VonLars Pollmannschließen
Der BVB musste in der Begegnung gegen Mainz auf einen Top-Spieler verzichten. Die Statistik in den Matches, die er nicht bestritt, ist erstaunlich.
Dortmund – Der Sonntag startete für die Fans von Borussia Dortmund mit einer bitteren Nachricht, endete aber mit einem selten gewordenen Glücksgefühl: Obwohl Stürmer Serhou Guirassy kurzfristig wegen Muskelbeschwerden für das Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 ausfiel, gelang erst der zweite Sieg vor eigenem Publikum in der Bundesliga 2025.
Wobei: Das Wort „obwohl“ muss an der Stelle vielleicht gestrichen werden. Denn die Bilanz des BVB ohne seinen treffsichersten Stürmer wird nach dem 3:1 gegen Mainz immer kurioser.
Siegquote des BVB ohne Guirassy mehr als doppelt so hoch
Gegen Mainz musste Guirassy zum vierten Mal in der laufenden Saison zuschauen, zum dritten Mal gelang der Mannschaft ein Erfolg. Zuvor hatte der Guineer gegen Eintracht Frankfurt (2:0) zum Saisonauftakt gefehlt, hatte er eine Woche später gegen Werder Bremen (0:0) zuschauen müssen und war er im November gegen den SC Freiburg (4:0) ausgefallen. Inklusive des Spiels gegen Mainz holte der BVB ohne Guirassy in der Bundesliga inzwischen zehn Punkte bei einem Torverhältnis von 9:1.
Der Punkteschnitt beträgt also 2,5, wenn Guirassy fehlt – hochgerechnet auf 27 Spieltage wäre der BVB damit Tabellenführer! Wenn der Stürmer mitgespielt hat, liegt der Punkteschnitt diese Saison in 23 Partien bei lediglich 1,2 Zählern.
Die Siegquote ist ohne Guirassy (75 Prozent) mehr als doppelt so hoch als mit dem Angreifer (34,8 Prozent). Unerwartet ist sicher auch: Wenn Guirassy nicht mitwirken kann, erzielt der BVB mehr Tore als mit seinem besten Schützen auf dem Feld (2,3 bzw. 1,7).
Kovač stellt Guirassy BVB-Garantie aus: „Serhou ist unsere Lebensversicherung“
Selbstredend ist die Statistik mit Vorsicht zu genießen, weil die Stichprobengröße von vier Spielen ohne Guirassy deutlich kleiner ist als mit dem Sommer-Einkauf, der in 23 Bundesliga-Spielen die gute Quote von 14 Treffern vorweisen kann. Noch beeindruckender ist die Bilanz von Guirassy in der Champions League mit zehn Treffern und insgesamt 15 Scorerpunkten nach zwölf Spielen.
Kein Wunder also, dass Trainer Niko Kovač trotz der kuriosen Statistik keinen Zweifel an Guirassy aufkommen lassen will. „Serhou ist unsere Lebensversicherung. Wir sind froh, dass wir heute ohne ihn gewonnen haben, aber wenn er gesund ist, gehört er in die Mannschaft und wird die Tore schießen, die er ja auch schon geschossen hat“, sagte der Übungsleiter am Sonntag beim Streamingdienst DAZN.
Auch Nico Schlotterbeck, der mit ungeahnten Qualitäten von der Eckfahne entscheidend am Sieg gegen Mainz beteiligt war, dachte schon kurz nach dem Spiel an seinen angeschlagenen Teamkollegen. „Es tat extrem weh, dass Serhou weggefallen ist“, berichtete der DFB-Verteidiger.
Adeyemi und Beier als BVB-Lösung im Verbund
Gut zu wissen, also, dass es auch ohne Guirassy geht. Kovač löste es mit einer Systemumstellung, in Ermangelung eines klassischen Neuners wie Guirassy bot der Trainer Karim Adeyemi und Maximilian Beier als Doppelspitze auf.
„Wir hatten zwei schnelle Stürmer, die die Tiefe attackiert haben und viel marschiert sind. Der eine legt dem anderen das Tor auf, der Maxi macht zwei Tore, besser kann es nicht laufen“, freute sich Kovač über seinen gelungenen Matchplan, bei dem der BVB Mainz gewissermaßen mit den eigenen Waffen schlug.
Dennoch ließ Kovač keine Zweifel aufkommen: Guirassy bleibt der Platzhirsch im BVB-Sturm und soll jede Chance bekommen, seine überraschend schwache Statistik zu verbessern.
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