VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt stellt sich neu auf: Gelson Fernandes, Pirmin Schwegler und Marco Neppe sind im Gespräch als Direktor. Xaver Zembrod kommt als Co-Trainer.
Frankfurt – Aus gegebenem Anlass hat der Frankfurter Cheftrainer Dino Toppmöller nun noch einmal erzählt, weshalb er das unmoralische Angebot, Cheftrainer in der Wüste zu werden und etliche Millionen einzusacken, ausgeschlagen hat. Er müsse dazu etwas weiter ausholen, befand er im vereinseigenen Podcast, nämlich seine spezielle Beziehung zur Eintracht darlegen. Die wuchs schon als Teenie, als Vater Klaus Trainer in Frankfurt war und Klein-Dino im Waldstadion mitfieberte. Später stieg er als Spieler mit der Eintracht auf. Das prägt, das lässt einen nicht mehr los. „Ich habe eine besondere emotionale Verbindung zur Eintracht. Das kann mir kein anderer Verein geben“, sagt der 43-Jährige. „Ich bin stolz, hier Trainer sein zu dürfen.“
Eintracht Frankfurt will Toppmöller routinierten Helfer zur Seite stellen
Und so wird es Dino Toppmöller ab Mittwoch wieder auf dem Platz anpacken und seine Mannschaft in eine Saison führen, in der vieles besser werden soll als in der vorigen, obwohl auch in der beileibe nicht alles schlecht war, die Endplatzierung schon mal gar nicht. Mit ihm werden auch seine Co-Trainer Erwin Bradasch und Stefan Buck wieder auf den Trainingsplatz zurückkehren, seine Vertrauten und Ratgeber. Aber dabei wird es nicht bleiben. Denn die Eintracht wird sicher noch einen, vielleicht sogar zwei weitere Assistenten präsentieren.
Hojlund vor Eintracht-Wechsel
Eintracht Frankfurt steht offenbar vor der Verpflichtung des nächsten Talents. Dem dänischen Sportmagazin „Tipsbladet“ zufolge steht der Wechsel von Oscar Hojlund vom FC Kopenhagen an den Main unmittelbar bevor. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler habe sich demnach bereits im Trainingslager der Dänen in Österreich von der Mannschaft und dem Trainerstab verabschiedet. Nur noch der Medizincheck stehe aus, aber auch der ist zeitnah geplant. Hojlund soll in Frankfurt einen Kontrakt bis 2029 erhalten. Da der Vertrag des U19-Nationalspielers am Jahresende ausläuft, ist die Ablöse moderat, beläuft sich auf rund 1,35 Millionen Euro. Peanuts heutzutage. Oscar ist der jüngere Bruder von Nationalspieler Rasmus, dem Torjäger von Manchester United, der auch jetzt bei der EM alle vier Spiele für Dänemark bestritt.
Das ist auch eine Konsequenz aus der Aufarbeitung der vergangenen Saison. Intern wird es als Versäumnis angesehen, dem vergleichsweise unerfahrenen Chefcoach keinen gestandenen und routinierten Helfer zur Seite gestellt zu haben. Das ist kein Misstrauensvotum gegenüber Toppmöller, eine zusätzliche Kraft soll den Cheftrainer vielmehr unterstützen und ihn entlasten.
Alter Nagelsmann-Vertrauter auf dem Weg zur Eintracht?
In der zurückliegenden Spielzeit blieb zu viel am Saarländer hängen, der sich in seinem Übereifer zuweilen verzettelte und am liebsten alles selbst machen wollte. Ist alles aber nicht möglich, der wissbegierige Fachmann muss lernen, abzugeben und zu delegieren. Auch wenn Dino Toppmöller ein Perfektionist und ein Fleißbär ist.
Der Coach ist mit dem personellen Zuwachs einverstanden, er begrüßt ihn. Zumal er mit einer potenziellen Verstärkung gut bekannt ist: Xaver Zembrod, 57, wird einen Posten als Unterstützer einnehmen. Der bald 58-Jährige arbeitete schon mit Toppmöller bei den Bayern unter Julian Nagelsmann. Und er war im vorigen Jahr bereits im Gespräch, damals scheiterten die Verhandlungen an unterschiedlichen wirtschaftlichen Vorstellungen. Die sollten dieses Mal kein Hindernis sein.
Sportdirektor Hardung soll ebenfalls unter die Arme gegriffen werden
Damit sind die Umbauarbeiten aber nicht abgeschlossen. Auch auf anderem Terrain will sich der Klub neu aufstellen und feiner justieren. Rund um die Position des Sportdirektors Timmo Hardung wollen die Verantwortlichen ein zu großes Vakuum ausgemacht haben. Der immer noch recht unerfahrene Hardung könnte Unterstützung erfahren, es soll eine Ergänzung zu ihm und seiner Position geben. Intern wird die Rolle des 34-Jährigen von dem einen oder anderen durchaus kritisch gesehen.
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So besteht nun die Möglichkeit, einen neuen Posten zu schaffen, zum Beispiel den eines Technischen Direktors, der in der Schnittstelle zwischen Profimannschaft, Trainerteam, Sportdirektor und Sportvorstand andockt und für die nötige Balance sorgen soll.
Besondere Beziehungen: Ex-Frankfurt-Star im Gespräch
Die Idee ist schon recht ausgegoren, ein Kandidatenkreis hat sich herauskristallisiert. Darunter sind interessante Typen, auch mit Stallgeruch. Ein Aspirant ist Gelson Fernandes, der frühere Frankfurter Spieler, der zurzeit für die Fifa als Direktor für den afrikanischen Fußball tätig ist. Der 37-Jährige ist ein kluger Kopf, polyvalent, ein ausgleichender Typ, der ein gutes Klima und Verbindungen schaffen kann, aber auch Leaderpotenzial mitbringt. Fernandes wird allerorten schnell akzeptiert und anerkannt.
Und er hat eine besondere Beziehung zur Eintracht. „Sie ist mein Verein in Deutschland. Ich verfolge alles, bin da nahe dran“, sagt er der FR. „Der Klub hat eine unglaubliche Kraft – aus sich selbst heraus.“ Der frühere Schweizer Nationalspieler, auf den Kapverdischen Inseln geboren, könnte sich den Job in Frankfurt gut vorstellen, schwankt aber noch, ob er seinen guten und sicheren Fifa-Posten aufgeben soll.
Ehemaliger Bayern-Boss bei der Eintracht im Gespräch
Ein anderer Kandidat ist Marco Neppe, ein Kind der Region. Der 38-Jährige ist der Sohn von Ex-Aufsichtsratsboss Jürgen Neppe, hält beste Kontakte zur Eintracht. Der frühere Drittligaspieler hat sich einen guten Ruf in der Branche erarbeitet. Was Wunder, er arbeitete zehn Jahre für den FC Bayern, zuletzt als Technischer Direktor, davor als Chefscout. Neppe hatte sich durch kompetente und verlässliche Spielereinschätzungen schnell einen Platz in der Bayern-Machtzentrale gesichert. Er gilt als Entdecker von Spielern wie Kingsley Coman, Alphonso Davies oder Jamal Musiala. Und vielen mehr.
Nach dem Abgang seines Förderers Hasan Salihamidzic überwarf er sich mit den Bayern-Granden, im April folgte die Trennung. Neppe würde seine Expertise sicher auch in der Kaderbewertung und -zusammenstellung einbringen.
Ex-Eintracht-Kapitän wird für Rückkehr gehandelt
Und dann gibt es noch einen, der der Eintracht nach wie vor tief verbunden ist: Primin Schwegler, der frühere Frankfurter Kapitän. Der Schweizer wohnt noch immer in der Region – auch wenn er beim Ligarivalen TSG Hoffenheim arbeitet. Im Kraichgau fungiert er als Leiter Profifußball. Der 37-Jährige hat wiederum ein ganz anderes Profil als etwa Marco Neppe.
Schwegler gilt als besonnen und strategisch denkend, er hat beste Umgangsformen, gilt als Verbinder und versteht komplexe Zusammenhänge, Schwegler ist ein höchst intelligenter Bursche. Und vielleicht ja bald wieder zurück im Eintracht-Kosmos. Oder ein anderer. Es wird sich weisen in den kommenden Wochen.
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