Umzug und Panik: Ski-Weltmeisterin packt über Stalking-Folgen aus – Sträfer bekam Witz-Strafe
VonStefan Schmid
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Beinahe zwei Jahre wurde die Langlauf-Weltmeisterin Opfer von Stalking. Das Urteil steht in der Kritik und steht repräsentativ für viele andere Fälle.
Stockholm – Langlauf-Star Frida Karlsson hat erstmals öffentlich über ihre erschütternden Erfahrungen mit einem Stalker gesprochen. Die 26-jährige Langlauf-Weltmeisterin, durchlebte monatelang einen Albtraum, der ihr Leben grundlegend veränderte. Das prominente Beispiel der Schwedin zeigt deutlich, wie wenig sich Opfer von Stalking zur Wehr setzen können und auch erste Täter-Ansprachen selten etwas nützen.
Dabei wendete sich Karlsson schon kurz nach den ersten Übergriffen im Herbst 2023 an die Sicherheitsbehörden. Doch der mittlerweile 64-jähriger Mann, der ein Liebesverhältnis zur Sportlerin herbeifantasierte, tauchte trotz Kontaktverbot immer wieder in Karlssons Umfeld auf. „Ich erkannte seine Stimme sofort und bekam Panik“, erinnert sich Karlsson im Interview mit Expressen an eine Begegnung bei einem Wettkampf im Mai 2024.
Stalking-Erfahrung hat tiefgreifende Auswirkungen auf Karlssons Leben
Die Folgen für die Weltmeisterin waren gravierend. „Ich bin behütet aufgewachsen, habe nie das Auto oder das Haus abgeschlossen“, sagt sie. „Jetzt aber ist meine kleine Schutzbarriere beschädigt.“ Karlsson fühlte sich selbst in ihrem Zuhause nicht mehr sicher, ging kaum mehr alleine Einkaufen, übernachtete nachts teilweise bei einer Teamkollegin und zog schließlich aus ihrer Wohnung aus. Heute lebt sie unter einer anonymen Adresse in Schweden.
Zu einer Verhaftung des Täters kam es erst Anfang 2025, nachdem er einen handgeschriebenen Liebesbrief an Karlssons Eltern geschickt hatte. Im Frühling folgte ein Gerichtsurteil, das für Kritik sorgte: Der Stalker erhielt eine Bewährungsstrafe und musste Schadenersatz in Höhe von 3.650 Euro an Karlsson zahlen. Viele Experten empfanden die Strafe angesichts der Schwere der Vorfälle als unangemessen mild.
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Darüber hinaus darf über die Wirksamkeit einer Bewährungsstrafe diskutiert werden, wenn sich der Täter schon in den Jahren zuvor über ein verhängtes Kontaktverbot hinweggesetzt hatte. Karlsson selbst hat das Urteil angefochten, was in Schweden dazu führte, dass das Thema Stalking und der geringe Opferschutz wieder auf die öffentliche Tagesordnung gesetzt wurde.
Langlauf-Weltmeisterin Karlsson sendet ein Zeichen gegen Stalking
Mit ihrem mutigen Schritt an die Öffentlichkeit möchte Karlsson ein Zeichen setzen. „Zu viele erleben Ähnliches. Es wird zu wenig über das geredet“, betont sie. Ihr eigener Fall zeigt, dass Stalking weit über die eigentliche Tat hinaus das Leben der Opfer bestimmen. „Wahrscheinlich hat mich alles, was passiert ist, stärker betroffen, als mir bewusst war“, blickt Karlsson mittlerweile auf die psychischen Folgen der Belästigung.
Schon während der Gerichtsverhandlung im Frühjahr zeigte sich das exorbitante Ausmaß des Stalkings. Insgesamt rief der Täter die Sportlerin über 200-mal an und schickte mehr als 200 SMS. Dazu wurden etwa 7.000 Bilder von Karlsson auf dem Smartphone des Stalkers gefunden. Öffentliche geführte Spekulationen um ihr Liebesleben wirken dabei schon fast zynisch. (sch)