Kompanys Rekord-Bayern: Ist jetzt legendärer Guardiola-Bestwert fällig?
VonPeter Grad
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Vor der Saison wurde dem FC Bayern wegen der Teilnahme an der Klub-WM ein holpriger Saisonstart prophezeit. Das Gegenteil ist eingetreten, nun wackelt sogar ein Guardiola-Rekord.
München - Trotz des Meisterschafts-Comebacks unter dem neuen Trainer Vincent Kompany nach einjähriger Titelabstinenz gab es vor der aktuellen Spielzeit erstaunlich viele Schwarzmaler, wenn es um die Einschätzung der Titelchancen des FC Bayern ging. Die Sommer-Transferperiode des Rekordmeisters, besonders in Person von Sportvorstand Max Eberl, wurde extrem kritisch beäugt. Dessen Zukunft wurde eng mit der des „Meisterneulings“ Kompany verknüpft, dem viele Experten ein ähnliches Schicksal im zweiten FCB-Jahr wie seinen Vorgängern Carlo Ancelotti, Niko Kovac und Julian Nagelsmann voraus sagten.
Und dann gab es noch die hierzulande so negativ gesehene Klub-WM bis Anfang Juli in den USA: Den Teilnehmern – aus der Bundesliga neben dem FCB noch Borussia Dortmund – wurde ein desaströser Start in die Spielzeit 2025/26 prophezeit: Mehrbelastung, die kürzeste Saisonvorbereitung aller (Bundesliga-)Zeiten. Zu allem Überfluss hatte sich beim Ausscheiden des FC Bayern im WM-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain auch noch Jamal Musiala schwer am Unterschenkel verletzt.
Seit vier Monaten nur noch Bayern-Siege
Dieses bittere 0:2 gegen den amtierenden Champions-League-Gewinner am 5. Juli 2025 ist nun exakt vier Monate her – und es kam alles ganz anders, als von vielen Fußballfans- und -experten erwartet. Schon die minimalistische Vorbereitungsphase lief mit den drei Testspielsiegen gegen Olympique Lyon (2:1), Europa-League-Gewinner Tottenham Hotspur (4:0) und Grashopper Zürich (2:1) überraschend gut. Inklusive dem „Auswärts-Coup in Unterzahl“ bei PSG (2:1) hat der FC Bayern alle seine 16 Pflichtspiele dieser Spielzeit gewonnen.
Längst zählt die Fußball-Welt bei jedem weiteren Sieg des deutschen Rekordmeisters mit, bedeutet doch jeder eine weitere Verbesserung des Europarekords (Top-5-Ligen) des AC Milan aus der Saison 1992/93, der damals zu Saisonbeginn wettbewerbsübergreifend zwölfmal (tatsächlich nicht dreizehn Mal!) in Serie siegreich war und sich zum Saisonfinale beim ersten CL-Finale der Geschichte im Münchner Olympiastadion Olympique Marseille mit 0:1 geschlagen geben musste.
Finalniederlagen, Titelfluch, Enttäuschungen: Die lange Reise des Harry Kane zum ersten Titel
Das Erreichen des CL-Finales am 30. Mai 2026 in Budapest ist auch das große Ziel der Kompany-Bayern, bis dahin ist es noch ein extrem weiter Weg. Der Bayern-Coach fasste den 2:1-Sieg in Paris auf der PK nach der Partie ganz einfach mit „Arbeit und Emotion“ zusammenfassen und konstatierte den verbesserten Europarekord mit jetzt 16 Pflichtspielsiegen lapidär mit „trotzdem müssen wir das nächste Spiel gewinnen.“
Dieses findet am Samstagnachmittag in der Alten Försterei bei Union Berlin statt, es ist der 10. BL-Spieltag. Auch wenn der 39-jährige Belgier nach eigenen Aussagen kein „Rekordesammler“ ist, würde die Umsetzung „nächstes Spiel gewinnen“ eine weitere neue Bestmarke in der Bundesliga bedeuten, die er ausgerechnet seinem „Lehrmeister“ Pep Guardiola wegschnappen würde.
Mit Sieg in Berlin holt sich Kompany Guardiolas Bundesligarekord
In der Spielzeit 2015/16 gewannen Thomas Müller, Philipp Lahm, Manuel Neuer & Co. unter dem Katalanen die ersten zehn Bundesligaspiele, ein bemerkenswerter, ein legendärer BL-Rekord. 33:4 lautete damals das Torverhältnis. Die aktuellen Bayern stehen bei neun BL-Siegen – und ebenfalls 33:4 Toren. Jeder Sieg in der Hauptstadt würde also einen neuen Rekord bedeuten.
Guardiolas Siegesserie endete damals am 30. Oktober 2015 beim 0:0 in Frankfurt. Wenn Kompanys Truppe in Berlin besteht, könnte man nach der Länderspielpause (WM-Qualifikation) den 2015er Rekord nicht nur über das Torverhältnis, sondern auch die Anzahl der Siege ausbauen. Wie auch bereits längst beim Europarekord geschehen…