VonThomas Kilchensteinschließen
Angreifer Omar Marmoush wird für Eintracht Frankfurt vom Notnagel zum absoluten Glücksgriff.
Den operativen Eingriff an der linken Hand hat Omar Marmoush gut überstanden. Die Kapsel am Daumen war lädiert, weshalb der Stürmer seit Wochen mit Schiene spielen musste. Danach hatte der 25-Jährige endlich frei, die beiden WM-Qualifikationsspiele mit der Nationalelf Ägyptens, gegen Burkina Faso und Guinea Bissau im Juni hat er deswegen sausen lassen müssen.
Pausen, gar eine spielfreie Zeit, kannte der Angreifer aus Kairo in diesem Jahr nicht. Es gibt kaum einen Spieler, der in dieser Saison mehr Spiele bestritten hat als Marmoush, 53 an der Zahl, davon 41 Pflichtspiele für Eintracht Frankfurt in Liga, Pokal und Conference League. Dazu kommen weitere zwölf Partien mit dem Auswahlteam Ägyptens in aller Welt. Und es sah lange nicht danach aus, als wäre dem Dauerspieler entscheidend die Puste ausgegangen, wie ein Duracell-Hase sauste der Mann über den Platz, kaum zu bremsen, selbst wenn gegen Ende nicht mehr alles rund lief.
Eintracht-Zeugnis
Eintracht Frankfurt läuft am Ende auf Rang sechs ein, kann aber die Menschen in der abgelaufenen Saison nicht begeistern. Im FR-Abschlusszeugnis reicht es daher nur für die Note 3- für den Bundesligisten.
Das große Klassenbuch gibt’s dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Porträt – vom Primus über den Musterschüler bis hin zu den Sitzenbleibern.
Heute im Check: Omar Marmoush.
Man kann ohne zu übertreiben sagen: Omar Khaled Mohamed Abd Elsala Marmoush, wie er mit vollem Namen heißt, hat noch nie so eine gute Runde gespielt wie die vergangene, 17 Tore und sechs Vorlagen in 41 Pflichtspielen für die Eintracht, zwölf Treffer in der Liga (sieben in der Vorrunde, fünf in der Rückserie) haben ihn zu einem der wichtigsten Profis bei den Hessen werden lassen: Ohne ihn, seine Tore und seine erstaunliche und wahrlich unerwartete Leistungsexplosion hätte die Eintracht nie und nimmer Europa erreicht, mehr noch: Sie hätte ernsthafte Probleme bekommen.
Omar Marmoush, der auch einen kanadischen Pass besitzt, weil seine Eltern sechs Jahre in Kanada lebten, zählt zu den positivsten Überraschungen der Saison. Denn kein Mensch konnte damit rechnen, dass der ablösefrei vom VfL Wolfsburg gekommene Angreifer, eigentlich als Ersatz für Jesper Lindström eingeplant, derart überragend einschlagen würde. Denn er musste – Randal Kolo Muani war den Frankfurtern ja weggekauft worden – in der Sturmspitze ran, dort avancierte er vom Notnagel zum absoluten Glücksfall. Abgeguckt hat er sich viel von den beiden Brasilianern Ronaldo und Jesus Gabriel, klassische Mittelstürmer.
Eintracht-Spieler Marmoush: Auf direktem Weg zum Tor
Marmoush, der 2017 nach Deutschland kam und sich flugs integrierte, belebte das Frankfurter Spiel. Er war meist der einzige, der den direkten Weg zum Tor suchte statt ständig quer oder zurück zu passen. Sein Tempo und seine Dribbelfreude wirkten erfrischend, er schoss mutig aufs Tor (in 29 Ligaspielen 75-mal), war ein steter Unruheherd. Oft lösten seine Tore besondere Emotionen auf den Rängen aus, etwa sein Ausgleich gegen Mainz, seine Tore gegen Dortmund und Bayern oder zuletzt gegen Augsburg, als er in bester Mijat-Gacinovic-Manier aufs leere Tor lief.
Und den Elfmeter zum 2:2 im letzten Spiel gegen RB Leipzig ließ er sich ebenfalls nicht nehmen - Platz sechs war mit diesem Tor gesichert. Marmoush hat sich längst zum Publikumsliebling gemausert.
Dass er in der Rückrunde, nach starkem Beginn (und drei Toren in Folge) Phasen durchlaufen musste, in denen er weniger auffällig agierte, hatte Gründe: Die Enttäuschung beim Afrikacup im Winter, als Ägypten schon im Achtelfinale ausschied, der Ramadan, der Körner kostete, und der Einbau der Spitze Hugo Ekitiké, weshalb Marmoush mehr auf die Flügel ausweichen musste, waren nicht förderlich für den Sunnyboy. Er hatte eine Durststrecke zu bewältigen, blieb sechs Spiele ohne Treffer. Symptomatisch vielleicht der Fehlschuss im Spiel gegen Bayer Leverkusen, als er allein aufs Tor lief und den Ball haushoch über die Latte donnerte: In der Hinrunde hat er solche Chancen noch eiskalt verwertet.
Das schmälert seinen Gesamteindruck allenfalls unwesentlich. Omar Marmoush, der trotz Vertrags bis 2027 längst das Interesse von Klubs aus England auf sich gezogen hat, gehörte zu den ganz wenigen Musterschülern von Eintracht Frankfurt. Er ist gar der einzige. Der Mann passt bestens in die Reihe erfolgreicher Frankfurter Stürmer: Haller, Jovic, Rebic, Silva, Kolo Muani.
