Pleite in Gladbach

Die Nerven liegen blank: Nagelsmann-Ausraster bringt Bayern vor Topspiel noch mehr in Bedrängnis

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Dass die Bayern-Stars in Gladbach eine Niederlage einstecken mussten, war eigentlich schon schlimm genug. Doch Nagelmanns Ausraster wegen der roten Karte gegen Upamecano machte am Ende alles noch schlimmer.

Mönchengladbach - Julian Nagelsmann bekam doppelten Begleitschutz, als er wutentbrannt mit den Worten „Das ist doch ein Witz, will der mich verarschen oder was?“ in die Schiedsrichter-Kabine stapfte:

Hasan Salihamidzic und ein Security-Mitarbeiter folgten ihm in den Katakomben des Borussia-Parks. Hinter der Türe gab es - ohne Security - nach dem umstrittenen Platzverweis gegen Dayot Upamecano (24) in der achten Minute viel zu diskutieren. Aus Sicht des FC Bayern war klar: Die Entscheidung des Unparteiischen Tobias Welz nach Videobeweis war verantwortlich für das bittere 2:3 (1:1).

FC Bayern: Was spielte sich in der Kabine der Unparteiischen wirklich ab?

Es gibt unterschiedliche Schilderungen, was sich in der Kabine der Unparteiischen abspielte. Nagelsmann hatte sich eine Art Entschuldigung erhofft, wie er am Sky-Mikrofon erzählte: „Das kann man alles entscheiden, aber ich würde mir wünschen, dass er nach dem Spiel sagt: Okay, das war eine knifflige Entscheidung. Aber da kam nix!“

Salihamidzic hätte sich einen zusätzlichen Blick auf den Monitor gewünscht: „Wenn er sich das anschaut, sieht er selbst, dass er falsch liegt und kann es zurücknehmen. Und selbst wenn er es nicht zurücknimmt, fühlt er sich in seiner Entscheidung bestätigt.“

Nagelsmann kassierte bereits während des Spiels die Gelbe Karte.

FC Bayern: Welz schilderte Szenerie als Diskussion „unter Männern auf Augenhöhe“

Welz selbst schilderte die Szenerie am Sonntag im Doppelpass wie folgt: Die Diskussion habe „unter Männern auf Augenhöhe stattgefunden“. Sie sei zwar „von einer Seite emotional“ geführt worden, „aber da wurden keine Beleidigungen ausgesprochen. Da war alles in Ordnung“. Kein Wunder: Die wüste Beschimpfung von Nagelsmann gab‘s erst, als dieser kopfschüttelnd wieder vor die Reporter trat: „Mein Gott, mein Gott! Ein weichgespültes Pack!“

Keine zwei Stunden später entschuldigte er sich dafür: „Da bin ich leider eindeutig zu weit gegangen.“ Der DFB-Kontrollausschuss hat trotzdem Ermittlungen gegen ihn aufgenommen. Nach Vorliegen und Auswerten seiner Stellungnahme wird das Gremium über den weiteren Fortgang entscheiden. Nagelsmann droht eine saftige Geldstrafe oder im schlimmsten Fall eine Sperre.

Nagelsmann: „Da bin ich leider eindeutig zu weit gegangen“

Bereits auf der Pressekonferenz versuchte der Übeltäter zu beschwichtigen. Man solle bitte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, „es gibt Emotionen in diesem Sport und davon lebt er auch. Es ist nicht alles richtig, was ich sage. Also von dem her nicht 18 Nachfragen und nicht auf jedes Titelblatt, bitte.“

Ein unerfüllter Wunsch. „Wenn er nicht will, dass seine Worte auf die Goldwaage gelegt werden, dann muss er in die dritte oder vierte Liga gehen. Da interessiert es keinen, was er erzählt“, spottete Sky-Experte Dietmar Hamann. Für Kollege Lothar Matthäus war „die Wortwahl weit daneben. Jetzt nur Schwamm drüber - damit ist die Sache nicht bereinigt“.

Kollege springt Nagelsmann zur Seite: „Wenn sich jemand entschuldigt, muss man das auch mal akzeptieren“

Rückendeckung gab es von Steffen Baumgart. „Das Wort ist falsch gewählt, absoluter Müll, darüber muss man nicht diskutieren“, sagte der Köln-Trainer dem TV-Sender Bild: „Aber wenn sich jemand entschuldigt, muss man das auch mal akzeptieren.“ Es sei richtig, dass Trainer eine Vorbildfunktion erfüllen müssten, „aber wir sollten da den Mensch auch Mensch sein lassen“ und nicht nur „Roboter“ erziehen.

So oder so: Die Nerven liegen blank an der Säbener Straße. 2023 hat der FCB in der Liga nur neun von 18 möglichen Punkten geholt. Nagelsmann steht vor dem Spitzenspiel gegen Union Berlin am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) enorm unter Druck. (Manuel Bonke)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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