VonIngo Durstewitzschließen
Nicht mal zwei Wochen bleiben Eintracht Frankfurt bis zum Pflichtspielauftakt in Leipzig: Die erste Elf nimmt langsam Konturen an. Über Gesetze, Wackler und Abgehängte.
Frankfurt – Zwei Tage lang haben die Eintracht-Spieler mal durchpusten, sich im Kreise der Familien erholen können von dem strapaziösen Trainingslager in den Bergen Oberösterreichs. Am Montag versammelt Dino Toppmöller seine Profifußballer um sich, in Frankfurt dieses Mal. „Dann greifen wir wieder an“, sagt der Coach. Ab sofort geht es mit Vollgas in den Endspurt der Vorbereitung, in weniger als zwei Wochen steht das erste Pflichtspiel an, DFB-Pokal beim Regionalligisten Lok Leipzig. Da ist eine gewisse Stolpergefahr vorhanden.
Toppmöller ist mit dem Gebotenen insgesamt zufrieden, die Mannschaft ziehe gut mit, alle seien sehr fleißig. „Das ist sehr ordentlich.“ Es gelte, an den defensiven Abläufen zu arbeiten, „wir müssen besser verteidigen“, sagt der 42-Jährige. „Und wir können noch besser nach vorne Fußball spielen, ruhiger sein.“
Eintracht Frankfurt: Anderer Führungsstil unter Toppmöller
Toppmöller hat sich als Trainer der klaren Ansagen herauskristallisiert, er habe „andere Vorstellungen“ als Vorgänger Oliver Glasner, berichtet Kapitän Sebastian Rode. „Die Art und Weise ist anders. Es gibt ganz klare Abläufe und Strukturen im Offensivspiel.“ Toppmöller begegnet den Spielern nicht auf Augenhöhe, das natürlich nicht, aber die Hierarchien sind flacher geworden, er ist kein autoritärer Leithammel, sondern hat einen modernen Ansatz, einen Führungsstil, der der Generation angepasst ist.
Und das Trainerteam sorgt während der Einheiten stets für Abwechslung, Lattenschießen ist beliebt, es wird bei aller Professionalität auch gelacht. „Spaß spielt eine wichtige Rolle, kann die Leistung steigern“, sagt Co-Trainer Stefan Buck. Neu zudem: Bei viele Spielformen muss das Verliererteam ein paar Sprints oder Liegestützen nachlegen. Das sind nur kleine Reize. „Es geht immer um Gewinnen und Verlieren“, sagt Buck. „Man wird bestraft oder belohnt. Es tut niemandem weh, wenn er ein paar Liegestütze machen muss, wenn er im Training verloren hat.“
Auch personell ist die Eintracht ganz gut durchgekommen bisher. Ansgar Knauff ist nach seinem Schlüsselbeinbruch erstaunlich schnell wieder in den Kreis der Mannschaft zurückgekehrt. Einziges Sorgenkind ist zurzeit Robin Koch, der mit vielen Vorschusslorbeeren geholte Innenverteidiger. Die Adduktoren zwicken, der 27-Jährige hat eine komplette Trainingswoche verpasst, soll in diesen Tagen aber wieder einsteigen. „Wir hatten das eine oder andere Wehwehchen, konnten uns nicht komplett einspielen“, sagt Toppmöller. „Aber das ist okay, wir nehmen es, wie es ist.“ Ein bisschen Zeit ist ja noch bis zum ersten Spiel.
Der Coach wird, wie schon gegen Arnheim am vergangenen Freitag (1:1), auch im letzten Härtetest am Samstag im Waldstadion gegen Nottingham Forest in etwa auf die Elf setzen, die beim Auftakt in Leipzig auflaufen könnte. Außen verteidigen Philipp Max (links) und Aurelio Buta, beide sind gesetzt. In der Dreierkette ist die Frage, ob Koch rechtzeitig fit wird. Ansonsten wird ihn Tuta vertreten. Als Libero ist Methusalem Makoto Hasebe eingeplant, der 39-Jährige hat gegen Vitesse eine überragende Leistung gezeigt. „Hase ist ein sensationeller Typ, ein super Spieler, intelligent, immer noch topfit“, sagt Toppmöller. „Er gibt uns hinten Stabilität, spielt gute Bälle in die Zwischenräume.“ Er ist heilfroh, dass der Japaner noch immer dabei ist. „Er wird seine Einsätze bekommen, er ist ein Evergreen“. Und muss nicht zwingend nach der Saison Schluss machen: „Wir schauen, wie es das Jahr danach aussieht.“ Hase forever.
Einen guten Eindruck hinterlässt Neuzugang Willian Pacho, der zwar nicht so elegant ist wie Vorgänger Evan Ndicka, aber durch Tempo und Zweikampfstärke zu gefallen weiß. „Er hat sich sensationell integriert“, findet Toppmöller. „Man darf nicht vergessen, er spricht kein Deutsch und Englisch hat er erst gelernt. Doch die Jungs sehen schnell, dass er ein super Spieler ist, deswegen ist er sofort akzeptiert. Er wird uns viel Freude bereiten.“
Jakic bei Eintracht Frankfurt im Hintertreffen
Im Mittelfeld baut der Coach bislang auf einen klassischen Sechser, was sich zu Oliver Glasners Herangehensweise unterscheidet. Dort ist Ellyes Skhiri gesetzt. Der Tunesier ist in Windeseile zur zentralen Figur und zum Fixpunkt in der Schaltzentrale aufgestiegen. Er besticht durch Ruhe und Spielstärke, laufstark ist er sowieso. Auf einer der beiden Achterpositionen läuft es zunächst auf ein Duell zwischen Kapitän Rode und Eric Dina Ebimbe hinaus. Der Franzose hat sich gefangen, wirkt deutlich präsenter und zielstrebiger als zuvor. Mario Götze ist im Halbraum ebenfalls gesetzt, genauso wie ganz vorne natürlich Starspieler Randal Kolo Muani.
Im letzten Test gegen Arnheim setzte Toppmöller auf eine hängende Spitze hinter Kolo Muani, das war im ersten Abschnitt Jens Petter Hauge, der einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht hat. Im zweiten Abschnitt versuchte sich Omar Marmoush hinter Stoßstürmer Jessic Ngankam. Beide deuteten ihr Potenzial an, kamen zu guten Abschlüssen. Ngankam hat einen bulligen Körper, den er einzusetzen weiß. Marmoush ist leichtfüßiger. Beide haben aber Luft nach oben, werden noch eine gewisse Zeit brauchen.
Ebenfalls gut dabei: Paxten Aaronson. Der 19-Jährige hat einen deutlichen Sprung gemacht, er könnte wichtig werden in dieser Runde. Das trifft natürlich auch auf Jesper Lindström zu, der sicher zum Stammpersonal zählen würde – doch keiner weiß ja, wie lange er noch da ist. Für 35 Millionen könnte er gehen. Er wirkt aber nicht, als sei er auf dem Sprung, fühlt sich augenscheinlich pudelwohl.
Ins Hintertreffen geraten sind, wenig überraschend, Faride Alidou und Christopher Lenz, und auch Kristijan Jakic, der überall aushelfen muss. Für ihn wird es schwer. Bessere Chancen hat Landsmann Hrvoje Smolcic, dessen Spieleröffnung und Übersicht Toppmöller schätzt. Und in Geduld muss sich auch das schwedische Toptalent Hugo Larsson üben. Der 19-Jährige macht seine Sache zwar gut, ist sehr ballsicher, muss aber körperlich zulegen.
Rubriklistenbild: © Jan Huebner

