Findet Toppmöller Platz?

Eintracht-„Juwel“ Can Uzun löst Debatten im Umfeld aus

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Die Angelegenheit Can Uzun erfordert geschickte Vermittlung und viel Taktgefühl. Wie lange wird das „Juwel“ der Eintracht noch geduldig sein?

Frankfurt/Gladbach – Einerseits war die Freude und Neugier bei den Fans von Eintracht Frankfurt riesengroß, als Last-Minute-Neuzugang Michy Batshuayi auf dem Aufstellungsbogen auftauchte.

Andererseits gab es schnell die Frage nach Can Uzun: Warum saß das große Talent der Hessen nach seinem starken Joker-Einsatz gegen den VfL Wolfsburg (1:1) im Duell bei Borussia Mönchengladbach nur auf der Ersatzbank?

Eintracht Frankfurt: Toppmöller setzte auf Batshuayi statt Uzun

Trainer Dino Toppmöller erklärte im Anschluss an die Partie, warum er auf Batshuayi und somit eine Doppelspitze setzte. Für Uzun war auch aus Systemgründen schlichtweg kein Platz in der ersten Elf. Der 19-Jährige kam erst nach 57 Minuten zum Einsatz, brachte jedoch sofort frischen Wind in die Begegnung.

Es war die nächste starke Performance des türkischen Nationalspielers. Er hatte 29 Ballkontakte, setzte sich in seinen zwei Dribblings durch, suchte mit beiden Füßen Abschlüsse (Moritz Nicolas parierte herausragend in Minute 67) und kreierte mit einer Freistoßflanke auf Hugo Ekitiké die letzte Großchance der Partie.

Eintracht-Trainer Dino Toppmöller gibt Anweisungen

Wenn man Uzun nach dem Spiel genauer beobachtete, konnte man sicherlich feststellen, dass die Laune des Mannes, der im vergangenen Sommer für 14 Millionen Euro aus der 2. Liga vom 1. FC Nürnberg in die Mainmetropole wechselte, nach Spielende allerdings nicht gut war. Wie einige Anhänger fragte sich sicherlich auch der objektive Beobachter, wie der Last-Minute-Batshuayi-Transfer bei Uzun ankommt.

Insbesondere da Uzun als großes Zukunftsversprechen und schon damals als potenzieller Marmoush-Nachfolger als Vorgriff auf die Zukunft geholt wurde. Zu dieser Strategie passt der vom Trainer – auch öffentlich – forcierte Batshuayi-Transfer eigentlich nicht.

Uzun geht aber bemerkenswert mit der Situation um und liefert, wenn er Minuten bekommt und macht keinen Stress, was für den Charakter des erst 19-jährigen Toptalentes spricht.

Umgang mit Top-Talent: Wie viel Geduld ist noch nötig bei Uzun?

Die Personalie ist in der Gesamtheit dennoch eine, die im Umfeld zu kontroversen Diskussionen führt. Es gibt die Seite, die Verständnis für die langsame Heranführung hat und bewertet die bislang gesammelten 649 Minuten als angemessen. Das andere Lager will ihn häufiger sehen, hebt die starke Statistik von sechs Torbeteiligungen und die verbesserte Defensivarbeit hervor.

Wie viel Geduld ist nötig im Umgang mit dem Offensivmann, der in 21 Bundesligapartien erst zweimal in der Startelf stand? Sportvorstand Markus Krösche zeigt Verständnis für die Unzufriedenheit des Angreifers: „Jeder Spieler will spielen. Das liegt im Naturell eines Spielers. Das ist bei Can und jedem anderen Spieler, der wenig Einsatzminuten bekommt, normal.“

Er halte diese „Unzufriedenheit“ für ein wichtiges Zeichen: „Wir sind Eintracht Frankfurt und haben einen sehr breiten Kader mit viel Qualität. Es ist daher möglich, dass jemand nicht von Beginn an spielt oder gar keine Minuten bekommt.“ Die Profis hätten die Chance, sich über das Training für Einsätze anzubieten.

Toppmöller argumentierte ebenfalls in diese Richtung: „Am Ende geht es nicht nur um die Qualität von Can, sondern auch um die Qualität der anderen Spieler. Dieser Konkurrenzkampf tut uns extrem gut.“

Uzun hat den Weg vorgegeben: „Ich will mehr spielen“

Der Trainer hob die guten Joker-Einsätze gegen Wolfsburg und in Gladbach hervor: „Es geht bei ihm nicht nur um Tore. Can hat uns mit seiner Ballsicherheit viel gegeben. Er hat den Mut, Bälle zu fordern, Eins-gegen-Eins-Situationen zu lösen und den Abschluss zu suchen.“

Toppmöller prophezeit: „Er wird noch genug Minuten erhalten.“ Allerdings drängelt Uzun vor allem seit dem Abgang von Marmoush zu Manchester City. Es ist die große Chance, auf die er gewartet hat. Und: Muss man ihn nach einer starken Performance wie gegen Wolfsburg nicht belohnen? Ihm noch mehr Vertrauen schenken?

Als Krösche das europäische Toptalent holte, war dies auch mit der Perspektive verbunden, den Ägypter bei einem Wechsel zu ersetzen. Durch den Winter-Transfer ist die Situation früher als gedacht eingetreten. Er will bei dem Versuch, die Lücke zu schließen, Teil der Lösung sein. „Ich will mehr spielen“, hatte Uzun nach dem Remis gegen Wolfsburg gesagt. Es war eine forsche Ansage eines Talentes, das von vielen europäischen Klubs gejagt wurde.

Bei der Personalie Uzun ist enormes Fingerspitzengefühl nötig

Die Personalie Uzun ist eine hochsensible, die von allen Parteien enormes Fingerspitzengefühl benötigt. Dieser Deal hatte im Sommer 2024 in der Mainmetropole einen gewaltigen Hype ausgelöst.

Krösche sagte schon damals: „Can Uzun ist eines der größten Talente in Deutschland. Wir sind froh, dass er sich trotz vieler interessanter Angebote aus ganz Europa für uns entschieden hat. Er hat für sein Alter außergewöhnliche Fähigkeiten. Wir haben Can unseren klaren Plan aufgezeigt und ihn dadurch überzeugt. Wir wollen ihn bestmöglich weiterentwickeln und freuen uns, dass er ab dieser Saison für uns auf Torejagd gehen wird.“

Der Sportvorstand der Hessen hatte seit November 2023 an diesem Coup mit heißer Nadel gestrickt. Größter Konkurrent war Bayer Leverkusen. Die Perspektive, im Schatten von Florian Wirtz langsam heranzureifen, hatte allerdings den Ausschlag für die in diesem Fall eher kurz- und mittelfristig denkende Eintracht gegeben.

Der Sprung aus der zweiten in die erste Bundesliga ist naturgemäß groß. Auch Uzun musste lernen, sich zurückzunehmen, seinen persönlichen Frust zu verdauen und in Energie umzusetzen.

Eintracht-Neuzugang startet statt Uzun: Batshuayi-Überraschungseffekt verpuffte

Doch wenn dann eine Aufstellungsentscheidung nicht sitzt, wird der Ärger rasant größer. Batshuayi war deutlich sichtbar noch nicht bereit für die Startelf, der Überraschungseffekt verpuffte daher am Niederrhein vollständig. Der 31-Jährige bringt Qualitäten mit, die dem Team noch helfen können.

Doch Batshuayi statt Uzun zu bringen? Es war möglicherweise eine unglückliche Wahl. Es bleibt spannend, ob Toppmöller auf Uzun im kommenden Heimspiel gegen Holstein Kiel (Sonntag/17.30 Uhr) setzt und das Brodeln endet.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Stefan Brauer / Brauer-Fotoagent

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