wollte gar nicht zu Chelsea gehen. Ich wurde überredet.“ Wäre es nach Palmer gegangen, hätte sein Wechsel zum BVB also mit einiger Wahrscheinlichkeit geklappt.
Ein „Sliding Doors“-Moment für den BVB
Stattdessen musste sich der BVB zurückziehen. Chelsea hingegen nutzte das schier endlose Transferbudget und verpflichtete Palmer für eine Ablöse von anfänglich 40 Millionen Pfund. Das war viel Geld für ein Talent ohne große Spielpraxis bei Manchester City. Heute wirkt es wie ein Pappenstiel.
In seiner Debütsaison 2023/24 explodierte Palmer mit 22 Toren und 11 Vorlagen in der Premier League. In der mit der Klub-WM endgültig abgelaufenen Spielzeit 2024/25 bestätigte Palmer seine Weltklasse mit 17 Toren und 8 Vorlagen auf dem Weg zum kuriosen Double aus UEFA Conference League und FIFA Klub-WM.
Sein Marktwert wird heute auf 120 Millionen Euro geschätzt. Die Frage, was mit dieser Kreativität und Torgefahr beim BVB möglich gewesen wäre, bleibt ein faszinierendes „Was-wäre-wenn“-Szenario.
Vielleicht ist auch das eine Überlegung der Dortmunder Verantwortlichen, wenn es um einen potenziellen Transfer von James McAtee geht, der bei Man City wie einst Palmer nicht die erwünschten Spielanteile erhält.