VonIngo Durstewitzschließen
Es ist eine anständige Entscheidung, dass Toppmöller eine zweite Chance bekommt. Doch er geht mit einer Hypothek ins zweite Jahr. Und muss liefern. Ein Kommentar.
Frankfurt - Die Würfel sind gefallen: Dino Toppmöller bleibt Trainer bei Eintracht Frankfurt. Das ist jetzt erst einmal keine spektakuläre Nachricht, der umgekehrte Fall wäre eine gewesen, aber sie ist auch nicht selbstverständlich. Der 43 Jahre alte Saarländer wankte zwischenzeitlich sehr wohl und wird nach der ausgebliebenen Jobgarantie von Markus Krösche nach dem letzten Saisonspiel schon die eine oder andere unruhige Stunde verbracht haben. Jetzt hat er erst einmal Gewissheit. Ruhe aber nicht.
| Dino Toppmöller | |
|---|---|
| Geboren: | 23. November 1980 in Wadern |
| Beruf: | Fußballtrainer |
| Aktueller Verein: | Eintracht Frankfurt (seit Saison 2023/24) |
Eintracht-Trainer Toppmöller nun unter Beobachtung
Klar ist: Der Druck auf ihn wird noch einmal deutlich zunehmen, Toppmöller hat bei den Fans und vielen Menschen in und um den Verein herum wenig Kredit, erstaunlich wenig. Durch die Entscheidung, den umstrittenen Chefcoach im Amt zu belassen, wird der ohnehin nicht besonders starke und durch das zuletzt fehlende Bekenntnis zusätzlich geschwächte Toppmöller vom ersten Trainingstag an unter genauer Beobachtung und unter Zugzwang stehen. Der Welpenschutz ist aufgebraucht.
Dino Toppmöller muss liefern, er wird sich nicht mehr hinter einer jungen Mannschaft, einem Umbruch oder einem fehlenden Stürmer verstecken können – das Unwort „Prozess“ sollte ausgedient haben. Alibis gibt’s nicht mehr. Das ist eine ganz schöne Hypothek, ein dicker Rucksack. Ob der angeschlagene Fußballlehrer die Last schultern kann?
Trotzdem hat er sich eine zweite Chance verdient. Sollte der Cheftrainer mit dem nötigen Maß der Selbstreflektion und einer klaren Analyse gegenüber der Sportführung einen Weg gefunden haben, die Eintracht auf Kurs zu bringen, so ist eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zu begrüßen.
Anständige Entscheidung
Krösche hat eine mutige und riskante, aber eine anständige Entscheidung getroffen. Denn Toppmöller ist eine anerkannte Fachkraft, ist der Eintracht in höchstem Maße emotional verbunden und hat ein Jahr Erfahrung mit seiner Mannschaft sammeln können, eine Mannschaft, die er nicht verloren hat – was auch an den vielen Französisch sprechenden Spielern liegt, zu denen er einen guten Draht hält. Andere Akteure sehen einiges durchaus kritisch, auch intern wird eine Grüppchenbildung angeprangert. Keine Verfehlung des Trainers, sondern eine des Sportvorstands.
Und: Toppmöller hat ja diese Saison nicht in den Sand gesetzt, ist am Ende auf Rang sechs eingelaufen, der zweitbesten Platzierung der letzten 30 Jahre. Dass die Schwäche der Konkurrenz das Endresultat erst möglich gemacht hat, ist richtig, kann aber nicht dem Trainer angelastet werden.
Dass er unter diesen widrigen Voraussetzungen (XL-Umbruch, Stürmerstar Kolo weg, kein Ersatz, schwere Verletzung des geliehenen Angreifers Kalajdzic, Kapitän ein Jahr verletzt, Afrika-Cup usw.), einen internationalen Startplatz herausgeholt und überdies auch junge Spieler reingeworfen und andere weiterentwickelt hat, darf in der Gesamtbetrachtung nicht außen vor bleiben. Zumal Krösche nach Arsenal-Vorbild etwas Nachhaltiges aufbauen will. Insofern wäre es unfair gewesen, dem Coach keine Gelegenheit einzuräumen, es besser zu machen. Ja, besser machen. Das muss er.
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Toppmöller-Spielstil muss sich ändern: Geduld der Fans ist endlich
Denn klar ist auch: Mit dieser Art des Fußballs wird die Eintracht nicht nur nicht noch einmal so viel Glück haben wie diese Saison, nein, sie wird auch die Fans endgültig auf die Barrikaden bringen. Deren Langmut war schon jetzt endlich. Denn eine Entwicklung gab es nicht, sie war rückläufig. Und für das langweilige Ballgeschiebe ist nun mal der Cheftrainer verantwortlich. Toppmöller wird verstehen müssen, dass Wildheit und Draufgängertum mehr zur Eintracht gehören als die 100. Videoanalyse und das 101. Gespräch.
Er wird ein bisschen loslassen müssen, nicht alles verkopfen, sezieren, analysieren, sondern es einfach halten. Er wird sich der gar nicht so komplizierten, zwar plakativ vorgebrachten, aber absoluten richtigen Losung des Sportchefs unterordnen müssen: „Weniger Klassik, mehr Heavy Metal.“ Kann er das? Er wird sich ändern, anpassen müssen. Ansonsten könnte es unter Umständen nach dem Frühherbst schon recht schnell vorbei sein mit dem Trainer Dino Toppmöller bei Eintracht Frankfurt. Es liegt an ihm. Und seinem Team.
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