Schwieriges Auswärtsspiel

Eintracht zu Gast in Dortmund: Frankfurter Prügelknaben

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Doppelt motiviert: Der Ex-Dortmunder Ansgar Knauff.
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In Dortmund gab es für die Eintracht in Dortmund selten etwas zu holen. Das soll sich am Sonntag beim BVB drehen - und vor allem Torwart Kevin Trapp eine Trotzreaktion zeigen.

Platz sechs im Klassement, Rang fünf in der aktuellen Jahrestabelle, vier Siege, vier Remis, eine Niederlage, 16 Zähler – genauso viele wie die Bayern in 2024 geholt haben. Das ist nicht so schlecht für einen Verein wie Eintracht Frankfurt, der einen radikalen Umbruch auf fast allen Ebenen des Sports zu bewerkstelligen und zu moderieren hatte. Und hat. Immer noch. Auf dem Platz ruckelte und rumpelte es daher nicht selten, auch und gerade in diesem Kalenderjahr. Und doch: Der Vorsprung auf Rang sieben beträgt sieben Punkte. Das ist eine Hausnummer. Europa ist also ganz nah im Herzen von Europa. Oder geht da vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, so Richtung Königsklasse?

Eintracht Frankfurt: Richtungsweisendes Duell

Am Sonntag (17.30 Uhr/Dazn) wartet auf die Eintracht mal wieder ein richtungsweisendes Duell, dann tritt sie im Ruhrgebiet an bei Borussia Dortmund, ein Schwergewicht, „ein großes Kaliber“, wie der Frankfurter Trainer Dino Toppmöller befindet. Aktuell rangiert der BVB auf Platz vier, sieben Zähler vor der Eintracht, und er stellt in 2024 die zweitbeste Bundesligamannschaft nach Bayer Leverkusen, ist zudem gegen PSV Eindhoven recht souverän ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Das wird ein echter Gradmesser für die Hessen, die ihren zarten Aufwärtstrend bestätigen wollen. „Das wird eine tolle Challenge“, findet Dino Toppmöller, der der Borussia wahlweise „unfassbar hohe“ oder gar „abartige“ Qualität bescheinigt. Viel mehr Superlativ geht kaum. Eingebettet wird das Ganze noch von diesem gewaltigen Fußballtempel, dem größten der Republik. Viel zu holen gab es für die Eintracht da traditionell nicht. Ganz im Gegenteil.

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Kevin Trapp und der DFB: Keine Liebesgeschichte

Nach Dortmund fahren Frankfurter Mannschaft in etwa so gerne wie nach Leverkusen. Elf der letzten zwölf Auftritte gingen an die Borussia, für die Eintracht setzte es fast immer Prügel, drei bis vier Gegentore sind Standard, 0:4, 2:5, 0:4 lauteten die letzten Resultate – zwischendrin allerdings ein Frankfurter Sieg, 2:1 vor drei Jahren. André Silva köpfte die Eintracht zum Dreier und sieben Punkte vor den BVB, was am Ende dennoch nicht für die Champions League reichen sollte. Damals hatten die Dortmunder freilich kein frenetisches Publikum im Rücken, aufgrund der Pandemie wurden die Spiele in Geisterhäusern ausgetragen. Das wird am Sonntag anders sein. Dino Toppmöller freut sich drauf: „Flutlichtspiel, Westfalenstadion – was gibt es Besseres?“ Auch seine Mannschaft sei freudig erregt. „Das ist ein besonderer Gegner, das spüre ich bei meinen Jungs.“

Toppmöller will die „nicht so prickelnde“ Bilanz im Dortmund aufpolieren, seine Mannschaft dürfe keine Angst haben – weder vor dem Gegner noch vor der Atmosphäre. „Wir werden uns nicht verstecken, wollen mutig sein.“ Denn: „In einem Spiel können wir uns mit jeder Spitzenmannschaft auf Augenhöhe bewegen.“ Ein bisschen Matchglück brauche man gegen einen solchen Opponenten aber allemal. Und: „ Einen Toptorhüter.“

Gerade um den hat es ein wenig Unruhe gegeben, denn Bundestrainer Julian Nagelsmann degradierte Kevin Trapp und bootete ihn aus der Nationalelf aus, was den 33-Jährigen hart getroffen hat und auch nicht jeder verstehen kann. Vereinstrainer Toppmöller etwa kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Ich teile die Meinung nicht unbedingt“, sagt er betont vorsichtig und erinnert auch daran, dass Trapp bei der desaströsen Leistung der DFB-Elf gegen Österreich „der beste deutsche Spieler“ war. Merkwürdig: Nagelsmann hat den Kollegen zwischenzeitlich nicht mal angefunkt, dabei sind beide gut bekannt; Toppmöller assistierte dem aktuellen Bundestrainer bei den Bayern und in Leipzig. „Jetzt gab es keinen Kontakt“, berichtet der Eintracht-Coach.

Chance für Matanovic

Zehn Tore in 23 Spielen, vier Vorlagen obendrauf – Werte, die sich sehen lassen können und die Igor Matanovic nun zu seinem nächsten Schritt auf der Karriereleiter verholfen haben. Der Mittelstürmer, zurzeit ausgeliehen von Eintracht Frankfurt an den Zweitligisten Karlsruher SC, wird im Sommer an den Main zurückkehren und „ein fester Bestandteil unserer Mannschaft sein“, wie Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche sagt.

Der Manager hält große Stücke auf den 1,94-Meter-Hünen, traut ihm zu, in Frankfurt den Durchbruch zu schaffen. Deshalb ist der Vertrag des Hamburgers auch bis 2029 verlängert worden. „Igor hat einen großartigen Charakter und sich sehr gut weiterentwickelt“, sagt Krösche. Der Spieler freut sich ebenso: „Ich durfte letzten Sommer in den Testspielen erleben, was es bedeutet, im Eintracht-Trikot zu spielen. Dieses Gefühl habe ich genossen.“ dur

Mit seinem Torhüter hat er am Freitagmorgen in seinem Büro ein Vieraugengespräch geführt. „Er wirkte sehr motiviert“, bedeutet Toppmöller, der eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ bei der Frankfurter Führungsfigur ausgemacht haben will.

Eine andere Gefühlswelt herrscht da bei Nationalelfrückkehrer Robin Koch. Der Abwehrchef habe sich die Nominierung verdient. „Er hat einen tollen Charakter, war bei uns oft Turm in der Schlacht“, urteilt der Fußballlehrer. Koch könne stolz auf die Berufung sein, „und wir als Verein auch, das spricht für uns“. Für die Sportliche Leitung sind Erfolge auf dieser Ebene wichtig, um die eigene Glaubwürdigkeit zu untermauern. „Wir haben Robin diesen Weg aufgezeigt“, sagt Toppmöller. Auch Mario Götze, der es in Frankfurt wieder ins Nationaltrikot geschafft hat, sei da ein „gutes Beispiel“.

Eintracht-Spieler Marmoush in Topform

In Dortmund wird es natürlich auf Korsettstangen wie Trapp, Koch oder Götze ankommen, aber auch auf die Zentrale mit Ellyes Skhiri und Hugo Larsson. Und natürlich auf Sturmspitze Omar Marmoush, der sich nach wie vor in blendender Form befindet und Stareinkauf Hugo Ekitiké an die Bank fesselt, obwohl der Franzose seine erste komplette Trainingswoche in den Beinen hat. Toppmöller aber lobt Marmoush völlig zu Recht über den grünen Klee. „Er ist eine Referenz auf der Neun“, sagt er, beim 3:1 gegen Hoffenheim habe er eine „unfassbar gute Leistung gezeigt.“ Überhaupt: Toppmöller will die Leistung gegen die Kraichgauer nicht überhöhen, sagt aber auch: „Das muss unser Maßstab sein.“

In jedem Fall war das runde Spiel ein allgemeiner Aufheller, die Stimmung hat sich gedreht; sie ist wieder leichter, positiver, beschwingter. So in etwa hat auch Ansgar Knauff nach seiner Einwechslung gespielt, der Ex-Dortmunder drängt gegen seinen alten Verein in die Startelf. Das deutete Toppmöller an: „Die Wahrscheinlichkeit, dass er startet, ist da.“ Zumal Konkurrent Fares Chaibi schwächelt. „Er war in der Offensive in den letzten Wochen nicht so auffällig“, sagt Toppmöller, der sich über den wilder tobenden Konkurrenzkampf freut. „Das könnte unsere große Stärke werden. Es gilt, sich seinen Einsatz zu verdienen.“

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