Zoff um Klub-WM eskaliert: Europas Top-Ligen verklagen die FIFA
VonChristoph Klaucke
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Der europäische Fußball steht vor einer Zerreißprobe. Die Topligen erheben schwere Vorwürfe gegen die FIFA. Der Weltverband antwortet scharf.
Zürich – Die Spannungen zwischen der FIFA und den europäischen Top-Ligen über die geplante Ausweitung der Klub-WM auf 32 Mannschaften ab 2025 haben einen neuen Höhepunkt erreicht. Die European Leagues, ein Zusammenschluss der führenden Fußballligen, darunter die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die spanische La Liga, sowie die Spielergewerkschaft FIFPRO Europe haben angekündigt, eine Beschwerde bei der EU-Kommission einzureichen. Diese rechtliche Auseinandersetzung könnte weitreichende Folgen für die Struktur des internationalen Fußballs haben.
Zoff um Klub-WM eskaliert: Europas Top-Ligen verklagen die FIFA
Die Kläger werfen der FIFA schwerwiegende Verstöße gegen das EU-Wettbewerbsrecht vor. Insbesondere kritisieren sie, dass die FIFA ihre Marktposition missbrauche, indem sie Entscheidungen über den internationalen Spielkalender ohne angemessene Einbeziehung der Ligen und Spieler trifft. Die Überlastung des Kalenders, so die Kläger, gefährde nicht nur die nationalen Ligen, sondern auch die Gesundheit der Spieler. Die FIFA habe sich, so die Vorwürfe weiter, in ihren Entscheidungsprozessen „bedauerlicherweise stets geweigert“, die betroffenen Akteure einzubeziehen.
In ihrer Stellungnahme beklagen die Ligen und FIFPRO, dass der internationale Spielkalender mittlerweile untragbar geworden sei und ein „Risiko für die Gesundheit der Spieler“ darstelle. Sie sehen in der rechtlichen Aktion die einzige Möglichkeit, den Fußball und seine Akteure vor unilateralen Entscheidungen der FIFA zu schützen.
FIFA verteidigt sich: Genehmigter Kalender und globale Interessen
Die FIFA weist die Vorwürfe zurück und betont, dass der aktuelle internationale Spielkalender nach umfassender Beratung und mit Zustimmung aller Beteiligten, einschließlich der Ligen und FIFPRO, genehmigt wurde. Der Weltverband beschuldigt die Ligen, aus „kommerziellem Eigeninteresse“‚ zu handeln und dabei die „Gesamtinteressen des globalen Fußballs“ zu ignorieren. Die FIFA argumentiert, dass ihr Kalender notwendig sei, um das Überleben des internationalen Fußballs zu sichern.
Die FIFA kritisiert zudem, dass die Ligen „einen Kalender voller Freundschaftsspiele und Sommertourneen bevorzugen“ die mit ausgedehnten Reisen verbunden sind, und wirft ihnen vor, „heuchlerisch“ und ohne Rücksicht auf die globalen Fußballinteressen zu handeln.
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Mögliche Auswirkungen der rechtlichen Auseinandersetzung
Die rechtliche Auseinandersetzung zwischen den europäischen Top-Ligen, FIFPRO und der FIFA könnte tiefgreifende Auswirkungen auf die Zukunft internationaler Fußballturniere haben. Es steht nicht nur die Struktur der Klub-WM auf dem Spiel, sondern auch die Balance zwischen nationalen Ligen, internationalen Wettbewerben und der Gesundheit der Spieler. Die Entscheidung der EU-Kommission wird daher mit Spannung erwartet, da sie möglicherweise wegweisend für die zukünftige Organisation des Weltfußballs sein könnte. In Deutschland tobt aktuell ein Milliarden-Streit in der Bundesliga: Wie beantworten andere Ligen die Investoren-Frage?(ck)