VonAntonio José Rietherschließen
Für FC-Bayern-Verteidigerin Giulia Gwinn platzte der Traum von der WM-Teilnahme. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg begründete die Entscheidung.
München - Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer rechnet sich das deutsche Frauen-Nationalteam gute Chancen aus. Die Vize-Europameisterinnen wollen beim Turnier in Australien und Neuseeland um den Titel spielen, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gab am Mittwochmittag bereits den 28-köpfigen erweiterten Kader bekannt. Eines der bekanntesten Gesichter der DFB-Frauen ist jedoch nicht dabei: für Giulia Gwinn vom FC Bayern reichte es nicht für eine Nominierung.
| Giulia Gwinn | |
| Geboren: | 2. Juli 1999 in Ailingen |
| Aktuelles Team: | FC Bayern München |
| Position: | Rechtsverteidigerin, Mittelfeld |
| Länderspiele: | 33 (3 Tore) |
FC-Bayern-Verteidigerin Giulia Gwinn verpasst WM nach zweitem Kreuzbandriss
Die 23 Jahre alte Rechtsverteidigerin hat eine lange Leidenszeit hinter sich, Anfang Oktober zog sie sich bei einer Trainingseinheit beim Nationalteam einen Kreuzbandriss zu, im September 2020 hatte sie bereits die gleiche Verletzung erlitten. Dennoch kämpfte sich Gwinn in den Kader für die Europameisterschaft 2021 und stand in allen Partien in der Startelf, mit 1:2 verlor Deutschland das Endspiel gegen die englischen Gastgeberinnen.
Für einen Kaderplatz bei der Weltmeisterschaft, die am 20. Juli startet, reicht es diesmal aber nicht, auch wenn Gwinn schon wieder unter hoher Belastung trainierte und teilweise ins Mannschaftstraining zurückgekehrt war. Zu einem Comeback beim FC Bayern kam es nicht. Das letzte Pflichtspiel bestritt sie am 2. Oktober, als die Bayern mit 4:0 in Duisburg gewannen. Kurz darauf verletzte sie sich folgenschwer.
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Bundestrainerin Voss-Tecklenburg erläutert Verzicht auf Gwinn im WM-Kader
Aufgrund der fehlenden Spielpraxis muss Gwinn ihre Mannschaft nun aus der Heimat am Fernseher unterstützen – sollte die Angelegenheit mit den TV-Rechten für die Frauen-WM geklärt werden. Nach zwei angesetzten Testspielen gegen Vietnam und Sambia geht es Mitte Juli nach Australien, der deutsche WM-Auftakt findet am 24. Juli in Melbourne statt. Erster Gegner ist der Afrika-Cup-Finalist Marokko.
Wie bei Teamkollegin Linda Dallmann, die aufgrund eines Syndesmosebandrisses nicht mitfährt, wurde auch die Nicht-Berücksichtigung von Gwinn „in sehr intensiver Absprache“ mit dem FC Bayern getroffen, wie Voss-Tecklenburg bei der PK am Mittwoch meinte. „Giuli kommt aus einer zweiten Kreuzbandverletzung, sie ist 23 Jahre jung. Es ist eine sehr, sehr schwere Verletzung im Fußball. Sie ist im Rehaverlauf noch etwas vor dem Zeitplan, hat aber noch kein komplettes Mannschaftstraining machen können“, erklärte die Bundestrainerin.
Giulia Gwinn: Martina Voss-Tecklenburg musste eine harte Entscheidung treffen
„Sie hat zum Teil auch muskulär reagiert auf Dinge, es gibt nicht das klare Bild. Am Ende war das die schwierigste Entscheidung, zu sagen, was dafür und dagegen spricht, Giuli mitzunehmen. Am Ende spricht die Zukunftsperspektive und die Vernunft dagegen“, meinte Voss-Tecklenburg. Die 55-Jährige hofft, mit Gwinn „viele Turniere in den nächsten Jahren spielen zu können“ und sprach von einer „Entscheidung, die man nicht so einfach trifft“.
Mit diesen 2️⃣8️⃣ Spielerinnen starten wir in die Vorbereitung zur WM in Australien und Neuseeland 🔥
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Statt Gwinn wird aller Voraussicht nach Sophia Kleinherne von Eintracht Frankfurt die rechte Abwehrseite beackern, schon in den letzten Länderspielen durfte sie sich beweisen. Auch Außenverteidigerin Sarai Linder aus Hoffenheim, die bisher erst ein Länderspiel absolvierte, ist eine Option für die Gwinn-Position und steht im vorläufigen Aufgebot. „Zuletzt hat sie in der Liga gute Leistungen gebracht, sie kann diese defensive Spielweise und Körperlichkeit reinbringen“, meinte Voss-Tecklenburg über die Newcomerin. Die Lücke, die die Gwinn hinterlässt, ist trotzdem groß. (ajr)
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