VonDaniel Michelschließen
Uli Hoeneß beendete seine Karriere frühzeitig. Nun entscheidet er mit, wann seine Stars beim FC aufhören. Routinier Thomas Müller ist deshalb gewarnt.
München – In München fand kürzlich die Premiere der Dokumentation „Thomas Müller – Einer wie keiner“ statt, die von Amazon Prime präsentiert wurde. Zahlreiche Prominente, darunter der ehemalige Bundestrainer Joachim Löw und der Ehrenpräsident des FC Bayern, Uli Hoeneß, nahmen an der Veranstaltung teil.
Positive Kritiken für Doku über Thomas Müller
Die Dokumentation über Thomas Müller erhielt hervorragende Kritiken. Auch auf dem roten Teppich äußerten sich die Gäste durchweg positiv über den FC-Bayern-Star und lobten sowohl seinen Charakter als auch seine sportlichen Leistungen.
Uli Hoeneß sorgte jedoch mit einer bemerkenswerten Aussage für Aufsehen. Er betonte: „Ein Thomas Müller, der ständig auf der Bank sitzt, das kann auch nicht eine Lösung sein.“ Es sei „einer großen Karriere nicht würdig“, wenn ein Spieler wie Müller dauerhaft nur als Ersatz agiere.
Perspektive beim FC Bayern
Hoeneß schlug zugleich eine alternative Perspektive vor: „Thomas weiß genau, dass wir ihn gerne in irgendeiner Form behalten würden.“ Er sei überzeugt, dass Müller „fast jeden Job beim FC Bayern mit einer gewissen Anlaufzeit machen“ könne.
Die Situation, die Hoeneß für Müller vermeiden möchte, ist jedoch bereits Realität. Seit mindestens zwei Saisons ist Müller nur noch Ergänzungsspieler. Im Champions-League-Spiel gegen Celtic Glasgow wurde er von Trainer Vincent Kompany zuletzt „gedemütigt“, wie Experte Lothar Matthäus anmerkte, da Müller nur für wenige Sekunden eingewechselt wurde.
Uli Hoeneß musste wegen Knieverletzung aufhören
Hoeneß, der selbst seine Karriere früh beenden musste, ist mit dem Thema „Wann höre ich als Fußballprofi auf?“ bestens vertraut. Aufgrund einer Knieverletzung musste er bereits mit 27 Jahren seine aktive Laufbahn beenden. 1978 versuchte er noch, mit einer Leihe zum 1. FC Nürnberg seine Karriere zu verlängern, doch ein halbes Jahr später war Schluss – und er wurde Manager des FC Bayern.
Seitdem gibt Hoeneß seinen Stars Ratschläge zum Karriereende oder trifft die Entscheidung selbst. So erging es auch Mehmet Scholl im Jahr 2007. Im Podcast „Einfach mal Luppen“ der Kroos-Brüder erzählte Scholl von seinem quasi erzwungenen Rücktritt.
Auch Scholl machte seine Erfahrung mit Hoeneß
Um Weihnachten 2006 erhielt Scholl einen Anruf von einem Journalisten, der ihm zum Karriereende und einem Abschiedsspiel gegen Barcelona gratulierte. Scholl war überrascht, da er nichts davon wusste. Hoeneß hatte dies auf der Weihnachtsfeier des FC Bayern verkündet. Scholl versuchte noch, mit Hoeneß zu sprechen, doch viel zu verhandeln gab es nicht mehr.
Hoeneß sagte zu ihm: „Pass auf: Kein älterer Spieler weiß, wann es vorbei ist. Wenn du jetzt aufhörst, kommst du aus der Nummer super raus. Vertrau mir einfach und hör auf.“ Scholl durfte sein Karriereende 2007 schließlich selbst öffentlich machen und ist Hoeneß heute dankbar, dass er ihm diese Entscheidung abgenommen hat.
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Harte Kritik an Mario Gómez
Mario Gómez erlebte dagegen eine viel rauere Seite von Hoeneß. Nach dem verlorenen „Finale dahoam“ 2012 (Bayern-Mitarbeiter bekamen Drama nicht mit), in dem Gómez zahlreiche Chancen vergab, kommentierte Hoeneß: „Wenn er sehr gut wäre, dann wären wir jetzt Champions-League-Sieger!“
Im folgenden Jahr saß Gómez meist auf der Bank, verließ den FC Bayern und konnte nie wieder dauerhaft an seine früheren Top-Leistungen anknüpfen, trotz Stationen in Italien und der Türkei sowie eines Comebacks in der Nationalmannschaft.
Rubriklistenbild: © Frank Hoermann

