Wenn es wirklich die 32 besten Teams der Welt wären, würden womöglich nur Mannschaften aus der UEFA und Südamerika eingeladen, um in den zwölf modernen Arenen in den USA zu spielen. Die FIFA umschifft dieses Problem geschickt, wenn sie von „32 der besten Teams der Welt“ spricht. Schließlich muss der Weltverband die Interessen aller sechs Kontinentalverbände unter einen Hut bekommen.
Das Mitleid für die UEFA wird sich auf den anderen Erdteilen in engen Grenzen halten. Immerhin schickt Europa mit zwölf Mannschaften immer noch klar die meisten in die Vereinigten Staaten. Trotzdem war das Hauen und Stechen um diese Startplätze besonders groß. Ein Resultat ist dabei, dass ausgerechnet die Premier League, die stärkste und reichste Liga der Welt, bei der FIFA Klub-WM mit Wackelkandidaten antreten muss.
Diese 32 Teams kämpfen 2025 um den Klub-WM-Titel in den USA
Der FC Chelsea hat sich gewissermaßen als erstes europäisches Team für die Klub-WM qualifiziert. Die Blues gewannen die UEFA Champions League 2020/21 und waren damit gesetzt. Chelsea zehrt also von einem Erfolg vor vier Jahren, der gefühlt noch viel länger her ist.
Immerhin spielten beim Finalsieg gegen Manchester City in Porto mit Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner drei deutsche Nationalspieler für Chelsea, die den Klub längst verlassen haben. Trainer war Thomas Tuchel, der seither ein Intermezzo beim FC Bayern hatte und inzwischen englischer Nationaltrainer ist.
Dass Chelsea im Vergleich zum 29. Mai 2021 kaum wiederzuerkennen ist, hängt aber vor allem von Politik ab: Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine wurden gegen den Besitzer der Blues, Roman Abramowitsch, im Frühjahr 2022 Sanktionen verhängt. Auf Druck der britischen Regierung erfolgte binnen weniger Wochen der Verkauf an die Clearlake Capital Group. Neuer Haupteigentümer ist der amerikanische Milliardär Todd Boehly.
Die Boehly-Ära ist bis dato gekennzeichnet durch einen schier unendlichen Kaufrausch. Chelsea ist zum Verschiebebahnhof auf dem Transfermarkt geworden. 1,37 Milliarden Euro investierten die Londoner unter der neuen Klubführung in Ablösen. Für die Sommertransferperioden 2025 und 2026 waren schon weitere 120 Millionen Euro veranschlagt, ehe sie überhaupt begonnen, dann schlug der Klub bei Stürmer Liam Delap auch noch vor der Klub-WM zu. Bei Jamie Gittens blieb Borussia Dortmund hingegen eisern.
Erfolge konnte sich der Klub nicht unmittelbar einkaufen. In der Champions League war Chelsea zuletzt zweimal gar nicht dabei. Doch der Trend ist positiv: Zum Ende der Saison 2025/26 gelang der Sprung zurück auf die große Bühne Königsklasse. Das Finale der Conference League gegen Real Betis gewann Chelsea Ende Mai mit 4:1.
Das große Problem neben den ständigen Transfers, die keine Mannschaft wachsen lassen, war das Hin und Her auf dem Trainerposten: Erfolgscoach Tuchel war das erste Opfer von Boehly und Co., Nachfolger Graham Potter hielt sich trotz Mega-Ablöse an Brighton & Hove Albion nur wenige Monate im Amt. Dann brachte Mauricio Pochettino wieder einen großen Namen, aber keine großen Erfolge.
Aktuell darf sich Enzo Maresca versuchen, der zuvor Leicester City zum Wiederaufstieg in die Premier League geführt hatte. Trotz einer weiteren Saison mit vielen Höhen und Tiefen hat der Italiener gute Karten, auch nach der Klub-WM im Amt zu bleiben. Dort spielt Chelsea gegen Flamengo und Espérance Tunis sowie Nachrücker Los Angeles FC, der nach Ausschluss des Club León aus Mexiko ins Turnier rutschte.
Manchester City will in den USA die Saison retten
Manchester City indes qualifizierte sich trotz der Niederlage gegen Chelsea 2021, weil zwei Jahre später gegen Inter Mailand doch endlich der große Wurf gelang. Pep Guardiola wurde dabei zum ersten Trainer, der mit zwei verschiedenen Klubs das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen konnte. Zuvor war ihm das 2009 beim FC Barcelona gelungen.
Lange Zeit hätten viele Experten erwartet, dass sich Guardiola nach einem solchen Erfolg bei ManCity zurückzieht, wie er einst auch beim FC Bayern klipp und klar nach drei Jahren den Schlussstrich gezogen hat. Doch bei den Skyblues hat sich der Katalane eine Wohlfühloase geschaffen. Es besteht kein großer Zweifel daran, dass er 2026 sein zehnjähriges Dienstjubiläum feiert.
Zum ersten Mal in seiner großen Trainerlaufbahn ist der Ex-Profi damit willens, einen Umbruch in seinem Team durchzuführen. Der hat längst begonnen und schon viel Geld gekostet. Mit Kevin de Bruyne verlässt das Hirn der Mannschaft den Klub. Der Belgier wird während der Klub-WM 34 Jahre alt, hatte zuletzt mit vielen Verletzungen zu kämpfen und unterschrieb jüngst bei der SSC Neapel.
Theoretisch könnte der frühere Bundesliga-Star mit seinem auslaufenden Arbeitspapier noch gegen Wydad Casablanca, al Ain und Juventus mitwirken, De Bruyne gehört aber nicht zum Kader von ManCity. Dabei sind hingegen mit Marcus Bettinelli, Tijjani Reijnders, Rayan Ait-Nouri und Rayan Cherki gleich vier Neuzugänge, die im kurzen Sonder-Transferfenster vor der Klub-WM geholt wurden. Kostenpunkt: Angeblich 130 Millionen Euro!
ManCity verlor zuletzt das Pokalfinale gegen Crystal Palace
In der Theorie ist Manchester City sicher einer der Topfavoriten auf den Titel bei der FIFA Klub-WM. Die Realität sah zuletzt jedoch überraschend oft anders aus: Die Citizens erleben eine schwierige Saison, in der die Dominanz in der Premier League völlig abhandengekommen ist. Lange musste sich die Mannschaft von Erling Haaland und Co. sogar um die Champions League Sorgen machen
Auf der Habenseite steht lediglich der Sieg im Community Shield, der englischen Version des Supercups, nach Elfmeterschießen gegen den Lokalrivalen Manchester United. Zuletzt verlor City sogar als haushoher Favorit das Pokalfinale gegen Crystal Palace und den ehemaligen Frankfurt-Trainer Oliver Glasner – auch weil der ehemalige Frankfurt-Stürmer Omar Marmoush einen Strafstoß vergab.
Der Titel bei der Klub-WM würde die Spielzeit wohl nicht retten, doch aber für ein versöhnliches Ende sorgen. Wie groß die Chance ist, sei dahingestellt.
Liverpool und Arsenal fehlen bei der Klub-WM
Kurios ist allemal: Die beiden aktuell besten englischen Mannschaften sind nicht dabei.
Der FC Liverpool konnte sich trotz einer eigentlich ausreichenden Platzierung in der UEFA-Rangliste nicht qualifizieren, weil jede Liga nur zwei Teilnehmer stellen darf – sofern nicht mehr als zwei Teams im Zeitraum von 2021 bis 2024 die Champions League gewonnen hätten. Der FC Arsenal hätte sich indes auch über die Rangliste nicht qualifiziert, weil die Gunners nach einigen mageren Jahren erst spät im relevanten Zeitraum wieder aufgedreht haben.
Dem frühzeitig gekrönten Meister Liverpool und seinem Vize-Champion wäre bei der Klub-WM nach Lage der Dinge wohl mehr zuzutrauen gewesen als Chelsea und Manchester City. Doch es sind eben nicht die 32 aktuell besten Teams der Welt in den USA zu Gast. Sondern 32 der besten Teams. Und analog sind nicht die beiden besten Engländer dabei, sondern nur zwei der vielen starken Mannschaften aus der Premier League.
Eine Überraschung wäre gewiss nicht, wenn eine am Ende den Titel feiern kann.