Eintracht

Krösche stellt die Eintracht scharf

+
Schärft die Sinne: Eintracht-Sportchef Markus Krösche.
  • schließen

Der Frankfurter Trainer Toppmöller darf bleiben, doch er wird einiges ändern müssen in der neuen Saison.

Das Besondere an der Verkündung, dass Dino Toppmöller auch in der neuen Saison Trainer der Frankfurter Eintracht sein wird, ist, dass nirgendwo verkündet wurde, dass er Trainer bleiben wird. Alldieweil: Es hat ja nie jemand behauptet gehabt, dass es anders kommt. Zumindest offiziell nicht.

Also gab es auch in dem seitenlangen Interview mit Sportvorstand Markus Krösche auf der vereinseigenen Homepage keinen Anlass, bewusst darauf hinzuweisen, dass Toppmöller in seine zweite Saison als Chefcoach gehen wird. Der Manager vermied zwar vor nicht mal zwei Wochen ein Bekenntnis zu seinem angeknockten Chefcoach, stellte ihn aber nicht explizit infrage. Nur halt indirekt.

Botschaft an den Eintracht-Coach

Stattdessen staffierte Krösche die Bleibe-Botschaft nun anders aus, und zwar genau so: „Dino hat die Zeit genutzt, war sehr reflektiert und klar. Natürlich war er auch selbstkritisch, mit einer starken Fokussierung und Ableitungen für die neue Saison. Das ist aus meiner Sicht wichtig und entscheidend.“ Es ist also bei weitem nicht so, dass Krösche nur die Muskeln hat spielen lassen, als er dem Trainer keine Jobgarantie ausstellte. Er wollte sehr wohl hören und spüren, ob Toppmöller Lösungen präsentieren kann, wie es besser werden soll in Zukunft. Und er wollte dem Fußballlehrer bewusst etwas mit auf den Weg geben, nach dem Motto: ,Sei Dir nicht zu sicher, ich bin nicht zufrieden.’

Weiterlesen

Kommentar zu Eintracht-Trainer Toppmöller: Unter Beobachtung

Krösche weiter: „Es war wichtig, dass wir nach dem Leipzig-Spiel uns alle Gedanken gemacht haben, wie wir die nächste Saison angehen wollen. Er hat einen sehr guten Eindruck gemacht und überzeugend aufgezeigt, dass er die Power hat, in der neuen Saison eine positive Entwicklung voranzutreiben.“ Und: „Wichtig ist, dass wir den gleichen Blick auf die Dinge haben und alle mit den gleichen Vorstellungen und Ambitionen in die neue Saison gehen. Unser Gespräch hat gezeigt, dass dies der Fall ist.“

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Japan hatte Sportboss Krösche den Cheftrainer zu einem ausführlichen Meeting gebeten, in dem er auslotete, ob der 43-Jährige der richtige Mann ist, um weiter auf der Kommandobrücke zu stehen und ob er die richtigen Lehren aus der rumpeligen Saison gezogen hat; es war übrigens nicht die erste intensive Unterredung mit dem Chefcoach, bereits vor dem Leipzig-Spiel gab es einen langen, offenen und ehrlichen Austausch untereinander, in der Krösche seinem Trainer klargemacht hat, dass er künftig etwas anderes erwartet als den Fußball, den die Eintracht im letzten halben Jahr angeboten hat.

Die öffentliche Kritik am drögen Spielstil kam beim Trainerteam nicht gut an, doch intern sahen es die Verantwortlichen ähnlich wie die Beobachter von außen. „Insgesamt waren wir in der Rückrunde zu selten druckvoll und klar. Man hatte das Gefühl, dass die letzte Konsequenz gefehlt hat“, sagte Krösche. „Die Art und Weise unseres Fußballs hat auch in der Bundesliga nicht immer gepasst. Gerade in der Rückrunde war es nicht das, wie wir uns unseren Fußball vorstellen.“ Und auch die blamablen Ausscheiden im Pokal und der Conference League lagen dem Verantwortlichen noch schwer im Magen: „Da erwarten wir einen anderen Punch und letztlich auch bessere Ergebnisse.“

Krösche ging indirekt auch darauf ein, weshalb er nach dem letzten Saisonspiel kein Bekenntnis für den wankenden Trainer abgab. „Ich habe in meinem Gespräch mit den Medien nach dem Spiel gegen Leipzig gesagt, dass es nicht die Zeit ist über Personalien zu sprechen. Für mich war es erst einmal von Bedeutung, über Inhalte zu sprechen und zu spüren, dass wir bereit sind, die neue Saison gemeinsam so anzugehen, dass wir eine positive Entwicklung der Art und Weise unseres Fußballs sehen können“, sagte er.

Sportdirektor zu schwach

Ein Einfach-Weiter-So schloss der Sportchef aus, völlig zu Recht. „Es war wichtig, dass nach dem Spiel gegen Leipzig aufgrund der guten Endplatzierung niemand in den Selbstzufriedenheit-Modus verfällt. Uns muss klar sein, dass in der kommenden Saison 47 Punkte für den sechsten Platz wahrscheinlich nicht ausreichen werden und wir bessere Leistungen zeigen müssen. Daher sollte sich vor dem Hintergrund des letzten Jahres jeder auch selbst hinterfragen.“ Krösche kämpft gegen jede Form des Laissez-faire, er weiß, was auf das Team zukommen wird. Er stellt die Eintracht scharf. Schon jetzt. Die Fragen dahinter: Wird es verfangen? Kann Toppmöller seine Mannschaft auf ein anderes Niveau heben? Oder trauert man irgendwann der Zeit hinterher?

Jedenfalls wird die Eintracht Anpassungen rund ums Trainerteam vornehmen. „Wir werden jetzt gemeinsam schauen, inwiefern personelle und strukturelle Anpassungen im Teamumfeld sinnvoll und notwendig sind“, sagt Krösche. Nach FR-Infos soll ein neuer, erfahrenen Co-Trainer der Marke Armin Reutershahn kommen, der sich total mit dem Verein identifiziert und als Bindeglied fungieren kann.

Zudem wird intern die Rolle von Sportdirektor Timmo Hardung kritisch gesehen. Er soll seine Rolle überdenken und anpassen, sein Profil schärfen. Er ist, so die Meinung einiger Verantwortlichen, zu weit weg von Trainer und Mannschaft, nicht das nötige Korrektiv. Markus Krösche hat ein Auge drauf. Er ist wachsam.

Kommentare