Drei Säulen

Erfolgsformel: So bringt Eintracht "Juwele“ wie Marmoush und Ekitiké hervor

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Eintracht Frankfurt ist mittlerweile ein gefürchteter Akteur auf dem Transfermarkt. Vorstandssprecher Axel Hellmann liefert Details.

Frankfurt – Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren das Tempo auf dem Transfermarkt Stück für Stück erhöht.

2019 gab es eine Grundsatzentscheidung bei der Eintracht

Unter dem früheren Sportvorstand Fredi Bobic gab es eine Grundsatzentscheidung des Aufsichtsrats. Der Tenor: Die Werte sollen seit 2019 auf dem Platz wachsen. Im Optimalfall entdeckt man einen Luka Jović oder Sèbastien Haller für fünf oder sechs Millionen Euro und verkauft ihn zwei Jahre später für die x-fache Summe.

Hugo Ekitiké und Omar Marmoush haben bei der Eintracht oft gejubelt

Nachfolger Markus Krösche hat diesen roten Faden aufgenommen und weitergeführt. Die Eintracht hat bei der Jagd nach den großen Talenten oftmals ihren Fuß in der Tür. Und sie hat ihr System nahezu perfektioniert. Ob ablösefreie Akteure wie Omar Marmoush und Randal Kolo Muani oder auch vergleichsweise preiswerte Talente à la Hugo Ekitiké gingen den Weg in die Mainmetropole.

Eintracht knackt bei Ablösen Rekorde

Die Entwicklung ging steil in eine Richtung. Marmoush und Kolo Muani können dem Klub über 170 Millionen Euro bescheren. Das Preisschild von Ekitiké ist inzwischen auf etwa 100 Millionen Euro angewachsen. Die Beispiele türmen sich inzwischen, sie gehen auch auf Jovic, Haller, André Silva, Evan N‘Dicka, Tuta oder Daichi Kamada zurück. Nicht jeder brachte Ablöse ein, dennoch waren diese Rekord-Deals das Ergebnis sehr konsequenter und guter Arbeit.

Vorstandssprecher Axel Hellmann erläuterte im Gespräch mit Klub-Legende Jan Aage Fjörtoft drei Säulen: „Scouting, eine schnelle Entscheidungsfindung und Investitionen in das Trainerteam, um die Spieler besser zu machen.“ Es lohnt sich, etwas näher darauf zu zu blicken.

1.) Scouting

Tom Reynolds zählt zu den erfahrenen Scouts im Team von Krösche. Er erklärte in einem Podcast im Dezember 2024: „Wenn du nicht weißt, welche Identität über allem steht, dann kannst du deine Ziele nicht erreichen.“ Bei Eintracht Frankfurt verfolgt man eine klare Strategie: „Wir wissen, was wir wollen. Das erleichtert unseren Job. Jeder Spieler, den wir scouten, muss in unser System passen.“

Es gibt inzwischen etliche Transfers, die den Stempel „typisch Eintracht“ tragen. Die Frankfurter schauen sich global nach neuen Akteuren um. Zwei Märkte haben sich dabei als zentral erwiesen: Frankreich und Skandinavien. Doch auch in England (Robin Koch, Rasmus Kristensen, Donny van de Beek, Sasa Kalajdzic) wurde Krösche schon fündig. Und der deutsche Markt bleibt naturgemäß stets interessant.

2.) Schnelle Entscheidungsfindung

Krösche war im Februar im Phrasenmäher von Bild zu Gast. Dort verriet er einen elementaren Unterschied zu seinem vorherigen Arbeitgeber aus Leipzig: „Bei uns hat jeder sein klares Aufgabengebiet und die Möglichkeit, klare Entscheidungen zu treffen – genau so macht das auch Sinn. Ich halte nichts von riesigen Diskussionsrunden, in denen die Entscheidungen, die innerhalb der sportlichen Leitung entstehen, auf einer höheren Ebene noch mal neu diskutiert werden.“

Hellmann führte diesen Gedanken weiter aus: „Wir sind in der Entscheidungsfindung blitzschnell. Wenn Markus Krösche einen Plan mit einem Spieler hat, dann gibt es keinen Anlass, dass er noch durch die Gremien kreist und 20 verschiedene Meinungen einholt, um einen Deal abzuschließen.“

Wie Absolut Fußball, das Fußballportal von Home of Sports, mit Branchenkennern erörtert hat, ist diese Arbeitsweise nicht üblich. Vor allem bei europäischen Spitzenvereinen dauern die Prozesse oftmals sehr lange. Von der Entdeckung eines „Juwels“ bis zu den finalen Gesprächen können Monate vergehen. Bei der Eintracht hingegen hat Krösche kurze Wege und kann voll auf das Gaspedal drücken.

„Wenn wir einen Spieler wollen, dann treffen wir innerhalb von wenigen Tagen eine Entscheidung. Danach starten die Verhandlungen. Aber die grundsätzliche Entscheidung treffen wir im Klub sehr schnell“, so Hellmann. Nicht jeder Transfer klappt, wie die Beispiele Tom Bischof (geht zum FC Bayern München) oder Ayden Heaven (zu Manchester United) zeigen. Die Eintracht mischt allerdings stets mit und ist ein ernsthafter und von der Konkurrenz gefürchteter Konkurrent.

3.) Trainerteam formt Spieler

Dino Toppmöller ist es mit seinem Trainerteam (Xaver Zembrod, Jan Fießer, Stefan Buck) und dem gesamten Staff gelungen, viele Profis besser zu machen. Marmoush ist dabei das Paradebeispiel. Der Ägypter verpasste in Wolfsburg den ganz großen Durchbruch und wurde sogar öffenltich kritisiert. Marmoush spielte auf vielen verschiedenen Positionen, performte aber nur selten konstant.

Hellmann erinnerte: „Als Marmoush kam, war er noch kein Neuner. Der Coach und sein Team haben ihn dahin entwickelt, dass er zu einem der besten Spieler in Europa wurde. Wir hatten etwas in ihm gesehen und haben deshalb viel Zeit in seine Entwicklung investiert.“ Ein solcher Aufstieg sei zwar nicht planbar. Der Vorstandssprecher glaubt jedoch auch in Zukunft an ähnliche Geschichten: „Die Methode für solche Entwicklungen haben wir immer im Sinn.“

Zurück zu Marmoush: Der Eintracht-Coach sah in ihm schnell einen Mittelstürmer. Toppmöller musste auf den ersatzlosen Last-Minute-Abgang von Kolo Muani reagieren.

Er nahm sich viel Zeit und gab Marmoush bei seinen Torabschlüssen einen exakten Plan mit an die Hand, verlangte von ihm Zielstrebigkeit und lobte bereits nach wenigen Monaten: „Omar hat einen sensationellen Entwicklungsschritt genommen. Er hat ein gutes Gespür für Tiefenläufe.“ Nicht umsonst legten die Citizens so viel Kohle für ihn auf den Tisch.

Doch auch Hugo Larsson, Nathaniel Brown, Nnamdi Collins, Ansgar Knauff, Ekitiké oder Jean-Matteo Bahoya gingen die Entwicklungs-Leiter rasch nach oben. Toppmöller und sein Team haben viele Argumente für die Verlängerung der Verträge gesammelt. Und die Eintracht nach in der Gesamtheit nachgewiesen, auf allen Ebenen mit klaren Plänen und Strukturen zu arbeiten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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