Nach Abgang vom FC Bayern: Hernandez überrascht mit internen Einblicken
VonTom Springer
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Nach seinem Abgang vom FC Bayern hat Lucas Hernandez durchblicken lassen, woran es ihm in München gefehlt und wer ihn vom Wechsel überzeugt hat.
Paris – Vier erfolgreiche Jahre hat Lucas Hernández beim FC Bayern verbracht, sammelte dabei insgesamt zehn Titel mit dem deutschen Rekordmeister, ehe er im vergangenen Sommer zu Paris St. Germain wechselte. Im Interview mit der französischen Tageszeitung Le Parisien hat der französische Nationalspieler nun seine Beweggründe für den Wechsel offenbart – und dabei auch über seine Zeit in München geklagt.
Lucas Hernandez
Geboren:
14.02.1996 (Alter 27 Jahre), Marseille
Bisherige Vereine:
Atletico Madrid, FC Bayern, Paris St. Germain
Marktwert:
45 Millionen Euro (transfermarkt.de)
Hernandez beklagt „kühlere Beziehung“ beim FC Bayern
„In Deutschland konnte ich bei meiner Ankunft die Sprache nicht sprechen, es gab nicht diesen Zusammenhalt. Die Spieler konnten mir nicht helfen, weil wir uns nicht wirklich verstanden“, erklärte Hernández, der von Atlético Madrid und der französischen Nationalmannschaft offensichtlich anderes gewohnt war. „Es war eine etwas kühlere Beziehung“, so der Abwehrspieler weiter über seine Münchner Zeit. Überraschend, schließlich gilt Französisch beim FCB alleine wegen der vielen Spieler aus dem Nachbarland quasi als zweite Amtssprache.
Zwar habe er tolle Kapitäne gehabt, wie er am Beispiel von Manuel Neuer erklärte: „Ihn als Kapitän zu haben, ist schon beeindruckend, weil er älter und erfahrener ist“, gefehlt hat es Hernández aber wohl trotzdem an so einigem: „Außerhalb des Spielfelds lebt jeder sein eigenes Leben. Wenn du etwas brauchst, sind sie natürlich da, aber es ist weniger spontan.“
Wechselüberlegungen aufgrund Hernández‘ Verletzungspause
Nach seinem Kreuzbandriss bei der WM in Katar sei er dann ins Grübeln gekommen, wie seine weitere Karriere weiterlaufen solle, verriet der 27-Jährige. „Nach meiner Verletzung haben die Bayern mir zur Seite gestanden und alles dafür getan, dass ich bestmöglich zurückgekommen bin. Ich hatte das Gefühl, aus diesem langen Tunnel herauszukommen“, lobte er zunächst die Münchner Bemühungen.
Gleichzeitig sei es aber der Moment gewesen, „in dem ich mich fragte: Fühle ich mich hier gut? Kann ich mir vorstellen, noch vier weitere Jahre zu bleiben? Oder versuche ich eine neue Herausforderung in einem Land, in dem ich noch nie gespielt habe? Ich habe auch an die Bayern gedacht, weil sie mir nach dieser schweren Verletzung vertraut und mir einen neuen Vertrag angeboten haben. Ich habe alles auf den Tisch gelegt und da ich jemand bin, der spontan ist und Herausforderungen mag, habe ich mir gesagt, dass es an der Zeit ist, nach Paris zu wechseln, einem sehr ehrgeizigen Verein.“
Dass er sich in München dabei nie richtig heimisch gefühlt hatte, scheint für den Wechsel schließlich eine entscheidende Rolle gespielt zu haben, wie Hernández durchblicken ließ: „Ich wollte mein Leben verändern und in mein Land Frankreich zurückkehren, wo ich die Sprache spreche. Ich wollte in ein Land zurück, in dem ich mich wohler und zu Hause fühle.“
Fußballstar und Sprachgenie: Diese Spieler können sich in etlichen Ländern verständigen
Zünglein an der Waage könnte dabei kein Geringerer als PSG-Superstar Kylian Mbappé gewesen sein. Gegenüber dem französischen Hörfunksender RMC Sport verriet Hernández nämlich: „Ich habe viel mit Kylian über diesen Transfer gesprochen, weil ich mich sehr gut mit ihm verstehe. Es sind kleine Texte und Anrufe, um zu sehen, wie ich mich bei Bayern fühle. Eines Tages fragte er mich, ob ich bereit sei, zu kommen, und er sagte mir, dass er alles tun würde, um mich zu überzeugen.“
Dies gelang schließlich, sodass die beiden Freunde mittlerweile nicht nur in der französischen Nationalmannschaft, sondern auch im Verein gemeinsam auf dem Platz stehen. Während Hernández sofort zum Stammspieler avancierte, läuft es bei PSG allerdings noch nicht komplett rund: In der Ligue 1 hat der Hauptstadtklub als Tabellenzweiter einen Zähler Rückstand auf OGC Nizza, in der enorm engen „Todesgruppe“ F der Champions League rangiert PSG zudem ebenfalls einen Punkt hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund. (tos)