Kuss-Attacke bei Frauen-WM: Spanischer Verband fälschte offenbar Zitate
VonKorbinian Kothny
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Zunächst nahm Jennifer Hermoso ihren Verbandspräsidenten nach dem Kuss-Skandal in Schutz. Dabei sind die Aussagen offenbar gefälscht.
Madrid – Der Kuss-Skandal bei der Frauen-WM in Australien und Neuseeland wird immer skuriller. Zur Erinnerung: Spaniens Verbandspräsident Luis Rubiales hatte bei der Siegerehrung nach dem WM-Triumph die Spielerin Jennifer Hermoso bei der Siegerehrung auf den Mund geküsst.
Luis Rubiales
Geboren:
23. August 1977 (Alter: 46 Jahre) in Las Palmas
Position:
Präsident des spanischen Fußballverbandes RFEF
Im Amt seit:
17. Mai 2018
Spanischer Verband fälschte offenbar Hermoso-Aussagen zu Kuss-Aktion
Im Anschluss erklärte die 33-Jährige auf die Szene angesprochen: „Hat mir nicht gefallen.“ Nur wenige Stunden später tauchte allerdings eine Erklärung des spanischen Verbands RFEF auf, in der Hermoso ihren Verbandspräsidenten in Schutz nahm.
Wörtlich hieß es dort: „Der ‚Präsi‘ und ich haben ein großartiges Verhältnis zueinander. Sein Verhalten uns allen gegenüber war ausgezeichnet, und es war eine natürliche Geste der Zuneigung und Dankbarkeit.“ Das spanische Medium Relevo will jetzt allerdings erfahren haben, dass Hermoso dies nie gesagt habe.
Vielmehr wurden der Spanierin die Worte vom Verband in den Mund gelegt, um Rubiales besser dastehen zu lassen. Des Weiteren soll der 45-Jährige Hermoso auf dem Heimflug dazu gedrängt haben, ein gemeinsames „Erklärungsvideo“ aufzunehmen. Die 33-Jährige habe das aber abgelehnt.
Mittlerweile hat auch der spanische Verband eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die für Freitag, 12.00 Uhr in Madrid angesetzt ist. Das gab der RFEF bekannt. Rubiales steht seit der Aktion in Spanien heftig in der Kritik. Unter anderem Ministerpräsident Pedro Sanchez hatte den Kuss aufs Schärfste verurteilt.
Rücktritt von Rubiales gefordert – aber nicht wahrscheinlich
„Was wir gesehen haben, ist inakzeptabel. Und die Entschuldigungen von Herrn Rubiales reichen nicht aus, ich würde sie als unangemessen bezeichnen, deshalb muss er weitere Schritte unternehmen, um klarzustellen, was wir alle gesehen haben“, sagte der sozialistische Politiker am Dienstag vor Journalisten.
Obwohl in Spanien vermehrt der Rücktritt von Rubiales gefordert wird, wird es nach spanischen Medien nicht dazu kommen. Viel mehr geht man davon aus, dass der Verbandspräsident „massive Unterstützung“ erhalten werde.
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Rubiales entschuldigt sich und erhält Unterstützung von Rummenigge
Und was sagt Rubiales selbst? Zunächst bezeichnete der 45-Jährige seine Kritiker als „Idioten“, sah aber immerhin später ein: „Ich muss mich entschuldigen, da führt kein Weg dran vorbei. Und ich muss daraus lernen und verstehen, dass man als Präsident einer so wichtigen Institution wie der RFEF vorsichtiger sein muss, vor allem bei Zeremonien und dieser Art von Angelegenheiten.“