Nur noch Chelsea im Wettbewerb

England-Kenner: „Mit United oder Liverpool wäre das Interesse an der Klub-WM größer“

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Premier-League-Topklub FC Chelsea träumt vom Sieg bei der Klub-Weltmeisterschaft. Wie wird der Verlauf des Turniers in England verfolgt?

London – Die FIFA Klub-Weltmeisterschaft geht in die ganz heiße Phase. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat Borussia Dortmund durch einen 2:1-Erfolg gegen Monterrey das Teilnehmerfeld für das Viertelfinale komplettiert. Neben dem BVB stehen der FC Bayern München, Real Madrid, Paris Saint-Germain, Fluminense, Al-Hilal und Palmeiras und der FC Chelsea in der Runde der letzten acht Teams.

Euphorie rund um das Turnier? Sie kommt vor allem in einigen Teilen Europas noch nicht auf. Auch in England herrscht eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem millionenschweren Wettbewerb. Das Aus von Manchester City gegen Al-Hilal? Es wurde eher achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Diese Klubs haben Geschichte geschrieben: Alle Sieger der Klub-WM

Corinthians (Brasilien) gewann die erste Klub-WM im Jahr 2000. Im rein brasilianischen Finale gegen Vasco da Gama setzten sie sich mit 4:3 im Elfmeterschießen durch..
Corinthians (Brasilien) gewann die erste Klub-WM im Jahr 2000. Im rein brasilianischen Finale gegen Vasco da Gama setzten sie sich mit 4:3 im Elfmeterschießen durch – und schrieben Geschichte. © Imago
São Paulo FC (Brasilien) holte sich 2005 den Titel gegen den FC Liverpool. Mit einem leidenschaftlichen Auftritt und Glanzleistungen in der Defensive gewannen sie das Finale mit 1:0. Zwischen 2001 und 2004 hatte das Turnier nicht stattgefunden, weshalb São Paulos Triumph die Rückkehr der Klub-Weltmeisterschaft markierte.
São Paulo FC (Brasilien) holte sich 2005 den Titel gegen den FC Liverpool. Mit einem leidenschaftlichen Auftritt und Glanzleistungen in der Defensive gewannen sie das Finale mit 1:0. © Imago
Sport Club Internacional (Brasilien) schockte 2006 den Favoriten FC Barcelona. Ein spätes Tor reichte zum 1:0-Sieg im Finale – und zur ersten internationalen Krönung.
Sport Club Internacional (Brasilien) schockte 2006 den Favoriten FC Barcelona. Ein spätes Tor reichte zum 1:0-Sieg im Finale – und zur ersten internationalen Krönung. © Imago
AC Milan (Italien) wurde 2007 der erste europäische Klub-Weltmeister des neuen Formats. Im spektakulären Endspiel gegen Boca Juniors gewannen die Rossoneri mit 4:2.
AC Milan (Italien) wurde 2007 der erste europäische Klub-Weltmeister des neuen Formats. Im spektakulären Endspiel gegen Boca Juniors gewannen die Rossoneri mit 4:2. © Imago
Manchester United FC (England) triumphierte 2008 mit einem knappen 1:0 gegen LDU Quito. Trotz Unterzahl war es ein verdienter Titel – das Tor erzielte Wayne Rooney.
Manchester United FC (England) triumphierte 2008 mit einem knappen 1:0 gegen LDU Quito. Trotz Unterzahl war es ein verdienter Titel – das Tor erzielte Wayne Rooney. © Imago
FC Barcelona (Spanien) sicherte sich 2009 erstmals den Titel. Gegen Estudiantes aus Argentinien gelang in der Verlängerung ein 2:1 – Messi traf per Brust zum Sieg.
FC Barcelona (Spanien) sicherte sich 2009 erstmals den Titel. Gegen Estudiantes aus Argentinien gelang in der Verlängerung ein 2:1 – Messi traf per Brust zum Sieg. © Imago
Inter Mailand (Italien) dominierte 2010 das Finale gegen TP Mazembe mit 3:0. Der Klub krönte sein Triple-Jahr mit einem souveränen Weltpokal-Sieg.
FC Internazionale Milano (Italien) dominierte 2010 das Finale gegen TP Mazembe mit 3:0. Der Klub krönte sein Triple-Jahr mit einem souveränen Weltpokal-Sieg. © Imago
FC Barcelona (Spanien) dominierte 2011 eines der einseitigsten Finalspiele aller Zeiten. Gegen Santos siegten sie mit 4:0 – Messi, Xavi & Co. auf dem Höhepunkt.
FC Barcelona (Spanien) zeigte 2011 eines der einseitigsten Finalspiele aller Zeiten. Gegen Santos siegten sie mit 4:0 – Messi, Xavi & Co. auf dem Höhepunkt. © Imago
Corinthians (Brasilien) holte 2012 den zweiten Titel der Vereinsgeschichte. Im Finale gegen Chelsea war ein spätes Tor entscheidend – und São Paulo feierte.
Corinthians (Brasilien) holte 2012 den zweiten Titel der Vereinsgeschichte. Im Finale gegen Chelsea war ein spätes Tor entscheidend – und São Paulo feierte. © Imago
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2013 mit 2:0 gegen Raja Casablanca. Das Finale war die Krönung des historischen Triple-Jahres unter Jupp Heynckes.
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2013 mit 2:0 gegen Raja Casablanca. Das Finale war die Krönung des historischen Triple-Jahres unter Jupp Heynckes. © Imago
Real Madrid (Spanien) holte 2014 seinen ersten Klub-WM-Titel. Mit dem 2:0 gegen San Lorenzo zeigte das Team eine abgeklärte Leistung auf dem Weg zur Weltkrone.
Real Madrid CF (Spanien) holte 2014 seinen ersten Klub-WM-Titel. Mit 2:0 gegen San Lorenzo zeigte das Team eine abgeklärte Leistung auf dem Weg zur Weltkrone. © Imago
FC Barcelona (Spanien) gewann 2015 erneut – mit einem 3:0 gegen River Plate. Messi, Suárez und Neymar brillierten in einem einseitigen Finale.
FC Barcelona (Spanien) gewann 2015 erneut – mit einem 3:0 gegen River Plate. Messi, Suárez und Neymar brillierten in einem einseitigen Finale. © Imago
Real Madrid (Spanien) sicherte sich 2016 den Titel gegen Kashima Antlers. In einem spannenden Spiel traf Cristiano Ronaldo dreimal – 4:2 nach Verlängerung.
Real Madrid CF (Spanien) sicherte sich 2016 den Titel gegen Kashima Antlers. In einem spannenden Spiel traf Cristiano Ronaldo dreimal – 4:2 nach Verlängerung. © Imago
Real Madrid (Spanien) verteidigte 2017 den Titel. Gegen Grêmio aus Brasilien reichte ein Ronaldo-Freistoß zum 1:0 – es war der dritte Titel binnen vier Jahren.
Real Madrid CF (Spanien) verteidigte 2017 den Titel. Gegen Grêmio aus Brasilien reichte ein Ronaldo-Freistoß zum 1:0 – es war der dritte Titel binnen vier Jahren. © Imago
Real Madrid (Spanien) krönte 2018 eine beispiellose Klub-WM-Ära mit dem dritten Titel in Folge. Gegen Al Ain gewannen die Königlichen das Finale souverän mit 4:1.
Real Madrid CF (Spanien) krönte 2018 eine beispiellose Klub-WM-Ära mit dem dritten Titel in Folge. Gegen Al Ain gewannen sie das Finale souverän mit 4:1. © Imago
Der FC Liverpool (England) feierte 2019 seinen ersten Klub-WM-Titel. Roberto Firmino schoss das entscheidende Tor gegen Flamengo in der Verlängerung.
Der FC Liverpool (England) feierte 2019 seinen ersten Klub-WM-Titel. Roberto Firmino schoss das entscheidende Tor gegen Flamengo in der Verlängerung. © William Volcov via www.imago-images.de
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2020 gegen Tigres mit 1:0. Damit sicherte sich der Klub sechs Titel in einem Jahr – ein historisches Kunststück.
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2020 gegen Tigres mit 1:0. Damit sicherte sich der Klub sechs Titel in einem Jahr – ein historisches Kunststück. © Imago
Chelsea FC (England) holte 2021 erstmals die Klub-WM. In einem umkämpften Finale gegen Palmeiras fiel der Siegtreffer per Elfmeter in der Verlängerung.
Chelsea FC (England) holte 2021 erstmals die Klub-WM. In einem umkämpften Finale gegen Palmeiras fiel der Siegtreffer per Elfmeter in der Verlängerung. © Imago
Real Madrid (Spanien) feierte 2022 mit einem 5:3 gegen Al Hilal seinen insgesamt fünften Klub-WM-Titel – Rekord! Ein offensives Feuerwerk im Finale.
Real Madrid CF (Spanien) feierte 2022 mit einem 5:3 gegen Al Hilal seinen insgesamt fünften Klub-WM-Titel – Rekord! Ein offensives Feuerwerk im Finale. © Imago
Manchester City (England) dominierte das Finale 2023 gegen Fluminense mit 4:0. Pep Guardiolas Team krönte damit das historische Triple-Jahr.
Manchester City FC (England) dominierte das Finale 2023 gegen Fluminense mit 4:0. Pep Guardiolas Team krönte damit das historische Triple-Jahr. © Imago

Diese Skepsis gegen eine neue Turnierform ist jedoch keineswegs neu – sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des englischen Fußballs.

Historische Vorbehalte gegen neue Wettbewerbe

Matthew Ford ist freier Journalist mit den Schwerpunkten deutscher und europäischer Fußball, Sportbusiness und Fankultur. „Der englische Fußball ist aus der Historie heraus neuen Wettbewerben gegenüber schon immer sehr skeptisch gewesen“, erklärte der Branchenkenner im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports.

Diese abweisende Haltung hat also Tradition: England nahm nicht an der ersten Weltmeisterschaft 1930 teil (zu dieser Zeit waren die britischen Fußballverbände noch nicht bereit, Profi-Spieler zu den Weltmeisterschaften zu entsenden) und zeigte sich in den 1950er Jahren zunächst desinteressiert am neu geschaffenen Europapokal.

Besonders bemerkenswert ist die Episode um Chelsea, dem die FA einst die Teilnahme am Europapokal verbot (1955/56). Manchester United hingegen missachtete ein ähnliches Verbot und nahm trotzdem teil – ein früher Akt des Aufbruchs gegen die konservative Haltung des englischen Fußballverbands.

Auch bei der ersten Klub-WM im Jahr 2000 zeigte sich diese Skepsis: „United wollte eigentlich nicht an der ersten Klub-WM teilnehmen“, so Ford. Letztendlich schickte die FA die Red Devils jedoch nach Brasilien – allerdings nicht aus sportlicher Begeisterung, sondern „um die eigene Bewerbung für die WM 2006 zu unterstützen“.

Die Red Devils schieden am Ende sang- und klanglos aus, die Weltmeisterschaft landete in Deutschland.

Fehlende Zugkraft der aktuellen Vertreter

Bei der aktuellen Klub-WM darf Chelsea vom Gewinn der über 100 Millionen Euro schweren Trophäe träumen, die Citizens hingegen sind raus. Ford hat generell eine klare Meinung: „Mit Manchester United oder dem FC Liverpool wäre das Interesse größer.“

Besonders in den USA, einem wichtigen Markt für die FIFA, scheint die Anziehungskraft der Klubs begrenzt: „Wie Chelsea und City in den USA ankommen, kann ich gar nicht sagen. City scheint ein paar unkritische jüngere Amerikaner anzuziehen, eventuell durch die Verbindung mit New York, die man in den USA ja gar nicht hinterfragt.“

Zur Einordnung: New York City FC und Manchester City gehören zur City Football Group, die mehrere Fußballklubs unter sich vereint. Aber das soll nur ein Randaspekt bleiben und keine größere Rolle einnehmen.

So oder so gilt für Ford: „Die beiden Klubs sind, bei allem Respekt, einfach nicht vergleichbar mit der Anziehungskraft von United und Liverpool“. Es wäre für die Zukunft ratsam nachzudenken, ob die Tür für die Klub-WM auch weiteren bekannteren Klubs wie Barcelona, Galatasaray oder eben den englischen Giganten geöffnet wird.

Die begeisternden Bilder lieferten vor allem die Anhänger aus Südamerika, was allerdings auch am Austragungsland USA liegen könnte. FIFA-Präsident Gianni Infantino wird nach dem Abschluss des Turniers dennoch in die Analyse gehen und an weiteren Stellschrauben drehen müssen.

Die Frage, ob sich das Interesse auch in Ländern wie Deutschland, England oder Spanien steigern lässt, bleibt offen. Der Freelancer Ford ist sich nicht sicher, ob das Mitwirken von United oder Liverpool in der öffentlichen Wahrnehmung „wirklich den ganz großen Unterschied machen würde“.

Tradition vs. Innovation

Die englische Fußballkultur steht somit erneut vor dem Spagat zwischen Tradition und Innovation. Während die FIFA mit ihrer erweiterten Klub-WM neue Wege beschreitet, bleibe in England „immer eine gewisse Skepsis“.

Das Interesse am FC Chelsea bei der Klub-WM? Es könnte größer sein...

Diese Haltung spiegelt eine tiefer liegende Philosophie wider: Der englische Fußball, stolz auf seine Traditionen und etablierten Wettbewerbe, tut sich schwer mit Neuerungen, die von außen kommen. Die Klub-WM wird somit zum Testfall dafür, ob sich diese historische Skepsis auch in der modernen, globalisierten Fußballwelt behaupten kann.

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