Toppmöller im Fokus

Eintracht: Und nun, Herr Krösche?

+
Muss bald eine Entscheidung treffen: Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche.
  • schließen

Eintracht Frankfurt diskutiert nach einer rumpeligen Saison auch über den Cheftrainer. Vielleicht eine Veränderung bei den Assistenten? Sportchef Krösche ist gefordert. Holzer geht.

Dino Toppmöller wirkte nach dem Einzug in die Europa League, besiegelt durch ein irgendwie sinnbildliches 2:2 gegen RB Leipzig, sehr erleichtertet. Aber auch geschafft. „Es war sehr anstrengend, ich bin müde, uns wurde nichts geschenkt“, sagte er. Und trifft damit den Kern dessen, was es für ihn und seine Mannschaft so kräftezehrend gemacht hat, nicht nur körperlich, sondern gerade mental.

Nichts ging leicht von der Hand in dieser rumpeligen Saison, alles war zäh, mühselig, alles musste sich die Eintracht hart erarbeiten, mal erfolgreich, meistens weniger, gerade im letzten halben Jahr. Der Aufwand war hoch, der Ertrag eher mau. Und selbst im Herbst, als sich die Mannschaft zu gefunden haben schien, machte sie sich das Errichtete prompt selbst kaputt. Nein,der berühmte Flow machte einen weiten Bogen um den Stadtwald. Es war, wie Toppmöller sagt, anstrengend – für die, die von draußen draufgeschaut haben, und jene, die das Ganze von innen beobachtet haben. „Es war kein leichtes Jahr für Dino“, sagt Sportvorstand Markus Krösche.

Mehr zur Eintracht

Dino Toppmöllers Eintracht-Zukunft und die Frage des Formats

Eintracht: Was wird aus Dino Toppmöller?

Der Job, diesen riesigen Tanker Eintracht Frankfurt in die richtigen Bahnen zu lenken, was ohnehin schwierig genug ist und immer unter dem Brennglas der Öffentlichkeit geschieht, kostet Kraft und raubt Energie. Ohne Ende. Dino Toppmöller hat es am eigenen Leib erfahren müssen, und sehr wahrscheinlich weiß er erst jetzt, nach einem Jahr an der Spitze der Bundesligamannschaft, was es bedeutet, solch einen prosperierenden und pulsierenden Traditionsverein anzuführen. Dort, wo die Leute nicht mal zufrieden sind, wenn man für die zweitbeste Ligaplatzierung seit drei Jahrezehnten gesorgt hat.

Doch darum geht es in Frankfurt nicht, eher darum, wie eine Mannschaft auftritt, wie viel Eintracht in ihr steckt, wie viel Spektakel-Potenzial sie hat, oder, besser gesagt: Wie oft dieses Potenzial auch gehoben wird. Nach 34 Spieltagen, Platz sechs, elf Siegen, neuen Niederlagen, 14 Unentschieden (!), 51:50 Toren, Rang elf in der Rückrundentabelle, blamablem Aus im nationalen Pokal beim Drittligisten Saarbrücken, blamablem Aus in der drittklassigen Conference League gegen den belgischen Vertreter Royale Union Saint-Gilloise muss man festhalten: Das Feuer ist nicht entzündet worden, es loderte auf Sparflamme. Diese Saison war keine klassische Eintracht-Saison, wie sie sein sollte und nach der man vieles verzeiht – Platz sechs hin, Europa League her.

Toppmöller spürt die latente Unzufriedenheit

Dino Toppmöller hat diese latente Unzufriedenheit natürlich schon lange gespürt, er war, als verantwortlicher Cheftrainer, lange genug der Blitzableiter. Nicht nur einmal wurde er extern infrage gestellt, in den Sozialen Medien projizierte sich die teils ungefilterte Fanwut auf seine Person. Gerecht ist das nicht, aber offenbar Teil des Geschäfts. Schlimm genug.

Wie es nun mit Dino Toppmöller weitergeht, weiß niemand so genau. Ein klares Bekenntnis vermied Sportboss Krösche, und erst nach einer umfassenden Analyse wird er eine endgültige Entscheidung treffen. Dass jetzt alles auf den Prüfstand kommt, ist richtig, denn: „Uns war bewusst, dass es nach diesem großen Umbruch wackeln und stottern kann“, sagt Krösche. „Aber wir haben über weite Strecken keinen guten Fußball gespielt, das wissen wir schon, so selbstkritisch sind wir. Es war eine Saison mit sehr vielen Tiefen und ab und zu Höhen.“ So ist es.

Sollte die anschließende Bestandsaufnahme den Fußballlehrer im Amt halten, weil dieser in seiner grundsätzlichen Bewertung ehrlich überzeugen konnte, so spricht vieles dafür, dass sich zumindest der Trainerstab verändern wird. Die Unzufriedenheit mit dem direkten Bereich um den Chefcoach herum wächst, die beiden Assistenten werden kritisch gesehen, die Positionen unterhalb des Sportvorstands ebenfalls. Verwundern würde es nicht, wenn mindestens ein erfahrener Fachmann dazukommen würde, Xaver Zembrod, 57 Jahre alt, zum Beispiel. Er hat mit Toppmöller unter Julian Nagelsmann bei den Bayern gearbeitet.

Eintracht: Abschlusspartie als „Spiegelbild“ der Spielzeit

Denn eine Saison wie die gerade abgelaufene soll unter allen Umständen verhindert werden. Auch die Abschlusspartie gegen RB Leipzig war, wie Sportchef Krösche einräumt, und das völlig zu Recht, „ein Spiegelbild“ der gesamten Spielzeit. Mal wieder lag die Eintracht in Rückstand, erst 0:1, dann sogar 0:2, und irgendwie schaffte sie es dann, mit großem Aufwand und Willen zumindest noch ein Remis rauszuholen. Die Moral ist dem Team nicht abzusprechen, aufgeben ist nicht. Aber der Wankelmut und die Inkonstanz bleiben Markenzeichen der Mannschaft. Und auch, dass man nie weiß, was man erwarten kann. Ist sie in der Lage, wichtige Partien, in denen es um alles oder nichts geht, zu gewinnen – so wie es das Team vor zwei Jahren war? Nein, das ist sie nicht. Sie spielt ihren Stiefel runter, wirkt dabei beladen und kopfgesteuert und nicht frei. Was dabei herauskommt, sind viele, viele Unentschieden. In dieser Saison schon 14 an der Zahl. Das ist Vereinsrekord. Ein trauriger.

Und sie öffneten dennoch das Tor zur Europa League, dem Lieblingswettbewerb der Eintracht, und vielleicht geht ja sogar noch mehr. Sollte Borussia Dortmund im Champions-League-Finale am 1. Juni gegen Real Madrid den Henkelpott gewinnen, stünde die Eintracht sogar in der Königsklasse. Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte. Und als Tabellensechster mit 47 Punkten.

Das ist nicht nur absurd, es müssten vielleicht sogar mal Statistiker ganz tief hinabtauchen ins Archiv, um zu eruieren, ob europaweit jemals ein Team mit einer solchen Ausbeute in die royale Kaste aufgenommen worden ist. Aber natürlich würden sich die Frankfurter nicht sträuben, die Champions League wäre nicht nur ein wichtiger Imageträger, sondern würde den wirtschaftlichen Spielraum exorbitant erweitern. 30 Millionen haben oder nicht haben. Aber in der Hand der Eintracht liegt es nicht.

Einer wird die europäischen Reisen nur noch als Ehrengast erleben. Aufsichtsratschef Philip Holzer tritt zum 30. Juni von seinem Amt zurück. Der 58-Jährige geht auch aus privaten Gründen ein Jahr vor Vertragsende. „Nach 14 Jahren im Aufsichtsrat, davon vier Jahre als gewählter Vorsitzender des Gremiums, ist es für mich an der Zeit, den Staffelstab zu übergeben“, sagt der erfahrene Funktionär.

„Der Zeitpunkt für die Kommunikation dieser lang gereiften Entscheidung ist für mich durch die erneute Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb gekommen. Innerhalb der nächsten Monate stehen wichtige strategische und personelle Entscheidungen an, deren Wirkungen weit über meine bis Sommer 2025 laufende Amtszeit hinaus reichen werden. Aus diesem Grund ist es für mich eine logische Konsequenz, dass diese von dem Personenkreis getroffen und gestaltet werden, der auch in Zukunft in der Verantwortung stehen wird.“ Zum einen wollte er nicht als Lame Duck in sein letztes Amtsjahr gehen, weil für ihn schon lange klar war, dass nächstes Jahr ohnehin Schluss ist.

Und zum anderen wollte er auch nicht den Nachfolger von Finanzvorstand Oliver Frankenbach auswählen – weil er dann gar nicht mehr auf der Brücke sein wird. Deshalb diese konsequente Entscheidung, die Respekt verdient. Philip Holzer, gar keine Frage, hat sich um die Eintracht verdient gemacht – und sie nach vorne gebracht.

Der frühere Torwart ist mit sich und dem Verein im Reinen, er verlässt ihn mit großem Stolz. Sein Nachfolger wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der neue Vereinspräsident Mathias Beck. Der schickte ihm zum Abschied sehr nette und anständige Worte mit auf den Weg: „Seine Verdienste um Eintracht Frankfurt sind riesig. Philip hat zu jeder Zeit bewiesen, dass sein Herz für die Eintracht schlägt. Er wird immer ein Teil der Eintracht-Familie bleiben.“

Kommentare