Führungsspieler

Die Stützen von Eintracht Frankfurt bröckeln

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Nicht sein Abend: Eintracht-Marathonmann Ellyes Skhiri. dpa
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Das Problem der Frankfurter Eintracht ist auch eines ihrer Führungsspieler: Skhiri patzt, Götze taucht ab, Trapp wackelt.

Ellyes Skhiri machte den Anschein, er wolle sich genau dort vergraben, wo eben noch sein Fuß ein riesiges Loch in den Rasen getreten hatte. Tief einbuddeln am Ort des Geschehens, wo er, der Führungsspieler von Eintracht Frankfurt, gerade die verdiente 2:0-Führung seines Klubs im Playoff-Hinspiel der Conference League bei Union Saint-Gilloise hatte schmelzen lassen. Wo er, so ergab es sich in der Folge, das zuvor einseitige Spiel hatte kippen lassen – zu Ungunsten des eigenen Teams.

Mit dem unerklärlichen Anfängerfehler des Tunesiers, „dem Geschenk“ für den Gegner, „einem kapitalen Fehler“, wie es Eintracht-Trainer Dino Toppmöller nannte, veränderten sich die Kräfteverhältnisse. Das lag zum einen an mutiger werdenden Belgiern, zum anderen an der Schwäche der Frankfurter.

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Das in den Anfangsminute mühsam zurückerlangte Selbstvertrauen wich Selbstzweifeln. Einfachste Pässe misslangen und hinterließen einen Trainer, der ratlos wirkte und das auch zugab. „Keine Ahnung“, lautete Toppmöllers Replik auf die Frage, wie er gedenke die individuellen Aussetzer verschiedenster Profis in verschiedensten Spielen abstellen zu können: „Schwierig!“ Wäre es einfach, er hätte längst den Hebel mit Wucht nach unten gedonnert.

Einiges schnurrte nach diesem neuerlichen Verspielen einer 2:0-Führung, wie im Januar beim Bundesliga-Schlusslicht Darmstadt 98, darauf zusammen, dass es neben mitunter erklärlichen Leistungsschwankungen von jungen Profis (auch innerhalb einzelner Spiele) vor allem die Leitwölfe erneut nicht packten, stabile Leistungen über 90 Minuten auf den Platz zu bringen.

Eintracht-Spieler Götze taucht dann mal ab

Dass sie es nicht vermochten, mit ihrer vorhandenen fußballerischen Klasse für Ruhe und Sicherheit bei den Teamkollegen zu sorgen. Gerade die Mittelfeldzentrale um Mario Götze und Skhiri, später auch Sebastian Rode, schaffte es kaum, den Ball über vier, fünf Stationen in den eigenen Reihen zu halten. Er, Toppmöller, erwarte aber, dass genau diese Profis in schwächeren Phasen „das Heft des Handels in die Hand nehmen“. In Wahrheit aber kämpfte Skhiri nach seinem Patzer mit sich selbst, streute reihenweise simple Passfehler ein. Auch vorm 2:2-Endstand misslang ihm – diesmal mit etwas Unglück – ein Befreiungsschlag. Und Götze? Der schwamm so mit. Auch nicht das erste Mal in dieser Runde.

Dazu gesellte sich in Brüssel wieder mal ein schwacher Tuta, mittlerweile auch schon 24, der bis zu seiner Auswechslung in der Pause erneut am Rande eines Platzverweises wandelte und obendrein mehr und mehr durch seinen unsauberen Spielaufbau zum Sicherheitsrisiko für die Defensive wird. Bloß: Die Alternativen sind rar, am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) beim Gastspiel in Freiburg muss Toppmöller den gelbgesperrten Abwehrchef Robin Koch ersetzen.

Wenngleich der Trainer an diesem Abend keine Führungsdebatte aufmachen wollte, schwelte sie mit. Klar ist: Allzu viele spielende Kräfte der Kategorie Boss vereint der auf Talentausbildung ausgelegte Kader nicht. Götze, Skhiri, beides mehr Leisetreter denn Lautsprecher, Einwechselspieler Rode – dazu Abwehrchef Koch und Torwart Kevin Trapp. Auch Letzterer, das bällefangende Aushängeschild des Klubs, ist derzeit ein gutes Stück von seiner Topform entfernt, geplagt von immer wiederkehrenden Rückenschmerzen pariert er unter seinem Level. Beim zweiten Gegentor etwa hechtete Trapp zu zögerlich aus seinem Kasten, kam nicht mehr an den Ball. Kein grober Patzer, aber eben auch keine ideale Abwehraktion. „Jeder ist ein Stück weit mit sich selbst beschäftigt“, sagte Toppmöller. Die Ressourcen fürs große Ganze schwinden.

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