Europapokal

Eintracht-Kapitän Rode: „Sind keine Killer-Mannschaft“

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Katerstimmung beim Kapitän: Sebastian Rode, tief frustriert nach dem enttäuschenden 2:2 der Eintracht in Brüssel. dpa
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Die Frankfurter Eintracht hat nach dem unnötigen 2:2 in Belgien den Blues und gibt sich selbst Rätsel auf.

Der deutsche Trainer des wohlklingenden belgischen Spitzenklubs Royal Union Saint-Gilloise, Alexander Blessin, fasste die Frankfurter Misere spät am Donnerstagabend recht gut zusammen. Natürlich habe er im Vorfeld des Hinspiels in den Conference-League-Playoffs zwischen den Brüsselern und der Eintracht aus dem Hessenland (2:2) auch die Anweisung seines ehemaligen Leipziger Weggefährten Markus Krösche wahrgenommen, die bundesweit in die Schlagzeilen geratene Forderung des Sportvorstands nach einer Anpassung des eigenen Spielstils. Weniger Klassik, mehr Heavy Metal – knackig, einprägsam, nachvollziehbar.

Fußballlehrer Blessin also nahm den Ton auf und führte bei allem Respekt vorm Kontrahenten aus: „Es ist doch immer einfacher, über möglichen Änderungen zu reden“, so der ob des Unentschiedens „sehr stolze“ Übungsleiter, doch die Crux des Ganzen sei nun mal, Gesagtes auch tatsächlich auf den Rasen zu bringen. „Es ist immer kompliziert, diesen einen Knopf zu finden, um die Wende dann auch wirklich einzuleiten.“

Dino Toppmöller, der Frankfurter Trainer, sucht ihn, den Knopf, bisher vergeblich, hat ihn nach zuletzt zwei Unentschieden gegen Bochum und Saint-Gilloise ganz offensichtlich weiterhin nicht gefunden. Zwar agierte die Eintracht in der ersten halben Stunde von Brüssel sehr gut (zehn Minuten) bis ordentlich (weitere 20 Minuten), zeigte „die Reaktion, die wir uns vorgenommen haben“, so Toppmöller, dann aber brach sie teils völlig ein. „Es nervt, wenn du 35 Minuten lang ein Topspiel machst und normalerweise 3:0 vorne liegen musst, und dann machst du dieses Geschenk“, sagte Toppmöller und meinte infolge der beiden frühen Gästetore von Fares Chaibi und Sasa Kalajdzic in erster Linie den Kapitalbock des Anführers Ellyes Skhiri, der die Hausherren zum Anschlusstreffer und ihrer Aufholjagd einlud. Mathias Rasmussen vor und Gustaf Nilsson nach der Pause trafen für den belgischen Tabellenführer.

„Es können immer Fehler passieren“, sagte auch Eintracht-Sportchef Krösche, „das gehört zum Fußball dazu.“ Wichtig sei dann aber, die Überzeugung beizubehalten und weiterhin das eigene Spiel durchzudrücken, „das ist das Entscheidende.“ Und das ist ihnen bei der Eintracht nicht gelungen, nicht mal mehr im Ansatz. Die Gäste zogen sich immer weiter zurück und überließen den Hausherren das Feld. Sie machten teils unerklärliche Fehler, die durchaus sogar in einer Niederlage hätten münden können.

Es wird in diesen Tagen rund um Eintracht Frankfurt, siehe Anfang, verbal viel mit musikalischen Bildern gearbeitet. Bloß die genannten Beispiele konnten an diesem Abend irgendwann nicht mehr herhalten. Weder die Klassik, fehlte doch komplett die Ballkontrolle, noch der Heavy Metal, agierten die Frankfurter in den wenigen Umschaltmomenten schlicht zu fahrig. So war im Spielverlauf die Musik doch stark heruntergedimmt, allerhöchstens noch ein Stehblues zu vernehmen. Teils liefen die Gäste der Musik sogar hinterher.

„Wir schaffen es momentan nicht, diese Killer-Mannschaft zu sein. Es ist sehr ärgerlich“, sagte Eintracht-Kapitän Sebastian Rode, der sich – wie zuletzt bei Niederlagen auffällig oft – als einziger Frankfurter Fußballer vor die mitgereiste Medienmeute wagte und die Situation einordnete. Was durchaus als Kritik an anderen Profis verstanden werden darf, gerade an denen, die sich ebenfalls als Führungsfiguren der jungen Mannschaft sehen und diese in komplizierteren Phasen ihrer Entwicklung doch auf und auch abseits des Rasen anleiten sollten. Es geht da sicher nicht immer ums reine Reden, ums Draufhauen nach verkorksten Fußballspielen, zumindest in erster Linie nicht, aber sehr wohl kann auch das manchmal dazugehören, reinigende Wirkung entfalten. Tacheles jedenfalls sprach vom kickenden Personal öffentlich keiner.

Ohnehin entwickelt sich zurzeit mehr und mehr eine Debatte um die Anführer der Truppe, um die Kevin Trapps, Ellyes Skhiris, Mario Götzes, Robin Kochs, um jene Profis also, die immer spielen und reichlich nationale wie internationale Erfahrung mitbringen, um „Leadership auf dem Platz“, wie es Toppmöller selbst nannte. „Wir haben Spieler mit Erfahrung auf dem Platz“, so der Eintracht-Trainer, doch auch sie seien ein Stück weit mit sich selbst beschäftigt. Ein Problem von mehreren.

Gleichwohl muss man festhalten: Trotz des Frusts ist für die Eintracht ja noch alles drin, sie kann das Ergebnis im Rückspiel korrigieren und ins Achtelfinale einziehen. Dazu bedarf es nur eines kargen Sieges. Das Ergebnis verschaffe der Mannschaft „keine schlechte Ausgangslage“, fand Spielführer Rode, Trainer Toppmöller sprach mit Blick auf das am kommenden Donnerstag dann ausverkaufte Stadion im Stadtwald sogar von einer „vielversprechenden Ausgangssituation“.

Vor den eigenen Fans soll das Achtelfinale fix gemacht werden, was in der Tat möglich ist, gilt die Eintracht doch weiterhin als Favorit. Vorher freilich steht für die Hessen das bedeutende Bundesligaspiel im Breisgau an, am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) ist der Tabellensechste zu Gast beim Tabellensiebten, dem SC Freiburg. Ein Sieg und die Eintracht würde sich eine äußerst gute Position im Rennen um den Europapokal verschaffen. Würde ...

Bestenfalls geht all das, Ligaerfolge und Conference-League-Weiterkommen, im Einklang mit dem fußballerischen und mentalen Wendepunkt für die restliche Rückrunde einher. So lautet jedenfalls die Theorie. Bloß: „Wenn es so einfach wäre, würden es alle Trainer machen.“ Gesagt hat diese Worte Alexander Blessin – gerade sein Gegenüber Dino Toppmöller hätte es kaum treffender formulieren können.

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