Juwel aus England

Fall Bellingham: Frankfurt etabliert sich als echter BVB-Rivale

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Der Kampf um Jobe Bellingham macht deutlich: Eintracht Frankfurt ist zum echten BVB-Rivalen geworden. Das gilt nicht nur für den Transfermarkt.

Dortmund/Frankfurt – Das Playoff-Finale der englischen Championship gilt als wertvollstes Spiel der Welt: Über 260 Millionen Euro Mehreinnahmen bringt der Aufstieg in die Premier League nach Angaben der BBC. Bei Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt ging der Blick am Wochenende besonders auf das Duell zwischen Sunderland und Sheffield United. Der Grund: Jobe Bellingham.

Transfer-Poker: Frankfurt und BVB kämpfen um Jobe Bellingham

Der jüngere Bruder von Ex-BVB-Star Jude Bellingham stieg mit Sunderland nach dramatischem Spielverlauf in die höchste englische Spielklasse auf. Damit löste das Mittelfeldjuwel gewissermaßen ein Versprechen ein, den Traditionsverein nach Jahren in der Versenkung wieder nach oben zu führen. Bellingham selbst zeigte dabei eine eher diskrete Leistung, die aber das Interesse in Dortmund und Frankfurt nicht schmälert.

Die Eintracht hofierte den 19-Jährigen am Montag vor Ort, hatte Bellingham mit seinen Eltern zu Gast, um ihn von den Gegebenheiten in der Main-Metropole zu überzeugen. Der BVB hatte zuletzt eine prominente Delegation in den Nordosten Englands geschickt, am Sonntag soll nun Klubchef Hans-Joachim Watzke erneut vorstellig geworden sein.

Im Transferkrimi um Bellingham hat Frankfurt laut Medienberichten aktuell die besseren Aussichten auf den Zuschlag. Dabei könnte es darum gehen, dass der Jungstar nicht im Schatten seines Bruders Jude stehen will: In Dortmund, wo aktuell ein Räumungsverkauf im Fanshop neben dem Stadion läuft, würde es den ständigen Vergleich geben, bei der Eintracht könnte Jobe Bellingham seine ganz eigene Geschichte schreiben.

Um den Transfer von Jobe Bellingham streiten sich der BVB und Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt ist das neue Sprungbrett für Top-Talente

Es wäre aber zu kurz gegriffen und vielleicht sogar eine Art Abwehrmechanismus, wenn der BVB eine mögliche Transfer-Absage von Bellingham derartig einordnen würde. Denn mit Eintracht ist ein neuer Konkurrent erwachsen, der auch abseits der speziellen familiären Konstellation in diesem Fall gute Argumente auf seiner Seite hat.

Eine kluge Transferstrategie, die überaus erfolgreiche Entwicklung von Talenten und die finanzielle Stärke durch gewinnbringende Verkäufe haben Frankfurt zu einer attraktiven Alternative für junge Spieler gemacht. DAZN-Experte Sebastian Kneißl bezeichnete im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, die Eintracht sogar als „das beste Sprungbrett in Europa“.

Diesen Status hatte einst der BVB inne. Ousmane Dembélé, Erling Haaland oder eben der ältere Bellingham-Bruder haben den Schritt nach Dortmund gewagt, sich zu Superstars entwickelt, und sind für viel Geld weitergezogen. Inzwischen kann die Eintracht dagegenhalten, sei es mit Omar Marmoush und Willian Pacho in dieser Saison, Randal Kolo Muani in der Vergangenheit oder künftig mit einer Wahrscheinlichkeit bei Hugo Ekitiké und Hugo Larsson.

Frankfurts Kassen sind prall gefüllt

Bei Larsson hat der BVB schonmal eine Transferschlappe gegen die SGE kassiert. Der Schwede könnte nun im Mittelfeld der Hessen bei einem Abschied Platz für Bellingham machen, die Verantwortlichen hätten aber auch nichts dagegen, wenn in der kommenden Champions-League-Saison beide als Dynamo im Mittelfeld zur Verfügung stehen.

Finanzielle Zwänge bestehen bei der Eintracht in Bezug auf diese Personalie nicht: Die Kassen sind noch prall gefüllt, weil Marmoush im Winter teuer an Manchester City verkauft wurde. Zudem stehen bei Ekitiké neue Einnahmen im neunstelligen Bereich im Raum.

Das Portal Transfermarkt bewertet den Stürmer übrigens aktuell mit 55 Millionen Euro Marktwert – der wertvollste BVB-Profi ist Jamie Gittens mit 50 Millionen Euro. Über Sinn und Unsinn dieser Angaben lässt sich streiten, ein Fingerzeig sind sie dennoch.

Frankfurts Hugo Ekitiké hat einen höheren Marktwert als jeder BVB-Profi.

30-Punkte-Turnaround: Markus Krösche macht Frankfurt zum BVB-Konkurrenten

Dass sich Frankfurt unter Federführung von Sportchef Markus Krösche immer mehr zum echten BVB-Rivalen entwickelt hat, lässt sich jedenfalls kaum noch von der Hand weisen. Dabei muss der Blick auch nicht nur auf den gewissermaßen abstrakten Transfermarkt gehen.

Auch sportlich ist die Entwicklung vielsagend. In der abgelaufenen Saison landete Frankfurt erstmals seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga im Jahr 2012 in der Abschlusstabelle vor Dortmund. In der Amtszeit von Krösche bei der SGE (seit Sommer 2021) hat sich der Vorsprung des BVB regelrecht pulverisiert.

In der ersten Krösche-Saison holte Dortmund 27 Punkte mehr als die Eintracht, anschließend waren es 21 und 16 Zähler Unterschied – jetzt holte Frankfurt drei Punkte mehr als Dortmund. Unter Krösche ist also gewissermaßen ein 30-Punkte-Turnaround gelungen.

In dieses Bild würde auch passen, wenn der SGE nun der Bellingham-Transfer gelingen sollte, obwohl sich der BVB unter Sportchef Lars Ricken explizit wieder auf seine einstige Vorreiterrolle bei den Top-Talenten besinnen will. Im Umkehrschluss wäre der Angriff der Hessen seitens Dortmund nicht abgewehrt, sollte Bellingham sich dafür entscheiden, in die Fußstapfen seines Bruders zu treten.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Joe Toth/Shutterstock

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