Experten kritisieren

Umzug und Panik: Ski-Weltmeisterin packt über Stalking-Folgen aus – Sträfer bekam Witz-Strafe

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Beinahe zwei Jahre wurde die Langlauf-Weltmeisterin Opfer von Stalking. Das Urteil steht in der Kritik und steht repräsentativ für viele andere Fälle.

Stockholm – Langlauf-Star Frida Karlsson hat erstmals öffentlich über ihre erschütternden Erfahrungen mit einem Stalker gesprochen. Die 26-jährige Langlauf-Weltmeisterin, durchlebte monatelang einen Albtraum, der ihr Leben grundlegend veränderte. Das prominente Beispiel der Schwedin zeigt deutlich, wie wenig sich Opfer von Stalking zur Wehr setzen können und auch erste Täter-Ansprachen selten etwas nützen.

Frida Karlsson wurde über Monate hinweg von einem Stalker belästigt.

Dabei wendete sich Karlsson schon kurz nach den ersten Übergriffen im Herbst 2023 an die Sicherheitsbehörden. Doch der mittlerweile 64-jähriger Mann, der ein Liebesverhältnis zur Sportlerin herbeifantasierte, tauchte trotz Kontaktverbot immer wieder in Karlssons Umfeld auf. „Ich erkannte seine Stimme sofort und bekam Panik“, erinnert sich Karlsson im Interview mit Expressen an eine Begegnung bei einem Wettkampf im Mai 2024.

Stalking-Erfahrung hat tiefgreifende Auswirkungen auf Karlssons Leben

Die Folgen für die Weltmeisterin waren gravierend. „Ich bin behütet aufgewachsen, habe nie das Auto oder das Haus abgeschlossen“, sagt sie. „Jetzt aber ist meine kleine Schutzbarriere beschädigt.“ Karlsson fühlte sich selbst in ihrem Zuhause nicht mehr sicher, ging kaum mehr alleine Einkaufen, übernachtete nachts teilweise bei einer Teamkollegin und zog schließlich aus ihrer Wohnung aus. Heute lebt sie unter einer anonymen Adresse in Schweden.

Zu einer Verhaftung des Täters kam es erst Anfang 2025, nachdem er einen handgeschriebenen Liebesbrief an Karlssons Eltern geschickt hatte. Im Frühling folgte ein Gerichtsurteil, das für Kritik sorgte: Der Stalker erhielt eine Bewährungsstrafe und musste Schadenersatz in Höhe von 3.650 Euro an Karlsson zahlen. Viele Experten empfanden die Strafe angesichts der Schwere der Vorfälle als unangemessen mild.

Diese Wintersport-Stars haben 2025 ihre Karriere beendet

„Mein Bauchgefühl sagt mir: Es ist der richtige Zeitpunkt. Es fühlt sich gut an“, so begründet Markus Eisenbichler seinen Rücktritt. Der Einzelweltmeister von Seefeld 2019 gehörte zu den Spaßvögeln im Team und konnte immer wieder glänzen. Zuletzt verlor er jedoch den Anschluss.
„Mein Bauchgefühl sagt mir: Es ist der richtige Zeitpunkt. Es fühlt sich gut an“, so begründet Markus Eisenbichler seinen Rücktritt. Der Einzelweltmeister von Seefeld 2019 gehörte zu den Spaßvögeln im Team und konnte immer wieder glänzen. Zuletzt verlor er jedoch den Anschluss. © IMAGO/Ulrich Wagner
Auch Stephan Leyhe wird bald nicht mehr von der Schanze springen. Das größte Erfolgserlebnis seiner Karriere war der Weltcup-Sieg auf der Heimschanze in Willingen. Ansonsten konnten die Deutschen sich vor allem in den Team-Wettbewerben auf Leyhe verlassen.
Auch Stephan Leyhe wird bald nicht mehr von der Schanze springen. Das größte Erfolgserlebnis seiner Karriere war der Weltcup-Sieg auf der Heimschanze in Willingen 2020. Ansonsten konnten die Deutschen sich vor allem in den Team-Wettbewerben auf Leyhe verlassen. © Jan Huebner/Reichert via www.imago-images.de
Michael Hayböck gehörte jahrelang zu den Top-Athleten im Skisprung-Zirkus. Ein großer Erfolg blieb im allerdings verwehrt: In der Saison 14/15 schrammte er mit Platz zwei nur knapp am Sieg der Vierschanzentournee vorbei. Seit ein paar Jahren konnte Hayböck allerdings nicht mehr mithalten.
Michael Hayböck gehörte jahrelang zu den Top-Athleten im Skisprung-Zirkus. Ein großer Erfolg blieb im allerdings verwehrt: In der Saison 14/15 schrammte er mit Platz zwei nur knapp am Sieg der Vierschanzentournee vorbei. Seit ein paar Jahren konnte Hayböck allerdings nicht mehr mithalten. © IMAGO/nordphoto GmbH / Hafner
Claudia Pechstein ist eine echte Legende des deutschen Wintersports. Die fünfmalige Olympiasiegerin und sechsmalige Weltmeisterin machte mit ihrer Doping-Sperre 2009 allerdings auch negative Schlagzeilen. Mit stolzen 53 Jahren beendet sie nun endgültig ihre erfolgreiche Karriere.
Claudia Pechstein ist eine echte Legende des deutschen Wintersports. Die fünfmalige Olympiasiegerin und sechsmalige Weltmeisterin machte mit ihrer Doping-Sperre 2009 allerdings auch negative Schlagzeilen. Mit stolzen 53 Jahren beendet sie nun endgültig ihre erfolgreiche Karriere. © IMAGO
Jeder Biathlon-Fan kann sich noch an seine sensationellen Duelle mit Martin Fourcade erinnern. Johannes Thingnes Bö dominierte spätestens nach dem Karriereende des Franzosen die Biathlon-Welt nach Belieben. Bei der WM 2025 in Lenzerheide stieg er mit drei Goldmedaillen zum alleinigen Rekordweltmeister auf – was für einer Karriere.
Jeder Biathlon-Fan kann sich noch an seine sensationellen Duelle mit Martin Fourcade erinnern. Johannes Thingnes Bö dominierte spätestens nach dem Karriereende des Franzosen die Biathlon-Welt nach Belieben. Bei der WM 2025 in Lenzerheide stieg er mit drei Goldmedaillen zum alleinigen Rekordweltmeister auf – was für eine Karriere. © IMAGO/Pierre Teyssot
Auch der Bruder vom Biathlon-Dominator hört auf. Tarjei Bös Karriere-Erfolge würden wahrscheinlich noch mehr Anerkennung finden, wenn sein Bruder ihm nicht immer wieder die Show gestohlen hätte. Er war Gesamtweltcupsieger, dreifacher Olympiasieger im Team und sammelte zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften.
Auch der Bruder vom Biathlon-Dominator hört auf. Tarjei Bös Karriere-Erfolge würden wahrscheinlich noch mehr Anerkennung finden, wenn sein Bruder ihm nicht immer wieder die Show gestohlen hätte. Er war Gesamtweltcupsieger, dreifacher Olympiasieger im Team und sammelte zwölf Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften. Selten gab es ein erfolgreicheres Geschwister-Duo im Wintersport. © IMAGO/Pierre Teyssot
Im Januar 2025 erklärte Chloé Chevalier völlig überraschend ihren Rücktritt vom Biathlon mitten in der Saison. Auf die Französin war vor allem in den Staffel-Rennen immer wieder Verlass, ihr größter Einzelerfolg war der zweite Platz in Antholz im Jahr 2023.
Im Januar 2025 erklärte Chloé Chevalier völlig überraschend ihren Rücktritt vom Biathlon mitten in der Saison. Auf die Französin war vor allem in den Staffel-Rennen immer wieder Verlass, ihr größter Einzelerfolg war der zweite Platz in Antholz im Jahr 2023. © IMAGO/Harald Deubert
Für Tilda Johansson endete die Karriere ebenso mitten in der Saison. Die erst 25-Jährige fand einfach nicht mehr die Motivation. Aufgrund der ausbleibenden Ergebnisse verabschiedete sie sich vom Leistungssport.
Für Tilda Johansson endete die Karriere ebenso mitten in der Saison. Die erst 25-Jährige Biathletin fand einfach nicht mehr die Motivation. Aufgrund der ausbleibenden Ergebnisse verabschiedete sie sich vom Leistungssport. © IMAGO/MATHIAS BERGELD
Noch jünger, erst 23, ist Maren Bakken. Vor wenigen Tagen erklärte die ehemalige Juniorenweltmeisterin völlig überraschend, dass sie zurücktritt. Über ihre Beweggründe ist allerdings noch nichts bekannt. Der norwegische Biathlon-Sport verliert ein großes Talent.
Noch jünger, erst 23, ist Maren Bakken. Vor wenigen Tagen erklärte die ehemalige Juniorenweltmeisterin völlig überraschend, dass sie zurücktritt. Über ihre Beweggründe ist allerdings noch nichts bekannt. Der norwegische Biathlon-Sport verliert ein großes Talent. © IMAGO/Harald Deubert
Der erfolgreichste Kombinierer hört auf. 78 Weltcupsiege, 12 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften, nur der Olympia-Traum blieb ihm, vor allem wegen einer Corona-Erkrankung und der anschließenden Quarantäne in Peking 2022, verwehrt. Morbus Crohn macht es dem 27-Jährigen unmöglich, seine Karriere fortzuführen.
Der erfolgreichste Kombinierer hört auf. 78 Weltcupsiege, 12 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften, nur der Olympia-Traum blieb ihm, vor allem wegen einer Corona-Erkrankung und der anschließenden Quarantäne in Peking 2022, verwehrt. Morbus Crohn macht es dem 27-Jährigen unmöglich, seine Karriere fortzuführen. © IMAGO/Amanda Pedersen Giske
Svenja Würth war eine echte Allrounderin. Ihre Karriere begann sie beim Skispringen und wurde 2017 Weltmeisterin im Mixed-Team-Wettbewerb. 2020 wechselte sie zur Nordischen Kombination, konnte mit den Top-Athletinnen allerdings selten mithalten. Jetzt beendet sie ihre Karriere.
Svenja Würth war eine echte Allrounderin. Ihre Karriere begann sie beim Skispringen und wurde 2017 Weltmeisterin im Mixed-Team-Wettbewerb. 2020 wechselte sie zur Nordischen Kombination, konnte mit den Top-Athletinnen allerdings selten mithalten. Jetzt beendet sie ihre Karriere. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Dominik Schwaiger hat den Speed geliebt. Zwar war der Skirennfahrer eher einer der unscheinbareren deutschen Wintersportler, trotzdem konnte er, wie beim 5. Platz in der Abfahrt von Bormio 2021, immer wieder für Achtungserfolge sorgen. Doch jetzt zwingt ihn sein Rücken zum Karriereende.
Dominik Schwaiger hat den Speed geliebt. Zwar war der Skirennfahrer eher einer der unscheinbareren deutschen Wintersportler, trotzdem konnte er, wie beim 5. Platz in der Abfahrt von Bormio 2021, immer wieder für Achtungserfolge sorgen. Doch jetzt zwingt ihn sein Rücken zum Karriereende. © IMAGO/GEPA pictures/ Mario Buehner
Stefano Gross gehörte zu den Slalom-Spezialisten im Ski-Alpin. Elfmal stand er auf dem Podium, 2011 gewann er auf dem Adelboden und schlug sogar Marcel Hirscher. Mit 38 Jahren beendet er nun seine Laufbahn.
Stefano Gross gehörte zu den Slalom-Spezialisten im Ski-Alpin. Elfmal stand er auf dem Podium, 2011 gewann er auf dem Adelboden und schlug sogar Marcel Hirscher. Mit 38 Jahren beendet er nun seine Laufbahn. © IMAGO/GEPA pictures/ Thomas Bachun
Tamara Tippler reicht es. „Es ist geduldet, dass ich da bin, aber nicht erwünscht“, sagte die Österreicherin und warf dem eigenen Verband vor, sie nicht zu unterstützen. Neunmal stand sie auf dem Podium beim Super-G, einen Sieg konnte sie allerdings nie feiern.
Tamara Tippler reicht es. „Es ist geduldet, dass ich da bin, aber nicht erwünscht“, sagte die Österreicherin und warf dem eigenen Verband vor, sie nicht zu unterstützen. Neunmal stand sie auf dem Podium beim Super-G, einen Sieg konnte sie allerdings nie feiern. © IMAGO/GEPA pictures/ Wolfgang Grebien
„Das Beste kommt noch. Ich hab dich lieb“, schrieb die legendäre Mikaela Shiffrin unter einen Post von Allie Resnick. Bei Instagram verkündete die erst 23-Jährige ihren Rücktritt. Aufgrund einer weiteren Knieverletzung muss sie ihre Karriere beenden.
„Das Beste kommt noch. Ich hab dich lieb“, schrieb die legendäre Mikaela Shiffrin unter einen Post von Allie Resnick. Bei Instagram verkündete die erst 23-Jährige ihren Rücktritt. Aufgrund einer weiteren Knieverletzung muss sie ihre Karriere beenden. © IMAGO/GEPA pictures/ Matic Klansek
Reto Schmidiger gehörte im Ski-Alpin nie zur absoluten Weltspitze, trotzdem kann er sich auf die Fahne schreiben, dass Dominator Marco Odermatt früher zu ihm aufgeschaut hat. Mittlerweile hinkt der Schweizer allerdings so weit hinterher, sodass er sich entschieden hat, seine Laufbahn zu beenden.
Reto Schmidiger gehörte im Ski-Alpin nie zur absoluten Weltspitze, trotzdem kann er sich auf die Fahne schreiben, dass Dominator Marco Odermatt früher zu ihm aufgeschaut hat. Mittlerweile hinkt der Schweizer allerdings so weit hinterher, sodass er sich entschieden hat, seine Laufbahn zu beenden. © GEPA pictures/ Patrick Steiner via www.imago-images.de
64 Weltcuprennen bestritt Elena Stoffel, jetzt hat die Schweizerin ihre Karriere beendet. Seit 2015 war sie im Weltcup dabei. Ein Top-Ten Ergebnis konnte Stoffel in ihrer Karriere allerdings nicht erreichen.
64 Weltcuprennen bestritt Elena Stoffel, jetzt hat die Schweizerin ihre Karriere beendet. Seit 2015 war sie im Weltcup dabei. Ein Top-Ten-Ergebnis konnte Stoffel in ihrer Karriere allerdings nicht erreichen. © IMAGO/GEPA pictures/ Matic Klansek
Yannick Chabloz stürzte 2022 bei der Abfahrt in Bormio und kam danach nie wieder richtig zurück. Jetzt musste der 25-jährige Schweizer einen Schlussstrich ziehen und ist seit Dezember nicht mehr Teil des Alpinen-Rennsports.
Yannick Chabloz stürzte 2022 bei der Abfahrt in Bormio und kam danach nie wieder richtig zurück. Jetzt musste der 25-jährige Schweizer einen Schlussstrich ziehen und ist seit Dezember nicht mehr Teil des Alpinen-Rennsports. © IMAGO/GEPA pictures/ Patrick Steiner

Darüber hinaus darf über die Wirksamkeit einer Bewährungsstrafe diskutiert werden, wenn sich der Täter schon in den Jahren zuvor über ein verhängtes Kontaktverbot hinweggesetzt hatte. Karlsson selbst hat das Urteil angefochten, was in Schweden dazu führte, dass das Thema Stalking und der geringe Opferschutz wieder auf die öffentliche Tagesordnung gesetzt wurde.

Langlauf-Weltmeisterin Karlsson sendet ein Zeichen gegen Stalking

Mit ihrem mutigen Schritt an die Öffentlichkeit möchte Karlsson ein Zeichen setzen. „Zu viele erleben Ähnliches. Es wird zu wenig über das geredet“, betont sie. Ihr eigener Fall zeigt, dass Stalking weit über die eigentliche Tat hinaus das Leben der Opfer bestimmen. „Wahrscheinlich hat mich alles, was passiert ist, stärker betroffen, als mir bewusst war“, blickt Karlsson mittlerweile auf die psychischen Folgen der Belästigung.

Schon während der Gerichtsverhandlung im Frühjahr zeigte sich das exorbitante Ausmaß des Stalkings. Insgesamt rief der Täter die Sportlerin über 200-mal an und schickte mehr als 200 SMS. Dazu wurden etwa 7.000 Bilder von Karlsson auf dem Smartphone des Stalkers gefunden. Öffentliche geführte Spekulationen um ihr Liebesleben wirken dabei schon fast zynisch. (sch)

Rubriklistenbild: ©  IMAGO/Bildbyran

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