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Den Familien der iranischen Nationalmannschaft wurde Folter angedroht, wenn die Spieler weiter nicht die Nationalhymne singen würden.
Teheran/Doha - Die iranische Fußball-Nationalmannschaft steht derzeit nicht nur sportlich unter Druck. Im Iran kommt es seit mehreren Wochen zu Protesten gegen das Regime, zahlreiche bekannte Persönlichkeiten, darunter auch viele Sport-Stars, haben sich solidarisch hinter die Demonstranten gestellt und kritisieren die Regierung öffentlich. Spätestens seitdem die iranische Nationalmannschaft die Nationalhymne im ersten Spiel gegen England nicht mitgesungen hat, ist das Regime wegen der Fußball-Weltmeisterschaft in Alarmbereitschaft. Sogar das Staatsfernsehen unterbrach die Übertragung, während des stummen Protests.
Vor dem politisch brisanten Spiel des Iran gegen die USA berichtet nun der US-amerikanische TV-Sender CNN, dass den Familien der iranischen Mannschaft offen gedroht wurde, falls sich die Spieler rund um die Begegnung am Dienstag nicht „benehmen“ würden. Nach dem ersten Spiel gegen England soll es dem Bericht zufolge zu einem Treffen der iranischen Nationalspieler mit Mitgliedern des Korps der iranischen Revolutionsgarden gekommen sein.
Iran-Regime droht Spielern mit „Gewalt und Folter“: Gegen Wales singt Mannschaft Hymne mit
Dabei wurde den Familien der Spieler „Gewalt und Folter“ angedroht, wenn die Nationalhymne bei den folgenden Partien gegen Wales und die USA nicht mitgesungen werde oder sich die Spieler an politischen Protesten gegen das Teheraner Regime beteiligten. Im Spiel gegen Wales, das der Iran mit 2:0 für sich entschied, hielten sich die Spieler an die Bedingung, ein politisches Zeichen setzten sie nicht.
CNN berichtet weiter, dass rund um die Weltmeisterschaft in Katar Dutzende Offiziere der Revolutionsgarden dafür abgestellt wurden, die iranischen Spieler zu überwachen. Freizeit außerhalb des Mannschafts-Hotels sei den Spielern ebenso nicht gestattet wie Treffen mit Ausländern.
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Auch der Trainer der Iraner, der Portugiese Carlos Queiroz, soll sich mit Vertretern der Revolutionsgarden getroffen haben, nachdem die Drohungen gegen die Familien der Spieler ausgesprochen worden waren. Über den Inhalt der Gespräche ist allerdings nichts bekannt. Queiroz hatte zuvor erklärt, iranische Spieler dürften bei der Weltmeisterschaft protestieren, solange sich die Aktionen im Rahmen der Fifa-Vorschriften bewegen würden.
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Iran gegen USA: Regime schickt „Schauspieler“ als Fans für gute Stimmung
Für das Spiel gegen Wales schickte das Regime dem CNN-Bericht zufolge einige hundert „Schauspieler“ auf die Tribünen, um dort unter den iranischen Fans das Gefühl zu verbreiten, dass die Stimmung gegenüber der iranischen Regierung verbreitet wohlgesonnen sei. Für das Spiel gegen die USA sollen es laut der Quelle mehrere tausend „Fans“ sein. Das Sportliche rückt für die iranische Nationalmannschaft zunehmend in den Hintergrund, das Weiterkommen in der Gruppe B hat sie allerdings bei einem Sieg über die USA noch in eigener Hand. (fmü)
