Nationalmannschaft

Kevin Trapp und der DFB: Keine Liebesgeschichte

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Ein Bild aus glücklichen Tagen bei der DFB-Auswahl: Kevin Trapp ist dieses Mal nicht dabei.
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Bundestrainer Julian Nagelsmann bootet Eintracht-Torwart Kevin Trapp überraschend aus. Gerechtfertigt ist das nicht - ein Traum droht zu platzen.

Neulich hat Dino Toppmöller den besonderen Stellenwert seines Torwarts hervorgehoben. Eine „Persönlichkeit“ sei er, der gute Kevin Trapp, zwar einer, „der polarisiert“, aber vor allem einer, „der Flagge zeigt“, vorangehe und „durch seine Vita das Recht hat, dominant aufzutreten“. Er, Toppmöller, finde das gut, da könnten sich Kollegen eine Scheibe abschneiden, so müssten Führungsspieler sein.

Es war dies zu einer Zeit, da es ein wenig grummelte bei Eintracht Frankfurt, so furchtbar ansehnlich waren die Spiele nicht, meist endeten sie unentschieden. Zu Recht wurde das im Umfeld und in der Öffentlichkeit kritisiert, zu schnell und zu einseitig, wie Trapp fand und dies auch vor Kameras kundtat.

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Der 33 Jahre alte Schlussmann, der jetzt einigermaßen überraschend nicht von Bundestrainer Julian Nagelsmann in das Aufgebot der DFB-Auswahl für die Testspiele gegen Frankreich (in Lyon) sowie Holland (in Frankfurt) nominiert wurde (dafür Bernd Leno und Oliver Baumann, die laut Nagelsmann „einen Ticken stabiler“ seien), kennt ja seinen Klub aus dem Effeff, er weiß um die Wucht und die Energie, die in ihm steckt, er weiß, wie „speziell dieser Verein ist“, den man „nicht beschreiben kann, sondern fühlen muss“. Er weiß es deswegen, weil er längst das Gesicht des Klubs ist, ein Aushängeschild, seit neun Jahren steht er im Tor, 337 Pflichtspiele für die Hessen hat er gemacht.

Die Ausbootung aus der Nationalmannschaft ist für den glamourösen Schlussmann, der modelt und ein Hafermilch-Startup gegründet hat, ein Schlag ins Kontor, damit war nicht unbedingt zu rechnen. Gerechtfertigt ist sie nicht. Zwar kommt das Aus tatsächlich zu einem Zeitpunkt, da der gebürtige Saarländer nicht seine allerbeste Saison spielt. Aber immer noch sehr lange keine miese und allemal eine, die nicht zwingend zu seiner Absetzung hätte führen müssen. Seine Leistungen waren im Grunde nie wirklich schlecht, vielleicht eher weniger sensationell als in der Vorsaison, als „Trappo“ Unhaltbare in schöner Regelmäßigkeit hielt, man denke an die Sternstunde im Europa League-Finale in Sevilla. Ohne ihn hätte Eintracht Frankfurt diesen Titel nie und nimmer geholt. Da galt Trapp, Manuel Neuer war noch verletzt, klar als der beste deutsche Torhüter in der Bundesliga.

Kevin Trapp: Folgt eine Trotzreaktion?

Diese Saison, in der die Hessen bislang auch erst 32 Gegentore kassierten, stand für den Schlussmann allerdings unter einem weniger guten Stern. Ihm unterliefen in der Tat zwei, drei Bolzen, die man nicht von ihm kennt, etwa in der Gruppenphase der Conference League gegen Paok Saloniki oder im Hinspiel bei Union Saint-Gilloise. Oft ist das bei Trapp auch ein Kritteln auf sehr hohem Niveau, man war halt von ihm über Jahre hinweg anderes gewohnt. Ohne Zweifel dürften auch seine immer mal wieder auftretenden Rückenprobleme ein Grund gewesen sein für Schwankungen, die er und die medizinische Abteilung nicht so richtig in den Griff bekommen. Intern wird zudem kritisch gesehen, dass Trapp beim Spielaufbau Luft nach oben und ein paar Chipbälle zu viel nicht an den Mann gebracht habe, statt schnell, flach und präzise zu spielen. Trotzdem wäre das Gros der Liga froh, auf so einen versierten Tormann wie Trapp zurückgreifen zu können.

Trapp musste um jeden Einsatz kämpfen

Kevin Trapp und die Nationalmannschaft ist wahrlich keine Liebesgeschichte. Der Eintracht-Torwart musste stets um jeden Einsatz und jede Anerkennung kämpfen. In seinen neun Einsätzen(bei stolzen 74 Nominierungen) seit 2015 hat er 13 Gegentore gefangen, zwei Siege gab es nur mit dem Charakterkopf zwischen den Stangen, einmal hat er mal einen Elfmeter gehalten. Zuletzt stand er im Oktober unter der Latte, als die Nagelsmann-Truppe gegen Österreich (0:2) und die Türkei (2:3) einen Offenbarungseid leistete. An ihm lag es nicht, doch ihm war eben auch nicht gegeben, mal ein Spiel durch seine Paraden im Alleingang zu ziehen. Über den Staus eines zweiten, meist dritten Torwarts ist er selten hinausgekommen. Dazu kommt; Nagelsmann pflegt ein eher distanziertes Verhältnis zum Frankfurter, kennt hingegen Oliver Baumann aus vergangenen Tagen bei der TSG Hoffenheim bestens. Dennoch hat es der sehr polyglotte Trapp, obzwar extrem ehrgeizig, nie an Loyalität zur DFB-Auswahl fehlen lassen. Er gilt als absoluter Teamplayer, der die weitgehend akzeptierten Platzhirsche Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen mit starken Leistungen antreibt.

Trapp ist dann am stärksten, wenn er uneingeschränktes Vertrauen spürt. Oder wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Schon einmal, im Herbst 2021, war der Routinier, einst drei Jahre bei Paris Saint-Germain in der Hautevolee des Fußballs, durch den Rost gefallen und nicht nominiert worden. Hansi Flick war damals Bundestrainer, und Trapp reagierte darauf auf seine spezielle Weise: Danach hielt er in der Folge dermaßen gut, etwa beim 2:1-Auswärtserfolg der Eintracht gegen Bayern München, dass ihn Flick ein paar Wochen später zurückholte.

Ob das auch jetzt, herausragende Leistungen vorausgesetzt, der Fall sein kann? Denkbar ist es, zumal Bundestrainer Nagelsmann zu Recht vor der Heim-EM im Sommer vornehmlich auf Spieler in Form setzt, weniger auf Verdienste der Vergangenheit. Das ist vernünftig, würde aktuell aber Trapp womöglich den Traum vom Turnier im eigenen Land, in der eigenen Stadt, rauben. Und vier Konkurrenten, die Kevin Trapp jetzt vor die Torwarthandschuhe gesetzt wurden, sind ein deutliches Zeichen.

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