FC Bayern jagt Chelsea-Star Nkunku: Schnäppchen oder Risiko-Transfer?
VonAdrian Kühnel
schließen
Der FC Bayern plant, Christopher Nkunku von Chelsea zu verpflichten. Jedoch stecken im vermeintlichen Schnäppchen-Deal Risiken für den Rekordmeister.
München – Die Uhren ticken im Transfergeschäft des FC Bayern. Noch bis zum 1. September haben die Münchener Zeit, ihre Offensive für die neue Saison zu komplettieren. Dabei rückt ein Name immer stärker in den Fokus: Christopher Nkunku vom FC Chelsea.
Der französische Offensivallrounder, einst für 60 Millionen Euro von RB Leipzig nach London gewechselt, steht nun für kolportierte 35 bis 40 Millionen Euro zum Verkauf. Ein Preisverfall von fast 50 Prozent binnen zwei Jahren – das weckt Begehrlichkeiten an der Säbener Straße, wirft aber gleichzeitig fundamentale Fragen auf.
FC Bayern arbeitet an Transfer: Kommt Christopher Nkunku?
Sportdirektor Christoph Freund machte das Dilemma der Münchener unlängst deutlich: „Natürlich sind wir von der Quantität her nicht so groß aufgestellt.“ Der Österreicher betonte zwar, ohne konkrete Namen zu nennen: „Wir sind ziemlich klar, was wir wollen und wo wir hinwollen.“ Doch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.
Mit den Abgängen von Leroy Sané, Thomas Müller und Kingsley Coman hat Bayern eine immense Menge an Toren, Vorlagen und Erfahrung verloren. Verschärft wird die Situation durch Jamal Musialas langfristige Verletzung, die eine Vakanz auf der Schlüsselposition hinter Harry Kane hinterlässt. Hier könnte Nkunku als flexible Lösung fungieren.
Raumdeuter für die Ewigkeit: Die Trophäen von Thomas Müller
Nkunkus sportliches Profil ist auf dem Papier beeindruckend. In 172 Pflichtspielen für RB Leipzig erzielte er 70 Tore und lieferte 56 Vorlagen. Seine Ausnahmesaison 2021/22 mit 35 Toren in allen Wettbewerben und der Auszeichnung als Bundesliga-Spieler der Saison machte ihn zu einem der begehrtesten Offensivspieler Europas.
Seine außergewöhnliche Vielseitigkeit ist ein Vorteil, denn Nkunku kann als hängende Spitze, offensiver Mittelfeldspieler, Linksaußen oder sogar als zentraler Stürmer agieren. Diese Flexibilität würde Trainer Vincent Kompany mehrere strategische Optionen eröffnen.
Doch hinter der verlockenden Fassade verbirgt sich eine besorgniserregende Realität. Nkunkus Verletzungshistorie liest sich wie ein medizinisches Lehrbuch des Scheiterns. Seit Ende 2022 häufen sich schwere Blessuren in alarmierender Frequenz.
Nkunkus Verletzungshistorie birgt ein Risiko für den FC Bayern
Der Wendepunkt war der Außenbandriss im Knie im November 2022, der ihn die Teilnahme an der Weltmeisterschaft kostete. Nach seinem Chelsea-Wechsel folgte noch vor dem Pflichtspieldebüt eine verheerende Knieverletzung mit Operation, die ihn über vier Monate lahmlegte. Wegen Hüft- und Oberschenkelverletzungen verpasste er kurz darauf weitere 19 Pflichtspiele. Und in der zurückliegenden Saison fehlte er aufgrund einer Blessur ebenfalls fünf Pflichtspiele.
Die Verletzungshistorie zeichnet das Bild eines physisch angeschlagenen Athleten. Die Zahlen in Diensten der Londoner sind ernüchternd: Bei Chelsea erzielte Nkunku in 62 Einsätzen nur 18 Tore, in der Premier League sogar nur sechs Treffer in 38 Partien. Bei Leipzig war er noch circa alle 78 Minuten an einem Tor beteiligt, bei Chelsea zuletzt nur alle 155 Minuten.
Trotzdem wäre es zu leicht, dies nur auf Nkunkus physische Defizite zu reduzieren. Vielmehr war es eine Verkettung unglücklicher Umstände: Zu den Verletzungen kam der Trainerwechsel – Enzo Maresca folgte auf Mauricio Pochettino – hinzu und damit verbunden unterschiedliche Anforderungen. Nkunku war praktisch nicht fit genug, um sein Spiel kontinuierlich durchzusetzen, und das System nicht stabil genug, um einen Spieler zu integrieren, der nicht bei 100 Prozent seiner Leistungsfähigkeit agieren konnte.
Für den FC Chelsea stellt Nkunkus Verkauf ohnehin weniger eine sportliche Entscheidung als vielmehr eine finanzielle Notwendigkeit dar. Der Klub steht unter enormem Druck durch die UEFA-Finanzregularien und wurde bereits mit elf Millionen Euro Strafe belegt. Nkunku belastet die Bilanz jährlich mit rund 22 Millionen Euro aus Gehalt und Amortisation seiner Ablösesumme.
Aus dieser Zwangslage resultiert für den FC Bayern eine Chance. Chelseas ursprüngliche Forderung von über 70 Millionen Euro, die im vergangenen Winter im Raum standen, scheint bereits auf unter 40 Millionen Euro gefallen zu sein. Für Bayern wäre Nkunku trotzdem eine Wette: Entweder kauft man einen Spieler mit Weltklasse-Potenzial zu einem Schnäppchenpreis, oder aber einen verletzungsanfälligen Profi, der die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann.
Nkunkus medizinische Akte macht den Transfer jedenfalls zu einem Glücksspiel. Ob Bayern dieses Wagnis eingeht, hängt von der Risikobereitschaft der Vereinsführung ab. Mit dem Deadline Day am 1. September tickt die Uhr. Die Entscheidung wird zeigen, ob die Münchener bereit sind, das Risiko einzugehen. Es ist ein Dilemma, denn viele adäquate Optionen scheint der Transfermarkt inzwischen nicht mehr herzugeben.
Doch der FC Bayern muss vor dem Ablauf der Transferperiode noch nachrüsten. Zumal sogar schon Harry Kane Alarm schlägt: „Es ist vermutlich einer der kleinsten Kader, in dem ich je gespielt habe.“ Ob Nkunku die erhoffte Verstärkung darstellt? Man darf gespannt sein!