Eintracht Frankfurt vor einem ganz besonderen Spiel in Freiburg
VonIngo Durstewitz
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Trainer Toppmöller will mit mehr Leichtigkeit und Rückkehrer Kristensen die Defensive stabilisieren und Selbstzweifel überwinden.
Der Eintracht-Feiertag im Breisgau, 17. Mai 2025, spielt in der Vorbereitung auf die anstehende Bundesligapartie des Frankfurter Klubs beim SC Freiburg keine große Rolle. Und doch wird die Begegnung am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) so ein bisschen überlagert von den Erlebnissen vor wenigen Monaten, als die Eintracht durch den 3:1-Sieg erstmals über die Bundesliga die Qualifikation für die Champions League perfekt machte.
„Das ist vorbei, Vergangenheit, die Voraussetzungen sind heute ganz andere“, sagt Cheftrainer Dino Toppmöller zwar. Gibt aber gleichwohl zu bedenken: „Wenn wir am Stadion vorfahren, werden positive Vibes und Gefühle aufkommen, wir haben gute Erinnerungen“. An einen besonderen Tag am Fuße des Schwarzwalds.
Eintracht-Coach Toppmöller fordert Spaß und Lockerheit
Zuversicht, Freude, Heiterkeit – gute Stichwörter. Optimismus ist so etwas wie das Mantra des Fußballlehrers. Und genau deshalb misst er den beiden bitteren Pillen gegen Atletico Madrid (1:5) und Bayern München (0:3) keine besonders große Bedeutung mehr zu. Auch dies: vorbei und vergessen. Aber lassen sie sich auch so leicht aus den Kleidern schütteln, die beiden empfindlichen Schlappen?
Dino Toppmöller jedenfalls gibt an, keinen großen Druck oder eine allgemeine Verunsicherung zu spüren. „Wir freuen uns auf ein geiles Spiel in Freiburg, wir haben richtig Bock drauf. Und das soll man auf dem Platz sehen.“ Man müsse auch nicht künstlich irgendeine „Erwartung hinschrauben“, sondern das Spiel als das nehmen, was es ist, nämlich ein Spiel. Spaß und Freude müssten im Vordergrund stehen, und generell merkt der 44-Jährige leicht philosophisch angehaucht an: „Es geht nicht ums Müssen, sondern ums Wollen“.
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Und deshalb spricht er gerne über „Selbstzweifel, die man beseitigen“ müsse. „Das ist die größte Kunst im Leistungssport.“ Oder auch von „der Leichtigkeit als Schlüssel“ zum Erfolg. In diesem Fall hat er explizit Torwart Kaua Santos gemeint, der seit seiner Rückkehr in den Kasten ungeheuerliche 16-mal hinter sich greifen musste. Für den jungen Brasilianer habe sich die Situation verändert, „er ist nicht mehr der Herausforderer“, sagt Toppmöller und rät dem zuweilen doch arg flatterhaften 22-Jährigen: „Er braucht diese brutale Freude am Spiel. Das ist der Zugang zu seiner Qualität“. Und von der ist der Chefcoach zu 100 Prozent überzeugt.
Eine wichtige Rolle im großen Ganzen spielt auch Altmeister Mario Götze, mit dem sich Toppmöller neulich auf dem Trainingsplatz lange unterhielt. Kein Zufall. „Mario ist total wichtig für uns, er hat unfassbar viel erlebt, er weiß, wie sich Drucksituationen anfühlen.“ Und genau diese Lebenserfahrung soll er in die blutjunge Mannschaft einbringen. „Er hat einen sehr guten Blick.“ Und deshalb versucht der Cheftrainer immer wieder, Götze „abzuholen und in meine Gedankenwelt einzuführen“.
Frankfurt: Santos - Kristensen, Koch, Theate, Brown - Skhiri, Larsson - Uzun - Doan, Knauff - Burkardt
Schiedsrichter: Aytekin (Nürnberg)
Der Eintracht fehlt: Baum (Muskelfaserriss)
Trotzdem stellt sich die Frage, wann der 33-Jährige auch mal wieder auf dem Platz eine tragende Rolle einnehmen wird. Bisher hat es nur zu vier Kurzeinsätzen mit einer Spielzeit von 77 Minuten gereicht. „Mario ist bereit, er wird in den nächsten Wochen in der Startelf stehen.“
Ob schon in Freiburg, das ließ der Fußballlehrer offen. „Man muss sehen, welches Spiel der richtige Einstieg für ihn ist.“ So oder so: Auch ein Zusammenspiel mit Senkrechtstarter Can Uzun schließt der Trainer nicht aus. Im Gegenteil: „Diese Konstellation habe ich im Kopf, sie muss das Ziel sein“.
Für Ritsu Doan ist es ein spezielles Spiel
Mit Sicherheit wird Rasmus Kristensen in die erste Elf zurückkehren. Der dänische Haudegen wurde zuletzt schmerzlich vermisst, sein verletzungsbedingtes Fehlen machen nicht wenige kausal mit der seltsamen Flut an Gegentoren fest. Wenn Dino Toppmöller eine andere Verteidigungsmentalität und eine andere Schärfe in den Zweikämpfen einfordert, weiß er ganz sicher, dass er sie bei Kristensen bekommen wird.
Und auch Ritsu Doan freut sich über das Comeback des Rechtsverteidigers, mit ihm im Rücken machte der Japaner zu Saisonbeginn seine besten Spiele. Beide Akteure seien „spielschlau“, hätten sich „schnell gefunden“, urteilt Dino Toppmöller. Ohne Kristensen habe Doan „ein bisschen was gefehlt.“ Pünktlich zum Freiburg-Spiel ist das Duo wieder vereint. Klar ist es auch für Ritsu Doan eine ganz besondere Partie. Der 27-Jährige hat drei Jahre für den Sport-Club gespielt, war dort Leistungsträger. Das hat er auch in Frankfurt schon geschafft, binnen kürzester Zeit. Und mit Rasmus Kristensen an seiner Seite.