Transfer-Drama in München

FC Bayern und Uli Hoeneß zeigen sich offenbar von Vater Wirtz enttäuscht

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Florian Wirtz’ Absage schockt den FC Bayern. Bei der Ursachenforschung wird nun offenbar der Vater des Ausnahmespielers kritisch gesehen.

München – Es soll ein Anruf am vergangenen Freitag (23. Mai) gewesen sein, der die sommerlichen Transfer-Pläne des FC Bayern wie ein Kartenhaus zusammenfallen ließ.

Am anderen Ende der Leitung: Hans-Joachim Wirtz, der Vater von Florian Wirtz. Seine Worte waren klar und unmissverständlich. Sein Sohn, das Juwel des deutschen Fußballs, wird nicht in die bayerische Landeshauptstadt wechseln, sondern seine Zukunft beim FC Liverpool sehen. Für Uli Hoeneß und die Bayern-Bosse war dies ein Schock, den sie so nicht erwartet hatten.

Vater von Florian Wirtz war zentrale Figur im Transfer-Poker mit dem FC Bayern

Hans Wirtz, der Vater und Berater des 22-jährigen Zauberfußes, spielte bekanntlich eine zentrale Rolle im Transferpoker. Beim deutschen Rekordmeister, insbesondere bei Ehrenpräsident Uli Hoeneß, wähnten sich zwischenzeitlich einem Transfer-Zuschlag ganz nahe. Der große Plan aus Sicht der Münchner: Florian Wirtz und Jamal Musiala sollten eine neue Ära beim FC Bayern prägen.

Laut eines Berichts von Sport 1 soll selbst Adidas bereit gewesen sein, die Finanzierung zu unterstützen, und Trainer Vincent Kompany erwog sogar eine Systemumstellung, um Wirtz optimal einzubinden. Alles war vorbereitet, alles war geplant. Doch dann kam die Absage, und mit ihr die Ernüchterung.

Bayern gegen Bayer – der neue Hass-Gipfel

 FC Bayern München feiert zum Saisonabschluss auf dem Münchener Marienplatz
Die Saison 1999/2000 hat sich sicherlich in das Gedächtnis der Leverkusener Fans eingeprägt. Damals verspielte Bayer die Meisterschaft am letzten Spieltag gegen Aufsteiger SpVgg Unterhaching (0:2), sodass die Münchener im Klassement doch noch vorbeiziehen konnten. © IMAGO/Ulmer
Christoph Daum und Roland Koch
Fassungslos beim Auswärtsspiel gegen Unterhaching am 20. Mai 2000: Bayer-Cheftrainer Christoph Daum (links) und Co-Trainer Roland Koch. Der Tag gilt als der Inbegriff für den lange gebräuchlichen Begriff „Vizekusen“. © IMAGO / Contrast
Stefan Beinlich (li.) tröstet Michael Ballack nach dessen Eigentor, im Hintergrund Torwart Matysek
Stefan Beinlich (links) tröstet den untröstlichen Michael Ballack nach dessen Eigentor für Bayer am letzten Spieltag gegen Unterhaching und der verspielten Bundesliga-Meisterschaft. © IMAGO/WEREK
Michael Ballack im Bayern-Trikokt
Von wegen Michael Ballack: Der gebürtige Görlitzer spielte erstmals von 1999 bis 2002 bei der Leverkusener Werkself (79 Spiele, 27 Tore), hier feierte er seinen großen Durchbruch, konnte mit dem Team aber lediglich zwei Vize-Meisterschaften gewinnen. Auch im Champions-League-Finale 2002 und im DFB-Pokal-Finale 2002 patzte Bayer. Anschließend wechselte Ballack zum Rivalen nach München (107 Spiele, 44 Tore) und gewann binnen vier Spielzeiten satte drei „Double“ mit dem Rekordmeister. Nach Leverkusen kehrte er nach seinem Aufenthalt in Chelsea 2010 zurück und blieb dort zwei Jahre. © IMAGO/Contrast
Uli Hoeneß und Rudi Völler
Zwei Männer, die symptomatisch als Lautsprecher für ihren Verein stehen: Uli Hoeneß (links), damaliger Bayern-Manager, und Leverkusens früherer Sportdirektor Rudi Völler im TV-Interview am Rande des DFB-Pokal-Viertelfinalspiels (2008/09) zwischen Bayer 04 und dem FC Bayern. Die Werkself gewann das Duell damals spektakulär mit 4:2, scheiterte am Ende im Finale aber gegen Bremen und wurde einmal mehr „nur“ Zweiter. © IMAGO/Ulmer
Manuel Neuer pariert Elfmeter
Auch er gehört zu den Protagonisten der jüngeren Geschichte des „Hass-Gipfels“ zwischen München und Leverkusen: Bayern-Keeper Manuel Neuer, der nicht selten die Träume der Werkself mit starken Leistungen zunichtemachte. So auch im März 2015, als er seinen Farben im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayer den Halbfinaleinzug im Elfmeterschießen sicherte. © IMAGO/Team 2
Lewandowski-Torjubel nach Tor gegen Leverkusen
Fakt ist: Spiele zwischen Bayern und Bayer leben nicht selten von einer besonderen Dramaturgie. So auch beispielsweise am 19. Dezember 2020, als Münchens Top-Goalgetter Robert Lewandowski den deutschen Rekordmeister auswärts zum 2:1-Sieg schoss – in der dritten Minute der Nachspielzeit. © IMAGO/Kirchner-Media
Jubel Jeremie FRIMPONG (LEV) nach seinem Tor zum 3:0.
In 45 Bundesliga-Jahren landete die Werkself in der Abschlusstabelle nur vier Mal vor dem FC Bayern. Letztmalig glückte ihr das in der Saison 2023/24, beim Gewinn der deutschen Meisterschaft. Das Rückspiel gegen die Münchener, nach einem 2:2-Remis im Hinspiel, gewann Bayer mit 3:0. Den finalen Treffer bejubelt Torschütze Jeremie Frimpong (Mitte) in dieser Szene. © IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon
Xabi Alonso
Nach der Leverkusener Erfolgssaison 2023/24 stand vor allem er im Fokus: Xabi Alonso. Auch der FC Bayern soll mehr als heiß auf den Bayer-Cheftrainer gewesen sein. Der ließ jedoch jegliche Anwerbeversuche abblitzen und blieb Leverkusen treu. © IMAGO/Hesham Elsherif
Jonathan Tah
Ein weiteres jüngeres Kapitel, das den „Hass-Gipfel“ mit Emotionen und Gesprächsstoff anreicherte: die anvisierte Verpflichtung von Nationalspieler Jonathan Tah durch den FC Bayern. Die Transferverhandlungen schienen schon recht weit fortgeschritten zu sein, Tah wollte angeblich weg von Leverkusen, letztendlich zeigten sich die Bayer-Verantwortlichen mit dem Gebot des Rekordmeisters nicht einverstanden und der Wechsel platzte. Nun will Tah Leverkusen spätestens im Sommer verlassen. Ob zu den Bayern oder zu einem anderen Verein? Man wird es sehen. © IMAGO/Kolvenbach
Carro und Eberl
Leverkusen-Boss Fernando Carro und Bayern-Sportvorstand Max Eberl gerieten nach dem Bayer-Titel im Jahr 2024 aneinander. Oder besser gesagt: Der Bayer-Verantwortliche teilte gen München aus. Bei einer internen Fan-Veranstaltung in Leverkusen bekundete er: „Ich halte von Max Eberl nichts, absolut nichts. Ich würde nicht mit ihm verhandeln.“ Blöd nur: intern blieb diese Aussage natürlich nicht, sondern sorgte beim Rekordmeister für Kopfschütteln. Später kam allerdings auch raus: Die Beziehung beider „Macher“ ist offenbar vorbelastet, was mit dem einstigen Wechsel von Starspieler Florian Wirtz von der Jugend des 1. FC Köln zu Bayer zusammenhängt, wie etwa die Bild berichtete. Eberl, damals in Mönchengladbach tätig, äußerte sich kritisch über den Wechsel, da es eine informelle Vereinbarung zwischen einigen West-Vereinen gab, keine Jugendspieler abzuwerben. Carro hingegen sah Eberls Kommentare als problematisch an, besonders weil Gladbach und auch Bayern Interesse an Wirtz gezeigt hatten. © IMAGO/Julian Meusel / SVEN SIMON
Florian Wirtz
Von wegen Florian Wirtz: Der deutsche Nationalspieler gilt spätestens nach Bayers Erfolgssaison als höchst begehrt. Zu den Interessenten, na klar, sollen auch die Münchener zählen. B04-Boss Fernando Carro will aber freilich nichts verschenken und fordert rund 150 Millionen Euro Ablöse. Einfach will es die Werkself dem Rekordmeister nicht machen, ihren Leistungsträger loszueisen. © IMAGO/pepphoto / Sascha Weiz

Wirtz-Familie soll bestimmte Signale in Richtung des FC Bayern gesendet haben

Bei der Suche nach Gründen und Erklärungen für die bittere Absage seitens der Wirtz-Familie rückt vor allem Vater Hans in den Fokus. Dem Bericht von Sport 1 zufolge soll er in Richtung der Bayern-Bosse Signale gesendet haben, die an der Säbener Straße mehr oder weniger als Zusage interpretiert wurden. Besonders Uli Hoeneß hatte auf das gute Verhältnis zu Hans Wirtz gesetzt. 

Umso überraschender kam daher das entscheidende Telefonat vor wenigen Tagen, in dem Hans Wirtz den Münchnern mitteilte, dass sein Sohn eine neue Herausforderung im Ausland sucht und zum FC Liverpool wechseln möchte. Beim FC Bayern war man offenbar im Glauben gewesen, Florian Wirtz wolle diesen Schritt erst später in seiner Karriere wagen. Dabei soll Liverpool laut Sport 1 bereits seit Februar in den Transfer-Poker um Wirtz involviert gewesen sein.

Die Absage von Florian Wirtz trifft den FC Bayern hart, insbesondere Uli Hoeneß, der einen guten Draht zu Vater Hans gepflegt haben soll.

FC Bayern muss sich nach Wirtz-Schlappe anderweitig orientieren – ist ein Portugiese im Anflug?

Rekord-Nationalspiele Lothar Matthäus bezeichnete die Wirtz-Absage als schwere Schlappe für die Bayern und insbesondere für Uli Hoeneß. „Für den FC Bayern ist das eine Niederlage, für Uli Hoeneß persönlich in jüngerer Vergangenheit sicher die schmerzhafteste auf dem Transfermarkt“, erklärte Matthäus gegenüber der Bild.

Nun, da der Transfer von Wirtz geplatzt ist, stehen die Bayern vor der Herausforderung, ihre Mannschaft anderweitig zu verstärken. Die Suche nach neuen Spielern hat bereits begonnen. Im Fokus sollen Außenstürmer wie Kaoru Mitoma von Brighton und Eberechi Eze von Crystal Palace stehen – auch Rafael Leão von AC Mailand wird mit den Münchnern in Verbindung gebracht. (kus)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Eibner / Sven Simon

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