Top-Talent verlässt Nürnberg

Transfer-Coup: Can Uzun kommt zu Eintracht Frankfurt

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Nürnbergs Can Uzun entscheidet sich für einen Wechsel nach Frankfurt. Die Hessen stechen den BVB und Bayern aus.

Dass der 1. FC Nürnberg doch noch mal ins Aufstiegsrennen der zweiten Liga eingreift, ist nicht unbedingt zu erwarten, aber auch nicht völlig illusorisch. Fünf Punkte liegen die Franken hinter dem drittplatzierten Hamburger SV – das ist in neun ausstehenden Partien durchaus wettzumachen. Okay, realistisch erscheint eine solche Aufholjagd nicht, zum einen sind die Clubberer viel zu inkonstant in ihren Leistungen, zum anderen liegen noch vier weitere Teams dazwischen, die sie auch erst einmal überholen müssten.

Can Uzun: Lebensversicherung des 1. FC Nürnberg

Dass der FCN aber überhaupt noch mal ranschnuppern darf, hat er zwei jungen Burschen zu verdanken, die erst jetzt am letzten Spieltag für Furore und mit einem herrlichen Angriff samt Torabschluss für den 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Magdeburg sorgten: Nathaniel Brown, 20 Jahre jung, Linksverteidiger. Und Can Uzun, 18, Vollstrecker im Sturmzentrum.

Und das kam ziemlich genau so: Brown ging am linken Flügel wie eine Rakete ab, ließ den Magdeburger Herbert Bockhorn in höchstem Tempo stehen, flitzte bis an die Grundlinie, bog ab nach Innen, spitzelte den Ball mit links in den Rückraum, wo Can Uzun ihn aufnahm, ein Ballkontakt, Kopf nach oben und dann der überlegte Schlenzer mit der rechten Innenseite ins lange Eck, der Siegtreffer.

Das Toptalent aus Nürnberg: Can Uzun .

Brown kommt ja auch zu Eintracht Frankfurt

Es war ein Tor, das man in Frankfurt früher häufig gesehen hat, von einem verehrten Spieler, dem Fußballgott, Alex Meier, dem König der Innenseite. Der Lange hat fast jedes seiner vielen Tore so erzielt. Can Uzun, dies vorneweg, macht seine Treffer auf ganz ähnliche Art und Weise, auch er beherrscht die gefühlvoll-platzierte Variante nahezu perfekt.

Die beiden Wegbereiter des Tores werden nicht mehr oft zusammen für den 1. FC Nürnberg spielen, noch neunmal, um genau zu sein. Dann werden sie den Club verlassen – gemeinsam und mit demselben Ziel: Eintracht Frankfurt. Den rasend schnellen Außenverteidiger Brown haben die Hessen bereits in Winter unter Vertrag genommen, ihn bis 2029 gebunden – und ihn für die Rückrunde direkt wieder nach Nürnberg verliehen.

Drei Millionen Euro exklusive Boni hat die Eintracht für den U21-Nationalspieler gezahlt. Brown wird im Sommer in direkte Konkurrenz zu Routinier Philipp Max und dem noch unfertigen Niels Nkounkou treten. Unter Druck gesetzt werden soll er nicht. Aber wenn er schneller zündet als gedacht – umso besser.

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Eintracht-Neuzugang Uzun kostet rund zehn Millionen Euro

Bei Can Uzun müssen die Frankfurter tiefer in die Tasche greifen, das 18 Jahre alte Mega-Talent wird rund zehn Millionen Euro kosten. Die Eintracht wollte den bevorstehenden Sommertransfer nicht bestätigen, ein Sprecher ließ sich lediglich das obligatorische „kein Kommentar“ entlocken, nach FR-Informationen hat der Klub vom Main aber den Zuschlag erhalten. Auch die „Bild“ hat entsprechend berichtet.

Damit ist der Eintracht zweifelsfrei ein gewaltiger Coup gelungen, denn Uzun gilt als eine der heißesten Nummern auf dem Stürmermarkt. Und hat Begehrlichkeiten bei vielen Vereinen geweckt – aus dem In- und Ausland. Darunter keine schlechten Adressen, Borussia Dortmund auch Bayern München buhlten um den in Regensburg geborenen Türken.

Doch den Zuschlag erhielt die Eintracht, weil sie in den vergangenen Jahren glaubhaft vermitteln konnte und bewiesen hat, dass sie für aufstrebende Spieler die ideale Plattform ist, um weiter zu reifen, sich zu entwickeln und den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu machen. So hat sie auch bei Schweden-Juwel Hugo Larsson schon Borussia Dortmund ausgestochen. Larsson ist in Frankfurt nicht nur Stammspieler, sondern längst Leistungsträger.

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Eintracht-Sportvorstand Krösche wirbt für den Weg

Sportvorstand Markus Krösche nimmt sich die Zeit, um dem Spieler einen genauen Plan aufzuzeigen, zu erklären, welche Rolle er einnehmen, wie er sich ins System Eintracht einfügen und zu einem besseren Fußballer gemacht werden soll. „Diese Dinge musst du dann auch einhalten“, sagt der Manager. „Glaubwürdigkeit ist das A und O.“

Can Uzun, der in dieser Saison in 22 Ligaspielen bereits 13 Tore gemacht hat (und drei weitere im DFB-Pokal) und auch im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, hat sich für den Eintracht-Weg entschieden. Dass die Nürnberger zwei Nummern zu klein geworden sind, ahnten die dortigen Verantwortlichen schon lange.

„Wir sind heilfroh, dass wir so ein Talent in unseren Reihen haben, das Woche für Woche mit seiner Abschlussqualität den Unterschied ausmacht“, sagte Sportchef Dieter Hecking erst am vergangenen Wochenende. Und schob fast schon wehmütig nach: „Can wird seinen Weg gehen, aber ab Sommer sicherlich nicht beim 1. FC Nürnberg.“ Sondern in Frankfurt.

Eintracht-Neuzugang Can Uzun entschied sich gegen die deutsche Nationalmannschaft

Dort freuen sie sich auf den Hochveranlagten, der erst kürzlich in aller Munde war, weil er sich dazu entschieden hat, in Zukunft für die Türkei und nicht für Deutschland zu spielen. Aller Voraussicht nach wird Uzun sogar schon bei der EM in Deutschland für die Türkei auflaufen, Nationaltrainer Vincenzo Montella stellte ihm die Teilnahme in Aussicht.

Für den DFB war die Entscheidung des Spielers ein Rückschlag, eine hochrangige Delegation um Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig bemühte sich in einem persönlichen Treffer mit der Familie sehr um Uzun. Doch der sagte ab.

„Die Nationalmannschaft muss man fühlen – und hier haben mein Herz und mein Bauch gesagt, dass die Türkei die richtige Wahl für mich ist“, befand der 18-Jährige, der sich aber aufrichtig freute, dass der DFB um seine Zusage kämpfte. Er empfand das Werben als „riesige Ehre“ und spüre „große Dankbarkeit Deutschland“ gegenüber. Gerade Rudi Völlers Verhalten, „eine absolute Fußballlegende“, habe ihn berührt. Völler habe ihm geraten, „auf mein Herz“ zu hören. Das hat er getan. Nicht nur bei dieser Entscheidung.

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