Schwerer Gang nach Gladbach

Eintracht: Ein linkes Duell

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Ansgar Knauff und Jean-Matteo Bahoya streiten um den Platz am Flügel – bisher mit klaren Vorteilen für den jungen Franzosen. Beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach könnte sich das ändern.

Frankfurt – Der letzte Auftritt des Jean-Matteo Bahoya geriet dann doch zu einem ziemlichen Reinfall. In der äußerst ruckeligen Begegnung der Eintracht gegen Union Berlin, die in einer 3:4-Schlappe mündete, sah der Frankfurter Flügelspieler gar kein Land, er wurde nach allen Regeln der Kunst abgekocht. Von Christopher Trimmel.

Auf ein Tänzchen: Ansgar Knauff und Jean-Matteo Bahoya (re.).

Der ist zwar eine wahre eiserne Legende, ein Köpenicker Urgestein, mehr als eine Dekade schon am Ball an der Alten Försterei und natürlich auch Kapitän des Teams. Aber der Österreicher wird in wenigen Monaten schon 39 Jahre alt. Jean-Matteo Bahoya, vor viereinhalb Monaten 20 geworden, ist ungefähr halb so alt, noch dazu der erwiesenermaßen schnellste Spieler der Bundesliga.

Stillstand statt Überraschung: Bahoyas Auftritt

Doch am Union-Haudegen zerschellte er förmlich. Oder, besser gesagt: Er unternahm kaum einmal den Versuch, den Mann, der altersmäßig theoretisch sein Vater sein könnte, stehenzulassen und ihm zu entkommen. Bahoya bewegte sich zu wenig, rochierte nicht mal in die Mitte oder ins Halbfeld, er klebte an der Außenlinie und wartete auf Zuspiele; wenn er den Ball mal hatte, selten genug, passierte auch nichts Überraschendes, kaum ein Sprint, kaum ein Dribbling, nichts.

Zumeist ließ er die Kugel wieder prallen. Und dann ging die langatmige Angriffsmaschinerie der Eintracht wieder von vorne los. Als das Spiel dann richtig Fahrt aufnahm und in einem wilden Schlagabtausch endete, war er schon lange nicht mehr auf dem Feld, ausgewechselt nach einer Stunde.

Europapokal in Frankfurt: Galatasaray-Fans sorgen für prickelnde Atmosphäre – die Fotos des Tages

Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet.
Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt im Waldstadion gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet. © IMAGO/ingo kutsche
Helmut (links) und Erhan fiebern dem Spiel schon entgegen.
Helmut (links) fiebert der Partie an der Konstablerwache schon am Vormittag entgegen. Erhan empfängt am Flughafen Frankfurt befreundete Gala-Fans. © Fritz Landenberger/Felix Fehre
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“.
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“. Die Paprika in Galatasaray-Farben sind „Zufall“. © Fritz Landenberger
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren.
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren. © Fritz Landenberger
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine.
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine. Verkäuferin Laura ist aus Kaiserslautern angereist. © Fritz Landenberger
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist.
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist. © Fritz Landenberger
Sonniger Blick nach Frankfurt
Ganz nebenbei ist der Spätsommer mit voller Kraft in Frankfurt angekommen. Bis zum Anstoß herrscht bestes Wetter. Hier der Blick von Oberursel aus auf Frankfurt am Donnerstagvormittag. © Imago/Jan Eifert
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.  © Imago/Joaquim Ferreira
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt.
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt. © Fritz Landenberger
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben.
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben. © Fritz Landenberger
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein.
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein. © Fritz Landenberger
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß.
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß. © Fritz Landenberger
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.  © Fritz Landenberger
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof.
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof. © Fritz Landenberger
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein.
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein. © Boris Roessler/dpa
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge.
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge. © Boris Roessler/dpa
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.  © Michael Brandt/dpa
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug.
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug. © Fritz Landenberger
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten.
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten. © Fritz Landenberger
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie gemeinsam zum Hauptbahnhof.
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie zum Hauptbahnhof.  © Fritz Landenberger
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet.
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet. © Boris Roessler/dpa
Vorneweg der Wasserwerfer der Polizei.
Vorneweg: Der Wasserwerfer der Polizei. © Fritz Landenberger
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks.
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks. © Boris Roessler/dpa
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.  © Fritz Landenberger
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein.
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein. © Boris Roessler/dpa
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof.
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof. © Michael Brandt/dpa
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion.
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion. © Fritz Landenberger
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion.
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion. © Boris Roessler/dpa
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion.
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion. © Fritz Landenberger
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion.
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion. © Uwe Anspach/dpa
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans.
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Konfetti und Choreo der Frankfurter Fans.
Konfetti und Choreo der Frankfurt-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans.
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans. © Uwe Anspach/dpa

Die Passivität des französischen U-21-Nationalspielers verwundert schon ein wenig, nicht nur wegen des „steinalten“ Berliner Widerparts, sondern weil es um das Selbstvertrauen des Flügelspielers eigentlich gut bestellt hätte sein müssen. Denn Bahoya konnte sich schon als Stammkraft fühlen. Klar, einmal, ein paar Tage zuvor in der Champions League, saß er draußen. Aber ansonsten stand er in jedem Pflichtspiel auf dem Feld, wenn der Anpfiff ertönte.

Und er hat das Vertrauen durchaus zurückgezahlt, im Pokal beim Oberligisten FV Engers brach er mit seinem Führungstor den Bann, zum Bundesligaauftakt gegen Bremen schnürte er einen Doppelpack und verblüffte danach mit der Einlassung, wonach er gerne 20 oder mehr Tore in dieser Saison schießen würde.

Und auch in Hoffenheim hinterließ er Spuren, bereitete das 2:0 durch Ritsu Doan perfekt vor. Das Hoch des 20-Jährigen ging auf Kosten von Ansgar Knauff, der in fünf von sechs Partien erst einmal auf der Bank Platz nahm. Dass Bahoya nach diesem furiosen Start erst einmal die „Nase vorn“ gehabt habe, sei „völlig normal“, urteilt Trainer Dino Toppmöller. Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter?

Champions-League-Held kämpft plötzlich um seinen Platz

Der Chefcoach wird diese Frage zunächst beim Auswärtsspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in Mönchengladbach beantworten müssen. „Der Zweikampf auf der Seite ist eröffnet“, sagt der Fußballlehrer. „Wir haben die Qual der Wahl und sind froh, dass wir da mehrere Topspieler haben.“

Für Ansgar Knauff ist die Gesamtsituation gleichwohl schon ein wenig irritierend. Denn der schnelle Flügelmann, inzwischen einer der dienstältesten Frankfurter und neben den Reservisten Timothy Chandler und Jens Grahl inzwischen der einzige verbliebene Held von Sevilla, hatte maßgeblichen Anteil an der Qualifikation zur Champions League – nicht nur wegen seines eminent wichtigen Ausgleichstreffers im großen Finale um den Königsklasseneinzug in Freiburg. Doch auf rechts ist ihm Ritsu Doan vor die Nase gesetzt worden. Der Japaner ist gesetzt, quasi unantastbar. Und auf links muss er nun in das Duell gegen Bahoya.

Das hat er bisher nur einmal für sich entschieden, eben gegen Galatasaray, als das Trainerteam irgendwie spürte, dass Knauff in diesem Spiel gut passen könnte. „Wir hätten auch locker-flockig entscheiden können, dass Matteo drin bleibt“, bemerkt Toppmöller nonchalant.

„Aber wir hatten das Gefühl, dass das der Moment ist, in dem wir den Konkurrenzkampf anheizen können und es auch das richtige Spiel für Ansgar sein könnte.“ Der Chefcoach glaubt zu Recht, „ein glückliches Händchen“ gehabt zu haben, „Ansgar hat ein richtig gutes Spiel und am Ende sein Tor gemacht.“ Und musste im darauffolgenden Spiel gegen Union Berlin dennoch raus.

Knauff, der eiserne Kämpfer

Wahrscheinlich auch deshalb, weil Bahoya die feinere Klinge bevorzugt, technisch versierter ist als der geradlinige Knauff. Gegen tief stehende Eiserne, so die Idee, hätte das besser passen können. In der Praxis sah es dann anders aus.

Knauff ist kein Typ, der darüber lamentieren würde. Er ist ein absoluter Teamplayer, der nicht stänkert, sondern da ist und liefert, wenn er gebraucht wird. Er ist es auch gewohnt, um seinen Platz kämpfen zu müssen. Die aktuelle Spielzeit ist kein Sonderfall, zu Beginn fast jeder Saison saß der Göttinger erst einmal mehrheitlich draußen – am Ende spielt er dann doch. „Ansgar ist für uns wichtig“, sagt Dino Toppmöller, der der 23-Jährigen als „Allzweckwaffe“ bezeichnet. „Er wird sehr viele Spiele von Anfang an machen.“ Sehr wahrscheinlich schon in Mönchengladbach.

Zum Spiel

Mönchengladbach: Nicolas - Diks, Elvedi, Chiarodia - Scally, Reitz, Engelhardt, Ullrich - Stöger, Castrop - Machino.

Frankfurt: Santos - Collins, Koch, Theate, Brown - Skhiri, Larsson - Doan, Uzun, Knauff - Burkardt.

Schiedsrichter: Storks (Velen).

Der Eintracht fehlt: Kristensen (Muskelfaserriss).

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jürgen Kessler

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