Trennung nach nur einem Jahr

Falscher Mann zur falschen Zeit: Warum Palhinha bei Bayern scheiterte

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João Palhinha verabschiedet sich gen Tottenham. Warum der 51-Millionen-Transfer beim FC Bayern scheiterte und die Trennung nur folgerichtig ist.

München – Es sollte einer der glücklichsten Tage seines Lebens werden. Doch was am 1. September 2023 an der Säbener Straße begann, endet nun als eines der teuersten Missverständnisse in der jüngeren Bayern-Geschichte. João Palhinha, einst als Wunschspieler gefeiert, verlässt München nach nur einer Saison wieder – und hinterlässt einen Scherbenhaufen aus zerplatzten Träumen und Millionenverlusten.

Nach nur einem Jahr beim FC Bayern zieht es João Palhinha zurück in die Premier League.

Der Portugiese wechselt übereinstimmenden Medienberichten zufolge auf Leihbasis zu Tottenham Hotspur. Die Spurs sichern sich eine Kaufoption von rund 30 Millionen Euro – deutlich weniger als die 51 Millionen, die Bayern einst für den defensiven Mittelfeldspieler an Fulham überwies. „Mitspieler sagen: Das reicht nicht für den FC Bayern“, verriet Bild-Fußballchef Christian Falk im Podcast Bayern Insider und bringt damit das Dilemma auf den Punkt.

Das Scheitern von João Palhinha beim FC Bayern begann schon 2023

Um Palhinhas Scheitern zu verstehen, muss man zurückblicken zum Deadline Day 2023. Damals stand der Portugiese bereits an der Säbener Straße, hatte den Medizincheck absolviert – doch der Transfer platzte in letzter Sekunde, weil Fulham keinen adäquaten Ersatz fand. Ein Jahr später holte Bayern ihn schließlich doch. „Wenn man so lange an einem Transfer arbeitet, kann man von einem Wunschtransfer sprechen“, erklärte Sportvorstand Max Eberl. Doch es war eben der Wunschtransfer des falschen Trainers.

Wie die tz im Frühjahr 2025 berichtete, werde an der Säbener Straße „hinter vorgehaltener Hand“ davon gesprochen, dass Palhinha „nur geholt wurde, weil es ihm beim gescheiterten Versuch eines Kaufs unter Tuchel im Jahr zuvor versprochen worden war.“ Diese Loyalität wurde Bayern zum Verhängnis. Denn Palhinha war Wunschspieler von Ex-Trainer Thomas Tuchel, nicht der von Nachfolger Vincent Kompany.

Der neue Trainer suchte keine „Holding Six“, sondern Spieler für seinen ballbesitzorientierten Fußball. Von Beginn an setzte Kompany im zentralen Mittelfeld auf Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović. Palhinha, der robuste Zweikämpfer, passte schlicht nicht in das ballbesitzorientierte System des Belgiers. In 25 Pflichtspielen sammelte er lediglich 986 Minuten, in 31 weiteren Partien kam er gar nicht zum Einsatz – Zahlen, die das ganze Drama verdeutlichen.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Manuel Neuer ist schon mehrfach auf Krücken gelaufen. Der Kapitän des FC Bayern erlitt jüngst eine kuriose Verletzung – und ist damit im Profifußball nicht alleine ... © IMAGO / Revierfoto
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Nathan Ngoumou wurde nach dem Schlusspfiff des Auswärtsspiels von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli zum Auslaufen geschickt. Wenige Minuten später musste der Flügelspieler mit einer gerissenen Achillessehne in die Kabine getragen werden. © IMAGO/kolbert-press/Burghard Schreyer
Manuel Neuer wurde im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Leverkusen ausgewechselt
Für Manuel Neuer hatte das Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 bittere Konsequenzen. Der Torhüter des FC Bayern erlitt beim Torjubel einen Muskelfaserriss. © IMAGO/Philippe Ruiz
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Auf dem Platz konnte man Xabi Alonso wenig anhaben, dafür war die Dusche sein größter Feind. In der Vorbereitung auf das WM-Halbfinale 2010 erlitt Alonso eine tiefe Wunde im Knie, weil die Glasscheibe der Dusche plötzlich brach. Der Cut wurde in der Mannschaftskabine zugenäht, der Mittelfeldspieler stand gegen Deutschland daher auf dem Rasen. © IMAGO / Fotoarena
Charles Akonnor spielte von 1998 bis 2004 für den VfL Wolfsburg
Im Jahr 2001 rammte sich Charles Akonnor, damals für den VfL Wolfsburg tätig, versehentlich seine Auto-Antenne in die Nase. Weil das blutstillende Mittel auf der Dopingliste stand, wurde er für drei Spiele gesperrt.  © IMAGO / Contrast
Kevin Trapp spielt bis heute für Eintracht Frankfurt, war von 2015 bis 2018 aber für Paris St. Germain aktiv
Kevin Trapp galt noch als Talent, da hatte er 2013 beim Werbedreh der deutschen U21-Nationalmannschaft großes Pech. Trapp war ausgerutscht, weil er laut dem damaligen Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Stollenschuhen auf einem glatten Steinboden unterwegs war. Später einigten sich die SGE und der DFB auf eine Entschädigungszahlung. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Santiago Cañizares vom FC Valencia diskutiert mit einem Verantwortlichen
Santiago Cañizares wollte sich im Mai 2002 für ein Abendessen mit der spanischen Nationalmannschaft frisch machen, als ihm das Parfüm im Badezimmer auf den Boden fiel und eine Sehne durchtrennte. Damit war die WM in Japan und Südkorea für den Torhüter gelaufen – und ein gewisser Iker Casillas rückte zwischen die Pfosten. © IMAGO / Claus Bergmann
Darren Barnard in einem Spiel der walisischen Nationalmannschaft
Der ehemalige walisische Nationalspieler Darren Barnard musste aufgrund einer Knieverletzung für fünf Monate pausieren, weil er in der Küche in einer Urinpfütze eines Hundewelpens ausrutschte. © IMAGO / Colorsport
Martin Palermo spielte in seiner Karriere auch für die Boca Juniors
Martín Palermo verletzte sich ausgerechnet nach dem größten Erfolg eines Stürmers. Als der Argentinier in Diensten des FC Villarreal ein Tor bejubelte, stürzte die Werbebande ein. Palermo erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch. © IMAGO / Gribaudi / ImagePhoto
Logan Bailly spielte zweieinhalb Jahre für Borussia Mönchengladbach
Logan Bailly erlitt während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Mittelfußbruch. Schuld war eine mobile Klimaanlage, die beim Transport aus seinen Händen glitt und auf seinen Fuß fiel. © IMAGO / Ulmer
Adam Nemec spielte 2011 auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern
Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
Robbie Keane spielte in seiner Karriere unter anderem für Aston Villa
In der Sturmspitze war Robbie Keane treffsicher, doch auf dem heimischen Sofa stellte er sich mit seinem Fuß ungeschickter an. Als er mit diesem die TV-Fernbedienung bedienen wollte, zog sich der Ire einen Bänderriss im Knie zu. © IMAGO / Colorsport
Markus Pröll hütete bis 2010 das Tor von Eintracht Frankfurt
Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
Bjarne Thoelke spielte 2011 sechsmal für die Profis des VfL Wolfsburg
Als seine Karriere beim VfL Wolfsburg Fahrt aufnehmen sollte, spielte ein Pferd dem damaligen Abwehrtalent Bjarne Thoelke einen Streich. Der heutige Innenverteidiger des 1. FC Saarbrücken erlitt einen Kahnbeinbruch, weil ein Pferd auf dem Bauernhof seiner Eltern während der Stallarbeit austrat. © IMAGO / Joachim Sielski
Elkin Soto spielte viele Jahre lang für Mainz 05
Im März 2013 musste Mainz-Trainer Thomas Tuchel für ein Spiel auf Elkin Soto verzichten, weil sich der Mittelfeldspieler bei „einer alltäglichen Bewegung“ einen Hexenschuss zuzog. Die Auflösung: Der Kolumbianer erlitt die starken Schmerzen, als er sich bückte, um seine Schuhe zu binden. © IMAGO / Martin Hoffmann
Leon Andreasen hat 2016 seine Karriere bei Hannover 96 beendet
Dass Messer gefährlich sind, lernte Leon Andreasen auf bittere Weise. Der Ex-Profi von Hannover 96 verletzte sich im November 2015 beim Öffnen eines Pakets an der Hand. Die Schnittwunde hatte eine Operation zur Folge. © IMAGO / Eibner
Daniel Bierofka wird von den Spielern von 1860 München gefeiert
Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
Éver Banega spielt bis heute Fußball und ist für die Newell‘s Old Boys aktiv
Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
Als der 1. FC Kaiserslautern am 7. September 1991 gegen den FC Bayern spielte, fehlte Stefan Kuntz (l.) plötzlich. Der damalige Stürmer knickte beim Verlassen des Mannschaftsbusses um und erlitt einen dreifachen Bänderriss.  © IMAGO/ HORSTMUELLER GmbH
Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

Eine schwere Muskelverletzung im November 2024 im Dienst der portugiesischen Nationalmannschaft verschärfte seine Situation zusätzlich. Elf Pflichtspiele fiel er aus, kehrte erst Mitte Januar zurück in eine Mannschaft, die längst ohne ihn funktionierte. „Es war sicher keine einfache Saison für ihn, auch mit den Verletzungen. Er ist nicht richtig in einen Rhythmus gekommen“, räumte Sportdirektor Christoph Freund im April ein.

Zu dieser Zeit berichtete die Sport Bild, Palhinha sei ein „50-Millionen-Irrtum“ und passe nicht in Kompanys System. Es herrsche Einigkeit mit dem Trainer, ihn zu verkaufen. Das Dementi folgte prompt: „Er wird noch ganz oft zeigen, wie gut er ist“, konterte Kompany. Doch die Realität sprach eine andere Sprache.

Palhinha erkannte seine Lage und reagierte mit der Klasse eines Profis. „Wir müssen schauen und die beste Lösung finden“, sagte er Anfang Juni pragmatisch über seine Zukunft. Keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen, nur die nüchterne Erkenntnis, dass es zwischen ihm und dem FC Bayern offensichtlich nicht passt.

Bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft in den USA, der größten Bühne des Vereinsfußballs, kam Palhinha nur in einem Spiel zum Einsatz, insgesamt 45 Minuten. Kompanys ultimatives, nonverbales Urteil war gefällt. Der Trainer hatte entschieden, ohne dabei ein Wort zu verlieren.

João Palhinha wirkt in der Premier League besser aufgehoben

Dabei hatte Freund den 30-Jährigen noch im April gelobt: „Es ist für João das erste Jahr, in dem er in einem so großen Verein spielt. Trotzdem: Wenn man ihn sieht, wie er trainiert, wie er mit der Situation umgeht. Er ist ein richtiger Profi, er ist ein super Charakter. Ein top Junge.“ Worte, die zeigen: Das Problem lag nicht am Menschen Palhinha, sondern am System.

In der Premier League, wo körperliche Robustheit und Zweikampfstärke höher geschätzt werden als in Bayerns ballbesitzorientiertem Spiel, kann Palhinha seine wahren Qualitäten entfalten. Tottenham unter dem neuen Coach Thomas Frank sucht genau den Spielertypen, den Bayern nicht zu schätzen wusste: einen Abräumer im Mittelfeld.

Der Abschied ist ein Befreiungsschlag für alle Beteiligten. Palhinha erhält die Chance auf einen Neuanfang in einem System, das besser zu ihm passen dürfte. Bayern hat die Aussicht, sich von einem kostspieligen Missverständnis zu trennen und Platz für Spieler zu schaffen, die besser zur Kompany-Philosophie passen.

Der finanzielle Schaden bleibt: 51 Millionen Euro Investition stehen 30 Millionen mögliche Kaufoption gegenüber. Für Palhinha beginnt indes in London ein neues Kapitel – eines, das hoffentlich glücklicher verläuft als in München.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Beautiful Sports

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