„Man sieht, wie leicht es ist“

Eintracht-Boss Hellmann sendet klare Botschaft an Toppmöller und die Stars

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Eintracht-Vorstandssprecher macht Druck auf Trainer Toppmöller und die Spieler selbst: „Man sieht, wie leicht es ist, unser Stadion zu erwecken“.

Frankfurt am Main – Es kommt nicht oft vor, dass Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann in offizieller Mission in die Mixed Zone schreitet, dort, wo sich Sportler und Funktionäre mit den Medienschaffenden treffen – getrennt durch ein Flatterband. Früher war das der Fall, wenn die Fans mal wieder über die Stränge schlugen und es eine generelle Einordnung oder Distanzierung benötigte. Heute ist das eher so, wenn übergeordnete Themen abseits des Sports zu behandeln sind.

Doch am Freitagabend, nach dem doch einigermaßen erlösenden 3:1-Erfolg gegen den FC Augsburg, einen direkten Konkurrenten im Kampf um den begehrten sechsten Tabellenplatz, der aller Voraussicht nach zu einer Teilnahme an der innig geliebten Europa League führen würde, hat der 52-Jährige den Weg in die Öffentlichkeit gewählt, um genau drei Verkündigungen unters Volk zu streuen. Die Kunde in der Mitte barg ganz zweifelsfrei die größte Brisanz in sich.

Eintracht-Boss Hellmann dankt Fans für Hölzenbein-Anteilnahme

Zunächst also dankte der Eintracht-Boss für den überwältigenden Zuspruch für die Angehörigen der am vergangenen Montag verstorbenen Eintracht-Legende Bernd Hölzenbein. „Das gibt ihnen Kraft, die Rückendeckung des Stadions hat ihnen gut getan“.

Dann beschwerte er sich noch über den VAR, der seiner Meinung nach nach einem resoluten Einsteigen von FCA-Verteidiger Kevin Mbabu an Omar Marmoush zwingend einen Strafstoß hätte verhängen oder zumindest eine Überprüfung anordnen müssen. Kann man so sehen, muss man nicht. Kevin Mbabu berührte irgendwie auch den Ball. Grenzwertige Aktion. Aber es war auch nicht Hellmanns Intention, da ein riesiges Fass aufzumachen. Musste wohl einfach mal raus.

Eintracht-Boss Axel Hellmann meldet sich zu Wort.

Hellmann kritisiert Eintracht-Auftritt

Höchst interessant war aber der Mittelteil seiner Ausführungen, denn da ging es um den sportlichen Bereich, um den der Eintracht-Boss eigentlich immer einen Bogen macht – außer er hat das Gefühl, dass da etwas grundsätzlich im Argen liegt oder sich bestimmte Muster wiederholen. In diesem Fall störte sich der mächtige Vorstand gerade am Auftritt im ersten Durchgang, in dem es die Mannschaft zum wiederholten Male nicht geschafft hatte, die vollmundigen Ankündigungen (Emotionalität, Leidenschaft, Intensität) auf den Platz zu bringen.

Das hatte sogar sehr vernehmbare Unmutsbekundungen von den Rängen zur Folge, nach gut einer halben Stunde wurde so gut wie jeder Fehlpass mit einem kleinen Pfeifkonzert kommentiert. Ist man in Frankfurt nicht mehr gewohnt, und so mancher Spieler, etwa Kapitän Kevin Trapp, fand es auch irritierend. „Ich weiß nicht, wo die Pfiffe herkamen. Es ist für mich nur schwer nachvollziehbar.“

Die beste Eintracht-Elf der Geschichte laut ChatGPT

Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club.
Tor: Oka Nikolov spielte von 1991 bis 2013 bei Eintracht Frankfurt und machte 415 Pflichtspiele für den Club. © IMAGO / Ulmer
Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.
Abwehr: Manfred Binz spielte 411 Mal für Eintracht Frankfurt und wurde 1988 Pokalsieger.  © IMAGO / Kicker/Liedel
Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga.
Abwehr: Karl-Heinz Körbel lief fast 20 Jahre für die Eintracht auf und ist mit 602 Spielen Rekordspieler der Bundesliga. ©  IMAGO / Ferdi Hartung
Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler.
Abwehr: Thomas Berthold absolvierte zwischen 1982 und 1987 121 Spiele für die Eintracht und wurde zum Nationalspieler. © IMAGO / Pressefoto Baumann
Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup.
Mittelfeld: Jürgen Grabowski lief in seinen 15 Jahren bei der SGE 545 Mal für den Club auf und gewann zweimal den Pokal sowie einmal den UEFA-Cup. ©  IMAGO / Werner Otto
Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.
Mittelfeld: Jay-Jay Okocha spielte vier Jahre für Eintracht Frankfurt und verzauberte mit seinen Fähigkeiten am Ball die Fans.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal.
Mittelfeld: Bernd Hölzenbein gewann in seinen 14 Jahren bei der Eintracht den UEFA-Cup sowie dreimal den DFB-Pokal. © IMAGO / Laci Perenyi
Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister.
Mittelfeld: Uwe Bein machte zwischen 1989 und 1994 182 Spiele für Eintracht Frankfurt und wurde 1990 Weltmeister. © IMAGO / Claus Bergmann
Tony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.
Angriff: Anthony Yeboah schoss in 156 Spielen für die SGE Anfang der 90er 89 Tore.  ©  IMAGO / Alfred Harder
Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt.
Angriff: Bum-Kun Cha traf 58 Mal in 156 Spielen für Eintracht Frankfurt. © IMAGO / WEREK
Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger.
Angriff: Bernd Nickel war 534 Mal im Einsatz für Eintracht Frankfurt und erzielte 178 Treffer. Dreifacher Pokalsieger und einmal UEFA-Cup-Sieger. ©  IMAGO / Kicker/Eissner, Liedel
Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal.
Trainer: Dietrich Weise führte Eintracht Frankfurt 1974 und 1975 zum Triumph im DFB-Pokal. © IMAGO / Horstmüller

Hellmann fordert mehr „Intensität“ von Eintracht-Stars

Sie haben, ganz klar, etwas mit der Spielweise zu tun, die in dieser Saison weit weniger brachial und draufgängerisch ist als in den Jahren zuvor. Wie es auch gehen kann, sah man dann in der zweiten Halbzeit, als die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigte, bedingungsloser und couragierter auftrat, mehr Zweikämpfe führte und es eben mehr wollte. Und so den Funken auf die Ränge zu den Fans transportierte, die von dort dann ein wahres Feuer zündeten. Das ist genau die Wechselwirkung, die es in Frankfurt braucht, um erfolgreich zu sein und Dinge zu schaffen, die man normalerweise nicht schafft. Es ist dieses besondere Flair, das die Eintracht immer so stark gemacht hat.

Sieht auch Axel Hellmann so, das ist sicher. „Man sieht, wie leicht es ist, unser Stadion zu erwecken. Es ist nicht schwer, dafür zu sorgen, dass das Stadion aus dem Sattel kommt – wenn wir die Intensität in Zweikämpfen, in Eins-gegen-Eins-Situationen, in Tiefenläufe oder Doppelpässen auf den Platz bringen“, sagt der erfahrene Funktionär und fordert unmissverständlich: „Das muss der Mannschaft endlich mal von Anfang an gelingen und nicht erst in der zweiten Halbzeit.“ Worte, die er bewusst gewählt hat, die er gezielt anbringen wollte.

Mann klarer Botschaften: Eintracht-Boss Axel Hellmann.

Eintracht-Boss Hellmann sendet klare Botschaft an Toppmöller und die Stars

Das ist ein eindringlicher Appell und eine klare Botschaft. Die Adressaten sind nicht schwer auszumachen: Chefcoach Dino Toppmöller und die Spieler selbst. Hellmann geht es sicher nicht darum, die Position des Trainers zu schwächen. Aber sehr wohl darum, im Endspurt um Europa die Sinne zu schärfen und eine andere Haltung und eine andere Emotionalität einzufordern. Auch vom Trainer, der diesen Trigger bei seinem Team finden und eine Reaktion auslösen muss.

Denn die Ausgangslage der Eintracht hat sich zwar verbessert, ganz klar, aber das Restprogramm mit vier Spielen gegen drei Spitzenteams (Bayern, Leverkusen, Leipzig, dazu noch Mönchengladbach) hat es dennoch in sich. Mit ein bisschen Fußball, halber Kraft und Adrenalinausschüttung in dosierter Menge wird das nichts werden. Axel Hellmann ahnt das sehr wohl.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegan

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