VonMelanie Gottschalkschließen
Nach dem Abbruch des Spiels zwischen Belgien und Schweden möchte der belgische Verband das Spiel nicht zwingend fortsetzen.
Update vom Dienstag, 17. Oktober, 14.59 Uhr: Nach dem tödlichen Anschlag auf zwei Schweden in Brüssel legt der belgische Fußball-Verband keinen Wert darauf, das abgebrochene EM-Qualifikationsspiel noch zu beenden. „Wir werden von Schweden nicht fordern, das Spiel aufzugeben. Wir wollen nach den Ereignissen Respekt zeigen“, sagte Geschäftsführer Manu Leroy vom belgischen Verband der Zeitung Le Soir. Er halte es für die fairste Lösung, wenn das Spiel 1:1 gewertet würde, also mit dem Spielstand zum Zeitpunkt des Abbruchs in der Halbzeit.
„Ich werde den schwedischen Verband, den österreichischen Verband und die UEFA kontaktieren, um diese Richtung voranzutreiben“, so Leroy. Man werde am Topgesetzten-Status in Gruppe F nicht festhalten. „Irgendwann müssen Ethik und Moral die Oberhand gewinnen.“ Die Europäische Fußball-Union hat noch keine Entscheidung zur Spielwertung getroffen. Laut Reglement müsste das abgebrochene EM-Qualifikationsspiel noch fortgesetzt werden.
Nach Schüssen in Brüssel und Spielabbruch: Fans mussten bis 4 Uhr im Stadion ausharren
Update vom Dienstag, 17. Oktober, 12.51 Uhr: Nach dem tödlichen Schusswaffenangriff in Belgien haben die Fußballfans in Brüssel erst kurz vor Mitternacht das Stadion verlassen können. Die Partie gegen Schweden im Rahmen der EM-Qualifikation war aufgrund der Vorfälle in der Stadt in der Halbzeit abgebrochen worden. Die etwa 35.000 Fans im König-Baudouin-Stadion mussten rund zwei Stunden in der Arena ausharren, ehe die Evakuierung begann.
Zunächst wurden die belgischen Fans evakuiert, dann die Gäste-Anhänger, um Menschenansammlungen zu vermeiden. „Alle blieben sehr ruhig, die Fans fingen an zu singen“, berichtete ein Zuschauer. Laut Angaben des schwedischen Verbandes verließen um 4 Uhr die letzten Gäste-Anhänger das Stadion. Alle Hotels, in denen die schwedischen Fans untergebracht sind, stünden unter Polizeischutz.
Schüsse in Brüssel: Partie zwischen Belgien und Schweden abgebrochen
Erstmeldung vom Dienstag, 17. Oktober, 9.51 Uhr: Brüssel – In Brüssel ist es am Montagabend zu einem tödlichen Schusswaffengebrauch gekommen. Zwei schwedische Staatsangehörige verloren dabei ihr Leben, laut mehrerer übereinstimmender Medienberichte trugen sie Trikots der schwedischen Fußball-Nationalmannschaft. Diese gastierte an diesem Abend in der belgischen Hauptstadt im Rahmen der Qualifikation zur EM 2024 in Deutschland. Nach Bekanntwerden des Vorfalls wurde das Spiel zunächst angepfiffen, in der Pause verständigten sich die Teams beim Stand von 1:1 dann auf einen Abbruch.
| Fußball-Europameisterschaft 2024 | |
|---|---|
| Datum: | Fr., 14. Juni 2024 – So., 14. Juli 2024 |
| Austragungsland: | Deutschland |
| Teilnehmende Teams: | 24 |
EM-Qualifikation: Mannschaften einigen sich auf Spielabbruch
„Nach dem Verdacht eines Terroranschlags in Brüssel heute Abend wurde nach Rücksprache mit den beiden beteiligten Mannschaften und der örtlichen Polizeibehörde entschieden, die Partie der Qualifikation zur UEFA EURO 2024 zwischen Belgien und Schweden abzubrechen. Weitere Informationen werden zu einem gegebenen Zeitpunkt bekannt gegeben“, hieß es in einer Mitteilung der UEFA.
Beide Verbände reagierten bedrückt auf die Nachricht. „Unsere Gedanken sind bei allen Angehörigen der Betroffenen in Brüssel“, schrieb der schwedische Verband, Ähliches ließ der belgische Verband verlauten: „Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen.“
Bestürzung nach Schüssen in Belgien: Angriff auf den Fußball
Fredrik Reinfeldt, Präsident des schwedischen Fußballverbandes, nannte die tödlichen Schüsse einen Angriff auf den Fußball. Dem schwedischen Fernsehsender SVT sagte er: „Mit schwerem Herzen müssen wir feststellen, dass der Fußball, den wir lieben, in Brüssel von einem schweren Anschlag heimgesucht wurde“ – und fügte an: „Beide Mannschaften, die belgische und die schwedische, haben gemeinsam mit der UEFA die Entscheidung getroffen, das Spiel nicht zu Ende zu spielen. Was passiert ist, ist sehr ernst. Es ist schrecklich zu hören, dass zwei unserer Fans gestorben sind.“
Auch Schwedens Trainer Janne Andersson war fassungslos: „Ich werde so traurig. Es ist äußerst tragisch und ich denke an die Betroffenen und ihre Angehörigen. In was für einer Welt leben wir? In was für einer Welt leben wir, zum Teufel?“, sagte er.
Die etwa 35.000 Fans im König-Baudouin-Stadion mussten nach dem Abbruch der Partie rund zwei Stunden in der Arena ausharren und konnten erst kurz vor Mitternacht das Stadion verlassen. Beamte sorgten für zusätzlichen Schutz der schwedischen Staatsangehörigen und begleiteten die schwedischen Nationalspieler direkt zum Flughafen, damit sie sicher abreisen konnten. Dies erklärte der Geschäftsführer des belgischen Fußballverbands gegenüber dem belgischen Sender RTBF.
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Wie geht es aus sportlicher Sicht nach Spielabbruch weiter?
Doch wie geht es aus sportlicher Sicht nun weiter? Zur Halbzeitpause stand es 1:1 zwischen Belgien und Schweden, es ist noch nicht klar, ob und wenn ja, wann das Spiel fortgesetzt oder gar wiederholt wird. Belgien hat sich bereits als Tabellenführer der Gruppe F für die EM 2024 in Deutschland qualifiziert, ebenso die zweitplatzierten Österreicher. Schweden kann die vorderen beiden Plätze nicht mehr erreichen. Damit ist die direkte Qualifikation nicht mehr zu schaffen.
Des Weiteren werden drei Startplätze über die Nations League vergeben, die Playoff-Spiele finden im März 2024 statt. Doch auch hier sieht es schlecht aus für Schweden: Aktuell sind sie in der Gruppe B4 auf dem letzten Tabellenplatz. Eine Qualifikation für das Turnier im kommenden Jahr in Deutschland dürfte also schwer werden. Deutschland ist als Gastgeber bereits für die EM 2024 qualifiziert und bestreitet ein kurzes Trainingslager in den USA mit dem neuen Bundestrainer Julian Nagelsmann. Das erste Testspiel unter seiner Leitung gegen die USA konnte das DFB-Team gewinnen. Der DFB hofft, mit dem neuen Trainer auch die Euphorie im Land neu entfachen zu können. (msb/dpa)
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