Marmoush-Ersatz

Eintracht: Was läuft da mit Niclas Füllkrug?

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In England nicht glücklich, dafür bald in Frankfurt? Niclas Füllkrug.
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Omar Marmoush ist zwar noch da, doch die Eintracht sucht schon einen Nachfolger. Neben Arnaud Kalimuendo könnte auch der deutsche Nationalspieler anheuern.

Selbst am Tag vor dem ersten Bundesligaspiel im neuen Jahr rückte im Frankfurter Stadtwald die anstehende Begegnung mit St. Pauli in den Hintergrund. Das sollte nicht so sein, denn die Duelle in der höchsten deutschen Spielklasse sind ja das Salz in der Suppe, das, was die Menschen lieben, weshalb sie am Samstag ins Stadion am Millerntor strömen. Doch zuweilen sind die, die das schöne Spiel ausüben, wichtiger als das Spiel selbst. Bei Eintracht Frankfurt ist das momentan so, da dreht sich seit Tagen alles um ihren Besten, den famosen Torjäger Omar Marmoush.

Der 25 Jahre alte Ägypter schickt sich an, zum englischen Meister Manchester City zu wechseln. Dass der Transfer über die Bühne gehen wird, scheint inzwischen ziemlich sicher. Die Frage ist nur, wann.

City hat sich mit dem Marmoush-Management auf einen langfristigen Anstellungsvertrag geeinigt. Nun müssen die Skyblues den Shootingstar noch aus seinem Kontrakt in Frankfurt herauskaufen. Das wird nicht günstig. Rund 80 Millionen Euro schwer wäre der Deal – im Sommer würde die Eintracht nicht im Ansatz so viel Geld kassieren können, 20, 25 Millionen Euro weniger.

Logisch, dass ein Transfer dieser Größenordnung nicht über Nacht über die Bühne geht. Genau aus diesem Grund wird Omar Marmoush – Stand jetzt – auch im Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim FC St. Pauli in der Frankfurter Startelf stehen. Und ausgeschlossen scheint derzeit nicht, dass er auch in den beiden folgenden Partien gegen Freiburg am Dienstag und gegen Dortmund am Freitag noch an Bord sein wird.

Im Hintergrund laufen die Planungen schon für die Zeit nach Omar Marmoush. Ohne Ersatz wird die Eintracht die restliche Spielzeit nicht angehen. Sie hat ambitionierte Ziele, die sie nicht aus den Augen verlieren will – selbst wenn ihr stärkster Spieler abtrünnig wird.

Daher verfolgt Sportvorstand Markus Krösche mehrere Fährten. Eine führt sicher nach Frankreich. Dort, bei Stade Rennes, stürmt Arnaud Kalimuendo, 22 Jahre jung und ein ähnlicher Spielertyp wie Marmoush, schnell, trickreich, technisch gut.

Keine Mondpreise

Natürlich wird im Poker mit Rennes einiges an Verhandlungsgeschick nötig sein, denn Mondpreise will und wird die Eintracht nicht zahlen, nur weil sie selbst auf einen Schlag einen Batzen Geld eingenommen hat. Daher fährt Markus Krösche mehrgleisig.

Von der Systematik würde ein Stürmer vom Profil Kalimuendo passen, Trainer Dino Toppmöller müsste nicht den gesamten Spielstil über den Haufen werfen. Doch natürlich weiß niemand, ob und wie schnell ein neuer Spieler funktionieren wird.

Denkbar ist zudem, dass die Eintracht noch einen Stürmer dazu holt, der ihr gegen tiefstehende Gegner eine zusätzliche Option gibt, einen Brechertypen, einen klassischen Mittelstürmer. So einen wie Niclas Füllkrug. Der deutsche Nationalspieler, bei West Ham United nicht vom Glück verfolgt, könnte eine durchaus interessante Alternative sein – nicht als Marmoush-Ersatz, sondern als Zugabe obendrauf. Ein fester Transfer des von Dortmund nach London gewechselten 31-Jährigen wäre für die Eintracht wirtschaftlich kaum zu stemmen. Aber eine halbjährige Leihe zu moderaten Konditionen sehr wohl. Die Spur zu Füllkrug ist nicht heiß, aber die Frankfurter haben die Situation des Angreifers im Blick – ob der neue Hammers-Trainer Graham Potter auf ihn setzt, wird sich zeigen.

Am Samstag geht es nun erst einmal in unveränderter Personalkonstellation weiter. Und natürlich werden alle Augen auf Omar Marmoush gerichtet sein, der auch eine Vergangenheit am Hamburger Millerntor hat. Für die damals in der zweiten Liga in Abstiegsnot steckenden Paulianer stürmter er 2021 ein halbes Jahr auf Leihbasis und wusste zu überzeugen, machte sieben Tore.

Für die Eintracht geht es im Norden darum, den Abwärtstrend zu stoppen. Dino Toppmöller will sich von den Misserfolgen nicht runterziehen lassen. „Das Selbstvertrauen muss oben bleiben“, sagt er. Zuletzt sei nicht alles schlecht gewesen, genauso wie zuvor nicht alles rosarot war. Der Coach erinnert etwa an den 3:2-Auswärtssieg in Stuttgart, der zwar allen ein gutes Gefühl gegeben habe, aber ihn eher zwiespältig zurückließ: „Ich dachte mir: ,Hm, das war nicht ganz so toll.‘“ Zuletzt hätten die „individuellen Fehler“ bessere Resultate verhindert: „Sie waren sehr kostspielig.“

Deshalb habe man in der Vorbereitung den Schwerpunkt auf die Defensive gelegt: „Der Fokus lag auf der Verteidigungsarbeit.“ Denn vorne schieße sein Team immer genügend Tore, 35 nach 15 Spieltagen – so viele wie seit 43 Jahre nicht mehr. An 21 Treffern davon direkt beteiligt: Omar Marmoush.

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