Möglicher Kolo-Muani-Nachfolger

Löst er das Sturm-Problem der SGE? Eintracht zeigt Interesse an Angreifer aus Südamerika

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Marcos Leonardo vom FC Santos wäre ein geeigneter Nachfolger für Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt. Offenbar gibt es tatsächlich Interesse.

Frankfurt – Mit lediglich vier Treffern in der Bundesliga hat Eintracht Frankfurt zusammen mit den beiden Schlusslichtern Mainz und Köln aktuell die schlechteste Torausbeute des deutschen Oberhauses. Der späte Rekord-Abgang von Randal Kolo Muani zu PSG konnte weder qualitativ noch quantitativ aufgefangen werden. Immerhin hat Sportvorstand Markus Krösche nun genügend Zeit, um im Winter einen geeigneten Nachfolger präsentieren zu können. Es gibt mehrere Kandidaten. Marcos Leonardo vom FC Santos ist einer davon.

Marcos Leonardo Santos Almeida
Geboren:2. Mai 2003 (Alter 20 Jahre), Itapetinga, Bahia, Brasilien
Aktueller Verein:FC Santos
Position:Stürmer

Eintracht Frankfurt scoutete bei U20-WM in Argentinien

Ähnlich wie Eintracht-Neuzugang Kauã Santos nahm Marcos Leonardo im Mai auch an der U20-Weltmeisterschaft in Argentinien teil, bei der der Offensivmann fünfmal traf. Die SGE könnte den Profi bei diesem Turnier ebenfalls beobachtet haben. Der hochtalentierte Brasilianer wäre tatsächlich eine ideale Besetzung für das Sturmvakuum, das Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt hinterlassen hat. Das lässt sich nicht allein an den bemerkenswerten Statistiken des Angreifers ablesen. Mit elf Saisontoren bei 19 Einsätzen liegt der erst 20-Jährige nach 25 Spieltagen auf Rang zwei der brasilianischen Torschützenliste. Diese gute Torausbeute allein verrät jedoch nicht die vielseitigen Stärken des Youngsters.

Am Sonntagabend (1. Oktober) zeigte sich Marcos Leonardo beim 4:1-Sieg des FC Santos gegen Vasco da Gama in prächtiger Verfassung – fast so, als wolle er all seine Qualitäten gleich auf einmal unter Beweis stellen. Denn der Junge aus Itapetinga traf sowohl mit seinem starken rechten Fuß zum 1:0 per Elfmeter als auch mit seinem guten linken Huf zum zwischenzeitlichen 3:1. Den Strafstoß holte der spielstarke Stürmer durch einen seiner vielen effektiven und intelligenten Tiefenläufe selbst heraus. Am Ende wurde der Angreifer mal wieder zum Spieler des Spiels gewählt. Dazu ist Marco Leonardo trotz seiner Körpergröße von 1,76 Metern kopfballstark und auch mit dem Rücken zum Tor ein guter Fixpunkt in der Offensive, der in der brasilianischen Série A gezeigt hat, dass er sich auch gegen physisch überlegene Gegner durchsetzen kann. Der Torjäger ist mit 20 Jahren fast ein kompletter Stürmer.

Mit zwei Toren beim 4:1-Sieg des FC Santos gegen Vasco da Gama wurde Marcos Leonardo am Wochenende zum Spieler des Spiels gewählt.

Marcos Leonardo bringt sich auch durch seine Mentalität in den Fokus von Eintracht Frankfurt

Das Ergebnis, die Qualitäten und die Torausbeute verschweigen jedoch, dass sich der große Traditionsverein FC Santos in akuter Abstiegsgefahr befindet. Dazu versinkt der frühere Klub der Fußballikonen Pelé und Neymar strukturell immer wieder im Chaos. So trainiert mit Marcelo Fernandes, der nach dem Erfolg gegen Vasco zum Cheftrainer befördert wurde, allein in dieser Saison bereits der vierte Coach den FC Santos. Seine Vorgänger Paulo Turra und Diego Aguirre hielten sich jeweils nur 39 Tage im Amt. Unter allen Trainer war der brasilianische Juniorennationalspieler unumstrittener Stammspieler und das, trotz beachtlicher Konkurrenz um den Kolumbianer Alfredo Morelos, der Anfang September auch mit der Eintracht in Verbindung gebracht wurde.

Dazu behielt der 20-Jährige auch einen kühlen Kopf, als die Fans des Vereins im Juni nach einer Clásico-Niederlage gegen die Corinthians (0:2) im Stadion randalierten. Infolgedessen musste der FC Santos sechs Heimspiele ohne Fans beschreiten. Alle internen Vereinsunruhen ließen das Toptalent aber kalt. Marcos Leonardo trifft weiter fleißig und führt als junger Profi einen der traditionsreichsten Vereine der Welt im Abstiegskampf an. Seine mentale Stärke ist schon jetzt beeindruckend.

Marcos Leonardo vom FC Santos ist eines der größten Talente des südamerikanischen Fußballs.

Marcos Leonardo stammt aus einer der besten Fußballschulen der Welt

Der Profi ist ein „menino da vila“, wie die Jugendspieler aus der hauseigenen Fußballschule des FC Santos, die nach wie vor zu den besten der Welt zählt, genannt werden. Erst im Sommer verließen mit Ângelo (18) und Deivid (18) zwei weitere Toptalente den Verein für viel Geld zu Chelsea London.

Wohl aufgrund dieser Transfers musste Eintracht-Ziel Marcos Leonardo wiederum im Klub bleiben. Dem FC Santos lag im August ein 12-Millionen-Euro-Angebot von AS Rom vor. Die Brasilianer lehnten ab, woraufhin es zum Streit zwischen Spieler und Verein kam. In der Vergangenheit sagt der Klub dem jungen Angreifer offenbar zu, dass er Brasilien bei einem guten Angebot verlassen könne. Der umstrittene Präsident Rueda dementierte diese Übereinkunft allerdings.

In der Juniorennationalmannschaft trägt Marcos Leonardo die in Brasilien besonders prestigeträchtige Nummer 9. Sein Ziel ist die Seleção.

Streitet sich Eintracht Frankfurt mit AS Rom um Marcos Leonardo?

Der 20-Jährige trainierte daraufhin eine Woche nicht. Dann einigten sich der junge Profi und der FC Santos. Der Offensivakteur erhielt offenbar eine Gehaltserhöhung und verankerte gleichzeitig eine Klausel im neuen Vertrag, nach der die Brasilianer Marcos Leonardo im Januar verkaufen müssen, wenn der FC Santos ein Angebot für umgerechnet rund 20 Millionen Euro erhält. Der Klub hält 70 Prozent der Spielerrechte. Marcos Leonardo selbst gehören 30 Prozent. Das berichtete das brasilianische Fußballportal von Trivela Anfang September.

Diese Summe könnte die Eintracht mit den Kolo-Muani-Millionen stemmen. Dazu passt der Angreifer in das bestehende System der SGE. Außerdem verspricht das Potenzial des 20-Jährigen einen hohen Wiederverkaufswert. Des Weiteren sind Spieler aus Südamerika aufgrund des Saisonmodells, das sich am Jahreskalender orientiert, besonders gut für das komplizierte europäische Januar-Transferfenster und die dringliche Stürmersuche der Frankfurter geeignet. AS Rom ist weiterhin interessiert und wäre wohl der härteste Konkurrent der Eintracht beim Buhlen um den Brasilianer. Doch mit jedem weiteren beeindruckenden Tor beweist Marcos Leonardo, dass er eines der größten brasilianischen Sturmtalente ist. Die Eintracht sollte daher die Bemühungen um den Angreifer so früh wie möglich intensiveren, wenn der Klub eine echte Chance auf eine Verpflichtung haben möchte. (jsk)

Rubriklistenbild: © Van Campos/Imago

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