Es geht um jede Menge Geld

Milliarden-Streit in der Bundesliga: Wie beantworten andere Ligen die Investoren-Frage?

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Während der geplante Investoren-Deal der DFL für viel Wirbel sorgt, sind andere Länder bereits weiter. Die Folgen sind vielfältig.

Frankfurt – Die Fan-Proteste in der Bundesliga gegen die DFL und deren Abstimmung zum Investoren-Deal reißen nicht ab. Ein erster Erfolg der Fans konnte bereits verzeichnet werden. Doch in anderen Ländern wie Frankreich, England und Spanien sind die Geschäfte mit zahlungskräftigen Investoren schon seit längerer Zeit abgeschlossen. Die ersten Folgen auf den Fußball in diesen Ligen sind bereits bemerkbar.

Französische Vereine müssen sich womöglich auf sinkende Einnahmen durch Investoren-Deal einstellen

In Frankreichs Ligue 1 wurden im April 2022 für 1,5 Milliarden Euro dauerhaft 13 Prozent der Erlöse aus der Vermarktung der Liga an das Unternehmen CVC verkauft. Der Präsident der LFP (französisches Äquivalent zur DFL), Vincent Labrune, ließ damals nach dem Verkauf verlauten: „Der französische Fußball ist gerettet.“ Tatsächlich ist der Deal bislang keine Erfolgsgeschichte.

Zum einen gibt es große Ungleichheiten bei der Verteilung der Gelder. Während Scheich-Klub PSG als Meister 200 Millionen Euro erhielt, waren es für Aufsteiger AC Le Havre nur 1,5 Millionen. Der Verkauf treibt die Vereine finanziell und damit auch sportlich weiter auseinander. Zum anderen müssen die Klubs Gelder aus den Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 an CVC nachzahlen. Das Unternehmen verzichtete in Hinblick auf die Finanzschwäche der Klubs zunächst auf eine Auszahlung seiner 13 Prozent für diese Jahre, fordert diese nun aber ein, wie die L‘Équipe berichtet. Sollte die LFP also ihre Einnahmen nicht deutlich steigern können, würde den Vereinen möglicherweise weniger Geld ausgeschüttet werden als in der Zeit vor dem Investoren-Deal.

Wöchentlich protestieren die Fans der Bundesliga gegen die DFL und den Investoren-Einstieg.

Die englische Premier League ist das finanzielle und sportliche Maß aller Dinge

Unabhängig des Investoren-Deals der Bundesliga, spielt die Premier League finanziell in einer anderen Liga. Der Verkauf der Medienrechte spült ab der Saison 2025/26 fast zwei Milliarden Euro in die Kassen der englischen Vereine – pro Spielzeit. Die Klubs gehören zusätzlich individuell Investoren wie dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammad bin Salman (Newcastle United) oder Mansour bin Zayed Al Nahyan (Manchester City), der Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi ist.

Auch wenn dadurch ein großer finanzieller Vorteil für die Vereine entsteht, der besonders durch die Millionen-Investitionen in Spielertransfers offensichtlich wird, geraten die Klubs gleichzeitig in eine vollständige Abhängigkeit von ihren jeweiligen Geldgebern. So transformierte sich der englische Fußball in den letzten beiden Dekaden durch die Investoren zu einem für das internationale Publikum perfekt aufbereiteten Konsum-Produkt. Eine echte Teilhabe der Fans ist dafür aber kaum mehr vorhanden. Gleichzeitig wurde das englische Oberhaus zur stärksten Fußballliga der Welt.

Der Wettbewerb zwischen den europäischen Top-Ligen hat sich vom Sportlichen auf das Finanzielle verlagert.

Uneinigkeit in Spanien und Pokalwettbewerbe in Saudi-Arabien

Während die Premier League längst einen uneinholbaren finanziellen Vorteil im Vergleich zur Bundesliga aufgebaut hat, geht es für die DFL um das Kräftemessen mit der spanischen LaLiga. Die Südeuropäer haben ein ähnliches, aber deutlich lukrativeres Geschäft als die französischen Kollegen abgeschlossen. 2021 verkauften die Spanier für zwei Milliarden Euro 8,2 Prozent der Fernseh- und Sponsoreneinnahmen der Dachvereinigung für 50 Jahre – ebenfalls an CVC. Der Private-Equity-Investor ist auch ein potenzieller Investor der Bundesliga und wird teilweise vom saudischen Staatsfonds (PIF) mitfinanziert.

Die Topklubs FC Barcelona, Real Madrid und Athletic Bilbao sowie der damalige Zweitligist UD Ibiza haben ihre Unterschrift allerdings nicht unter die entsprechenden Papiere gesetzt und stattdessen eigene, lukrativere Deals abgeschlossen. Die übrigen Klubs müssen dazu 70 Prozent der Einnahmen für strukturelle Investitionen aufwenden. Die Gelder werden, wie die TV-Einnahmen, anhand der Tabellenplatzierung und der Beliebtheit vergeben. Der spanische Mittelklasseklub Celta Vigo konnte auf diese Weise zum Beispiel von etwa 80 Millionen Euro profitieren. Dazu hat der spanische Fußballverband RFEF die Medienrechte der Pokalwettbewerbe für viel Geld an saudische Unternehmen verkauft. Daher werden auch einige Partien dieser teilweise historischen Fußballturniere auf der arabischen Halbinsel ausgetragen.

Inter Mailands Sportchef Javier Zanetti blickte beim Finale des italienischen Supercups im saudi-arabischen Riyadh auf größtenteils leere Ränge.

Italien und Deutschland noch ohne Investoren

Auch die italienischen Klubs tragen einige ihrer Pokalspiele in Saudi-Arabien aus. Wie auch bei den Spielen der Spanier hält sich der Hype im Wüstenstaat jedoch sehr begrenzt, wie an den Zuschauerzahlen deutlich abzulesen ist. Für die Serie A lehnten die Vereine 2021 einen Verkauf der Medienrechte an CVC ab. Dennoch ist man weiterhin offen für einen Investoren-Einstieg. Letztes Jahr verkaufte die Liga wiederum für 900 Millionen Euro pro Saison ihre Übertragungsrechte. Das sind etwa 27,5 Millionen Euro weniger als zuvor. Neapels exzentrischer Boss Aurelio De Laurentiis wurde daraufhin überdeutlich: „Das bedeutet den Tod des italienischen Fußballs.“

Auch wenn sich die Pläne der DFL von denen der anderen Ligen in einigen Punkte wie zum Beispiel der Vertragslaufzeit oder dem tatsächlichen Einfluss der Investoren unterscheiden, bestehen für den deutschen Fußball und seine Fans ähnliche Gefahren, wie sie in den anderen großen Ligen des Kontinents bereits sichtbar sind. Die Proteste sollen diese Szenarien verhindern. (jsk)

Rubriklistenbild: © IMago/Montage

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