Neuzugang der SGE

Eintracht gewinnt Ekitiké-Poker

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Ballstreichler: Hugo Ekitiké, in Zukunft im Trikot von Eintracht Frankfurt.
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Im Poker um den Stürmer von Paris Saint-Germain reizen die Frankfurter ihr Blatt bis zum letzten Moment aus und tüten den teuersten Transfer der Geschichte ein.

Frankfurt/Paris – Zuweilen ist es in der Betrachtung aus der Vogelperspektive schon faszinierend, dass in der hochgezüchteten und milliardenschweren Fußballbranche Transfers erst auf den letzten Drücker über die Bühne gehen, auf den allerletzten sogar. Man muss ja schon mal fragen: Welche Parameter verändern sich am letzten Tag der Wechselperiode, dem berüchtigten Deadline Day, welche neuen Details und Klauseln greifen, die nicht schon vorher fixiert und ausgehandelt hätten werden können? Rätselhaft.

Eintracht Frankfurt hat nun, im Winter und im Sommer, gleich zweimal bis zur letzten Sekunde um einen Spieler gepokert oder pokern müssen – Gegenspieler beide Male: Paris Saint-Germain, der Großklub aus der französischen Hauptstadt, von einem katarischen Geschäftsmann geführt, der ein Projekt managt, in dem Prestige eine in etwa so große Rolle spielt wie Geld, in dem am Ende persönliche Bindungen entscheiden, sich Ansichten, Begebenheiten und Forderungen auf den letzten Metern verändern können. Unter Umständen. So wie jetzt bei dem von der Eintracht ins Visier genommenen Pariser Stürmer Hugo Ekitiké.

Eintracht gewinnt Ekitiké-Poker: Erfolg für Krösche und Hellmann

Am Mittwoch noch sah es so aus, als sei der Deal geplatzt und die Verhandlungen in eine Sackgasse geraten – nach wochenlangem Tauziehen, Poker, Feilschen. Doch am Donnerstag, nur Stunden vor der letzten Frist, näherten sich die Parteien plötzlich an, die Eintracht-Delegation mit Sportchef Markus Krösche und dem spät hinzugezogenen Vorstandssprecher Axel Hellmann schaffte es, die Verhandlungsposition des einflussreichen und eigenwilligen Pariser Präsidenten Nasser Al-Khelaifi aufzuweichen und ihn von der ursprünglichen 30-Millionen-Euro-Forderung abzubringen. Frankfurter Teamwork at it’s best.

Der Deal, wie er nun steht: Eintracht Frankfurt leiht den 21 Jahre alten Angreifer zunächst bis zum Sommer aus und wird ihn anschließend fest unter Vertrag nehmen. Das Gesamtvolumen der Ablöse beträgt 20 Millionen Euro – plus möglicher Bonuszahlungen, die aber über die Jahre hinweg gestreckt und stark erfolgsabhängig sind.

Damit sind die Frankfurter weit weg von den 30 Millionen Euro, die am Donnerstag kolportiert wurden. Dennoch ist Hugo Ekitiké der Rekordeinkauf des Bundesligisten aus dem Hessischen. Teurer war nie ein Spieler zuvor, auch kein Luka Jovic, damals von Benfica Lissabon gekommen und nach einer wundersamen Saison zum Weltklub Real Madrid transferiert.

„Hugo ist ein junger Spieler, der sein großes Potenzial schon unter Beweis gestellt hat“, sagte Sportvorstand Krösche. „Wir sind glücklich, dass der Transfer vor dem Hintergrund unserer wirtschaftlichen Rahmenbedingungen funktioniert hat.“ Diese Rahmenbedingungen hätte Eintracht Frankfurt nicht gesprengt, unter keinen Umständen. Der Verein legt größten Wert darauf, finanziell vernünftig zu agieren und keine Harakiri-Aktionen zu unternehmen.

„Transfers oberhalb von 25 Millionen sehe ich als schwierig an“, sagte Finanzvorstand Oliver Frankenbach im Spätsommer. „Ich glaube, das wir dahin niemals vorstoßen werden. Denn dann würden wir auch die Gehaltsstatik unseres Kaders verändern.“ Das Gefüge soll keine zu großen Ausschläge haben, weshalb Ekitiké auch zu einschneidenden Einbußen bereit sein musste. Von den 7,5 Millionen Euro Salär in Paris wird er sich verabschieden, für rund die Hälfte spielt er nun in Frankfurt. Davon kann man immer noch die Miete für ein kleines Häuschen am Stadtzentrum zahlen, keine Frage.

Ekitiké wurde als Haaland-Nachfolger gehandelt

Dem in Reims geborene Akteur mit kamerunischen Wurzeln, einst als Sturmjuwel und auch bei Borussia Dortmund als Erling-Haaland-Nachfolger gehandelt, ist es wichtig, einen Verein gefunden zu haben, bei dem er seine ins Stocken geratene Karriere wieder anzünden kann. Gerade die Emotionalität der Eintracht und der Frankfurter Weg in den letzten Jahren waren für ihn entscheidend, er sieht hier gute Chancen, noch einmal durchzustarten.

Ekitiké lehnte daher andere lukrativere Angebote ab, aus der Premier League etwa, wo er noch mehr Geld als in Paris verdient hätte und PSG mit einer Ablöse von mehr als 30 Millionen Euro entschädigt worden wäre. Doch das Commitment des Spielers zur Eintracht stand – bis zum Schluss. Und ermöglichte den Deal überhaupt. Nebenbuhler wie der VfL Wolfsburg aus der Bundesliga waren eben das: nur Nebenbuhler.

Ekitiké gab sich in seinen ersten Stunden in Frankfurt sehr nahbar, absolut bodenständig und mit guten Manieren. Nicht unwichtig für ein gutes Miteinander. Der Stareinkauf wird sicher erst einmal interessiert unter die Lupe genommen werden, im Eintracht-Zirkel sind sie aber überzeugt davon, einen pflegeleichten Fußballer unter die Fittiche genommen zu haben, mit dem Trainer Dino Toppmöller keine Probleme haben werde.

Wie schnell Ekitiké auf dem Platz zünden wird, steht auf einem anderen Blatt. Über ausufernde Spielpraxis verfügt er nicht. Im ersten Halbjahr der Saison kam er für PSG nur zu einem achtminütigen Einsatz im ersten Saisonspiel. Das war’s. Mit so wenigen Wettkampfminuten in den Beinen kommt kaum ein Sportler auf Knopfdruck an sein Leistungslimit heran, das würde ja den gesamten Charakter des Spiels im Kern ad absurdum führen. „Wir geben ihm natürlich die Zeit, die er benötigt, um anzukommen“, kommentierte Sportboss Krösche.

Klar war immer: Hätte es nicht geklappt mit dem fast 1,90 Meter großen Ekitiké, wäre die Eintracht mit dem bestehenden Personal in die ausstehenden Begegnungen der Rückrunde gegangen. Einen Plan B gab es nicht mehr, die Eintracht setzte seit Monaten alles auf die eine Karte. Das war intern so besprochen, auch mit Chefcoach Toppmöller.

Bereits im Sommer war die Eintracht schwer an dem schnellen, technisch versierten und die Tiefe suchenden Stürmer interessiert. Doch der Deal scheiterte rund um den geräuschvollen Transfer von Randal Kolo Muani, weil PSG quasi als Verrechnung für die 95 Kolo-Millionen auf 35 Millionen für Ekitiké pochte. Zu viel für die Eintracht, damals wie heute. Nun hat sie ihn günstiger bekommen. Deutlich sogar. (dur)

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