Neuzugang

Elye Wahi, der verhinderte Knipser von Eintracht Frankfurt

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Ganz schön anstrengend: Elye Wahi atmet ordentlich durch.

Der bisher enttäuschende Stürmer Elye Wahi muss bei Eintracht Frankfurt einen neuen Anlauf nehmen.

Viele im Eintracht-Kosmos haben sich in diesen Tagen bereits die Frage gestellt, auf welchem Rang Elye Wahi auf der nach oben offenen Sam-Lammers-Skala eigentlich stehe - spätestens als bekannt wurde, dass der im Winter geholte Omar-Marmoush-Nachfolger dem Bundesligisten wegen einer im Training erlittenen und nicht näher definierten Knieverletzung rund drei Wochen nicht zur Verfügung stehen wird.

Der Spieler Sam Lammers, das nur nebenbei, steht stellvertretend für eine Handvoll eilig von Eintracht Frankfurt getätigter Verpflichtungen, die nicht von großem Erfolg gekrönt waren. Man hätte auch noch Donny van de Beek oder Luca Pellegrini oder Sasa Kalajdzic hinzunehmen können. Sie alle verließen den Klub relativ schnell wieder, weil es nicht passte, was (finanziell) nicht weiter tragisch war, weil diese Profis ohnehin nur ausgeliehen waren.

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Auf den Außen geht bei Eintracht Frankfurt die Post ab

Für Elye Wahi indes hat Eintracht Frankfurt einen Sockelbetrag von 20 Millionen Euro an Olympique Marseille überwiesen, der durch Boni auf 25 Millionen Euro anwachsen kann. Und er hat einen Kontrakt bis 2030 in Frankfurt unterzeichnet.

Natürlich ist es wohlfeil, jetzt den Daumen zu senken über Elye Wahi. Dass er aktuell, unabhängig von der Verletzung, nicht in Form ist und war, ist unübersehbar, dass er konditionelle Rückstände hat und die höhere Intensität in der Bundesliga noch adaptieren muss, ebenso. Der Angreifer, von Sportvorstand Markus Krösche („Wir sind immer vorbereitet“) als Soforthilfe geholt für Topstürmer Omar Marmoush, ist Eintracht Frankfurt bislang noch keine große Hilfe gewesen.

Bislang kam der aus Courcouronnes bei Paris stammende Stürmer mit ivorischen Wurzeln auf insgesamt 169 gespielten Minuten, ohne jegliche Torbeteiligung. Dass man sich von ihm, der zuletzt bei Olympique Marseille auch nicht regelmäßig gespielt hatte, deutlich mehr erwartet hat, ist unstrittig, ein Indiz: Er wurde sofort für die Europa League gemeldet, dafür guckte etwa Mittelfeldspieler Oscar Hojlund komplett in die Röhre.

Acht Minuten spielte Wahi in der Europa League nur, im Hinspiel bei Ajax Amsterdam kam er ins Spiel, ließ sich bei einer seiner ersten Aktionen abkochen wie ein Jugendspieler und erzürnte später Trainer Dino Toppmöller, weil er nach einem Ballverlust nicht nachsetzte. So was mögen Trainer nicht. Der Rüffel des Frankfurter Coaches war entsprechend deutlich.

Eintracht Frankfurt: Der Aufbau muss vorsichtig geschehen

Wann also zündet Elye Wahi endlich in Frankfurt? „Das ist die Eine-Millionen-Dollar-Frage“, scherzte Toppmöller unlängst gequält. Er gebe sich im Training alle Mühe, heißt es, ist willig und lernbereit, auch jetzt, nach der für ihn harten Diagnose, die ihn sehr getroffen hatte, habe er seine Reha „mit vollem Elan“ angetreten, sagte Sportdirektor Timmo Hardung kürzlich.

Andererseits werde man in der medizinischen Abteilung ein besonderes Auge darauf haben müssen, ihn „nicht zu schnell und zu stark zu belasten“, ihn also zu überfordern. Er hat ja aus seiner Zeit in Marseille noch Trainingsrückstand, die Verletzungspause könne Wahi also nutzen, grundsätzliche Dinge aufzuarbeiten, „seine Gesamtverfassung zu verbessern“, wie Hardung ergänzte. Zudem könne sich der flinke Angreifer auch taktisch weiterentwickeln, auch da besteht Nachholbedarf.

„Comeback stronger“, sei das Ziel, umschrieb der Sportdirektor. Bis Mitte April dürfte der Franzose, der von der U16 bis zur U23 alle Auswahlteams im Trikot der Equipe Tricolore durchlaufen hat und in der vergangenen Saison in Ligue 1 drei Tore bei 13 Einsätzen erzielte, kaum ein Thema sein. Die Bundesliga endet am 17. Mai, viel Zeit und Gelegenheit ist da nicht mehr.

Aber Toppmöller und Krösche sind weiterhin überzeugt von dem Neuzugang. „Er hat unheimliche Fähigkeiten, das hat er schon bewiesen“, findet der Sportchef. Man benötige Geduld, dürfe „ihn nicht von allen Seiten zuquatschen“, sagt Toppmöller, womöglich benötige Wahi nur die eine oder andere Hilfestellung. „Er muss dann den nächsten Schritt tun“, verlangt der Fußballlehrer. Wenn er schon nicht trifft, dann muss „er über andere Komponenten ins Spiel finden, über Intensität, Power, Zweikämpfe, Körperkontakt“. Wahi freilich ist vom Typus her eher Vollstrecker und Knipser statt mitspielender Vorbereiter.

Ein bisschen erinnert Elye Wahi an Hugo Ekitiké. Der kam im vergangenen Jahr ebenfalls im Winter aus der Ligue 1 und befand sich anfangs, warum auch immer, offenbar auf einem ähnlichen Fitnesszustand wie ein besserer Freizeitsportler. Er musste tatsächlich erst auf Bundesliganiveau angehoben werden, schaffte zunächst nur ein paar Minuteneinsätze.

Bei Ekitiké zahlte es sich aus, dass der Verein Geduld mit ihm hatte. Der 22 Jahre alte Stürmer legte dann Mitte April des vergangenen Jahres richtig los, erzielte in den letzten sechs Spielen vier Tore und legte eines auf. Gelingt dies auch Elye Wahi?

„Elye wird für uns noch Tore schießen und vorbereiten“, sagt Markus Krösche. Es klingt nach einem frommen Wunsch.

Und Sam Lammers spielt inzwischen bei Twente Enschede, sieben Tore in 21 Partien.

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