VonChristian Schulzschließen
Die komplette Historie der Frauen-Europameisterschaften seit 1984: Alle Siegerinnen, Finalspiele, Torschützenköniginnen und Rekorde der EM-Endrunde.
München – Die Frauen-Europameisterschaft hat sich seit ihrer ersten Austragung 1984 zu einem der prestigeträchtigsten Turniere im internationalen Frauenfußball entwickelt. Von bescheidenen Anfängen mit nur vier Teilnehmern bis zum heutigen Format mit 16 Mannschaften – die Geschichte der Frauen-EM ist geprägt von dramatischen Finalspielen, sehenswerten Leistungen und der beeindruckenden Dominanz des deutschen Teams.
Vor der kommenden Europameisterschaft 2025 in der Schweiz werfen wir einen Blick auf die Historie des Turniers, seine Siegerinnen und unvergessliche Finalspiele.
Die Anfänge der Frauen-EM in den 1980ern: Skandinavische Dominanz (1984-1987)
Die erste offizielle Frauen-Europameisterschaft 1984 wurde noch ohne Endrunde im Hin- und Rückspiel-Modus ausgetragen. Im Finale setzte sich Schweden gegen England im Elfmeterschießen mit 4:3 durch, nachdem es nach Hin- und Rückspiel 1:1 gestanden hatte. Die schwedische Stürmerin Pia Sundhage, später erfolgreiche Trainerin der US-Nationalmannschaft, wurde mit vier Treffern erste Torschützenkönigin der EM-Geschichte.
Drei Jahre später, bei der zweiten Auflage 1987, übernahm Norwegen die Führungsrolle im europäischen Frauenfußball. Im skandinavischen Finale besiegten die Norwegerinnen Titelverteidiger Schweden mit 2:1. Die deutsche Stürmerin Heidi Mohr sicherte sich mit vier Toren die Torjägerinnenkrone, obwohl ihre Mannschaft das Finale verpasste.
Fußball-Europameisterschaft der Frauen - alle Titelträger im Überblick




DFB-Frauen bei der Euro: Die deutsche Ära beginnt (1989-1993)
Das Jahr 1989 markierte den Beginn der deutschen Dominanz bei Europameisterschaften. Im Finale in Osnabrück bezwang die DFB-Auswahl Norwegen deutlich mit 4:1. Ursula Lohn wurde mit vier Treffern Torschützenkönigin. Zwei Jahre später verteidigte Deutschland seinen Titel erfolgreich. Im Finale 1991 in Aalborg setzte sich das Team von Trainer Gero Bisanz gegen Norwegen mit 3:1 nach Verlängerung durch. Heidi Mohr sicherte sich mit vier Toren erneut die Torjägerkrone.
Die norwegische Mannschaft schlug 1993 zurück und holte sich mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Italien den Titel. Es sollte für 24 Jahre der letzte Triumph einer nicht-deutschen Mannschaft bei einer Frauen-EM sein. Die Engländerin Susan Smith wurde mit drei Treffern Torschützenkönigin.
Die goldene Ära des deutschen Frauenfußballs (1995-2013)
Was folgte, war eine beispiellose Dominanz der deutschen Mannschaft, die sechs aufeinanderfolgende Europameisterschaften gewann – eine Serie, die im internationalen Fußball ihresgleichen sucht. 1995 besiegte Deutschland im Finale Schweden mit 3:2, wobei die Schwedin Lena Videkull mit drei Toren Torschützenkönigin wurde.
1997 folgte ein souveräner 2:0-Erfolg gegen Italien. Die Italienerin Carolina Morace wurde mit zwei Treffern beste Torschützin des Turniers. Das Finale 2001 in Ulm entschied Deutschland durch ein Golden Goal von Claudia Müller mit 1:0 gegen Schweden. Müller wurde mit drei Toren auch Torschützenkönigin.
2005 setzte sich Deutschland im Finale mit 3:1 gegen Norwegen durch. Die deutsche Stürmerin Inka Grings erzielte vier Tore im Turnierverlauf und sicherte sich die Torjägerinnenkrone. Beim Turnier 2009 in Finnland erreichte die deutsche Dominanz ihren Höhepunkt: Im Finale deklassierte die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid England mit 6:2 – dem bis heute torreichsten EM-Finale. Inka Grings wurde mit sechs Treffern erneut Torschützenkönigin.
Die EM 2013 in Schweden markierte den achten und bislang letzten deutschen Titelgewinn. Im Finale besiegte das DFB-Team Norwegen knapp mit 1:0 durch ein Tor von Anja Mittag. Die Schwedin Lotta Schelin wurde mit fünf Treffern Torschützenkönigin des Turniers.
Neue Europameisterinnen: Niederlande und England kommen dazu (2017-2022)
Nach 24 Jahren deutscher Dominanz krönte sich 2017 erstmals die Niederlande zum Europameister. Im Finale vor heimischer Kulisse besiegten die „Oranje Leeuwinnen“ Dänemark mit 4:2. Die Engländerin Jodie Taylor wurde mit fünf Toren Torschützenkönigin.
Bei der bislang letzten EM 2022 in England sicherten sich die Gastgeberinnen ihren ersten Titel. In einem dramatischen Finale im Wembley-Stadion besiegten die „Lionesses“ Deutschland mit 2:1 nach Verlängerung. Besonders bitter für Deutschland: Kapitänin Alexandra Popp, die mit sechs Toren gemeinsam mit Englands Beth Mead Torschützenkönigin wurde, musste kurz vor dem Finale verletzungsbedingt passen.
Alle Frauen-EM-Finalspiele im Überblick
| Jahr | Sieger | Finalgegner | Ergebnis | Finalort |
|---|---|---|---|---|
| 1984 | Schweden | England | 4:3 n.E. (1:1 n.Hin/Rück) | - |
| 1987 | Norwegen | Schweden | 2:1 | Oslo |
| 1989 | Deutschland | Norwegen | 4:1 | Osnabrück |
| 1991 | Deutschland | Norwegen | 3:1 n.V. | Aalborg |
| 1993 | Norwegen | Italien | 1:0 | Cesena |
| 1995 | Deutschland | Schweden | 3:2 | Kaiserslautern |
| 1997 | Deutschland | Italien | 2:0 | Oslo |
| 2001 | Deutschland | Schweden | 1:0 n.V. (Golden Goal) | Ulm |
| 2005 | Deutschland | Norwegen | 3:1 | Blackburn |
| 2009 | Deutschland | England | 6:2 | Helsinki |
| 2013 | Deutschland | Norwegen | 1:0 | Solna |
| 2017 | Niederlande | Dänemark | 4:2 | Enschede |
| 2022 | England | Deutschland | 2:1 n.V. | London |
| 2025 | - | - | -:- | Basel |
Torschützenköniginnen aller Europameisterschaften
| Europameisterschaft | Spielerin | Nationalteam | Tore |
|---|---|---|---|
| 1984 | Pia Sundhage | Schweden | 4 |
| 1987 Norwegen | Heidi Mohr | Deutschland | 4 |
| 1989 Deutschland | Ursula Lohn | Deutschland | 4 |
| 1991 Dänemark | Heidi Mohr | Deutschland | 4 |
| 1993 Italien | Susan Smith | England | 3 |
| 1995 Deutschland | Lena Videkull | Schweden | 3 |
| 1997 Norwegen | Carolina Morace | Italien | 2 |
| 2001 Deutschland | Claudia Müller | Deutschland | 3 |
| 2005 England | Inka Grings | Deutschland | 4 |
| 2009 Finnland | Inka Grings | Deutschland | 6 |
| 2013 Schweden | Lotta Schelin | Schweden | 5 |
| 2017 Niederlande | Jodie Taylor | England | 5 |
| 2022 England | Beth Mead/Alexandra Popp | England/Deutschland | 6 |
Rekorde und Statistiken der Frauen-Euro
Deutschland ist mit acht Titeln (1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, 2013) der unangefochtene Rekordeuropameister im Frauenfußball. Norwegen folgt mit zwei Titeln (1987, 1993), während Schweden (1984), die Niederlande (2017) und England (2022) jeweils einmal triumphierten.
Die erfolgreichste Torschützin in der Geschichte der Frauen-EM ist die Deutsche Inka Grings mit insgesamt 10 Toren. Sie wurde zweimal Torschützenkönigin (2005 und 2009). Auf Platz zwei folgt ihre Landsfrau Heidi Mohr mit 9 Treffern. Die meisten Tore in einem Turnier erzielten Beth Mead (England) und Alexandra Popp (Deutschland) mit jeweils 6 Treffern bei der EM 2022 sowie Inka Grings mit ebenfalls 6 Toren bei der EM 2009.
Die deutsche Spielerin Birgit Prinz ist mit fünf EM-Titeln (1995, 1997, 2001, 2005, 2009) die erfolgreichste Spielerin in der Geschichte der Frauen-EM. Dicht dahinter folgen ihre Landsfrauen Nadine Angerer und Ariane Hingst mit jeweils vier Titeln.
Entwicklung des Turniers – von den Anfängen bis heute
Die Frauen-EM hat sich seit ihrer ersten Austragung kontinuierlich weiterentwickelt. Das erste Turnier wurde noch ohne Endrunde im Hin- und Rückspiel-Modus ausgetragen. Von 1984 bis 1991 nahmen nur vier Teams an der Endrunde teil. 1997 wurde das Teilnehmerfeld auf acht Mannschaften erweitert, 2009 auf zwölf Teams und seit 2017 nehmen 16 Nationen an der Endrunde teil.
Auch die Popularität ist stark gestiegen: Während das Finale 1997 nur 2.221 Zuschauer sahen, verfolgten das Endspiel 2022 im Wembley-Stadion 87.192 Fans – ein Rekord für ein EM-Spiel der Frauen. Diese Entwicklung unterstreicht das wachsende Interesse am Frauenfußball in Europa – ein Trend, der sich auch bei den Spielen der Frauen-EM 2025 in der Schweiz fortsetzen wird.
Spielplan zur Frauen-Fußball-EM 2025
Laden Sie sich unseren übersichtlichen Spielplan zur Frauen-Fußball-EM 2025 HIER kostenlos herunter und behalten Sie alle Begegnungen und Termine im Überblick. Tragen Sie alle Ergebnisse in die vorgesehenen Felder ein und fiebern Sie mit Ihrem Lieblings-Team mit.
Die Titelträger der Frauen-EM im Überblick
| Titel | Land | Jahre |
|---|---|---|
| 8 | Deutschland | 1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, 2013 |
| 2 | Norwegen | 1987, 1993 |
| 1 | England | 2022 |
| 1 | Niederlande | 2017 |
| 1 | Schweden | 1984 |
Ausblick auf die EM 2025
Die kommende Europameisterschaft in der Schweiz verspricht, die positive Entwicklung des Turniers fortzusetzen. Mit acht modernen EM-Stadien in der gesamten Schweiz und einer erwarteten Rekordkulisse wird die EM 2025 ein weiterer Meilenstein für den europäischen Frauenfußball sein. Titelverteidiger England, Rekordeuropameister Deutschland und Gastgeber Schweiz zählen zu den Favoriten, doch auch Spanien als amtierender Weltmeister und die traditionell starken skandinavischen Teams werden um den Titel kämpfen.
Die deutschen Spielerinnen bei der Euro 2025 werden alles daransetzen, nach zwölf Jahren wieder den Titel zu gewinnen und ihre beeindruckende EM-Geschichte fortzuschreiben. Mit einem Kader voller Talent, aber auch Erfahrung, hat das DFB-Team von Bundestrainer Christian Wück und Kapitänin Giulia Gwinn durchaus Chancen, am 27. Juli im Finale von Basel zu stehen.
Fußballfans können sowohl alle EM-Spiele der DFB-Frauen live im TV und Livestream verfolgen als auch alle weiteren Spiele der Euro, die ebenfalls live übertragen werden. (cs)
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Geschichte der Frauen-EM
Wer ist Rekordsieger bei Frauen-Europameisterschaften?
Deutschland ist mit acht Titeln (1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, 2013) klarer Rekordsieger bei Frauen-Europameisterschaften. Norwegen folgt mit zwei Titeln (1987, 1993), während Schweden (1984), die Niederlande (2017) und England (2022) jeweils einmal Europameister wurden. Besonders beeindruckend ist die Serie von sechs aufeinanderfolgenden Titeln für Deutschland zwischen 1995 und 2013.
Welches Land hat die meisten EM-Finalteilnahmen?
Deutschland hat mit neun Finalteilnahmen (1989, 1991, 1995, 1997, 2001, 2005, 2009, 2013, 2022) die meisten EM-Endspiele erreicht und davon acht gewonnen. Nur 2022 verlor man gegen England. Norwegen folgt mit sechs Finalteilnahmen (1987, 1989, 1991, 1993, 2005, 2013), von denen zwei gewonnen wurden. Schweden stand viermal im Finale (1984, 1987, 1995, 2001) und gewann einmal.
Wer ist die erfolgreichste Torschützin in der Geschichte der Frauen-EM?
Die erfolgreichste Torschützin in der Geschichte der Frauen-EM ist Inka Grings aus Deutschland mit insgesamt 10 Toren. Sie wurde zweimal Torschützenkönigin (2005 und 2009). Auf Platz zwei folgt die Deutsche Heidi Mohr mit 9 Toren. Die meisten Tore in einem Turnier erzielten Beth Mead (England) und Alexandra Popp (Deutschland) mit jeweils 6 Treffern bei der EM 2022 sowie Inka Grings mit ebenfalls 6 Toren bei der EM 2009.
Wie hat sich das Turnier seit seiner Einführung entwickelt?
Die Frauen-EM hat sich seit ihrer ersten Austragung 1984 kontinuierlich weiterentwickelt. Das erste Turnier wurde noch ohne Endrunde im Hin- und Rückspiel-Modus ausgetragen. Von 1984 bis 1991 nahmen nur vier Teams an der Endrunde teil. 1997 wurde das Teilnehmerfeld auf acht Mannschaften erweitert, 2009 auf zwölf Teams und seit 2017 nehmen 16 Nationen an der Endrunde teil. Auch die Popularität ist stark gestiegen: Während das Finale 1997 nur 2.221 Zuschauer sahen, verfolgten das Endspiel 2022 im Wembley-Stadion 87.192 Fans – ein Rekord für ein EM-Spiel der Frauen.
Welches war das torreichste Finale der Frauen-EM?
Das torreichste Finale der Frauen-EM war das Endspiel 2009 zwischen Deutschland und England, das die deutsche Mannschaft mit 6:2 gewann. Inka Grings erzielte dabei zwei Tore und wurde Torschützenkönigin des Turniers. Auch das Finale 2017 zwischen den Niederlanden und Dänemark war mit sechs Toren sehr torreich und endete 4:2 für die Gastgeberinnen.
Welche Spielerin hat die meisten EM-Titel gewonnen?
Die deutsche Spielerin Birgit Prinz ist mit fünf EM-Titeln (1995, 1997, 2001, 2005, 2009) die erfolgreichste Spielerin in der Geschichte der Frauen-EM. Dicht dahinter folgen ihre Landsfrauen Nadine Angerer und Ariane Hingst mit jeweils vier Titeln. Insgesamt haben 15 deutsche Spielerinnen mindestens drei EM-Titel gewonnen, was die Dominanz des deutschen Teams in der Geschichte des Turniers unterstreicht.
Welches war das dramatischste Finale der Frauen-EM?
Als besonders dramatisch gilt das Finale der EM 2022 zwischen England und Deutschland. Nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit erzielte Chloe Kelly in der 110. Minute das entscheidende 2:1 für England, das damit erstmals Europameister wurde. Auch das Finale 1984 zwischen Schweden und England war hochdramatisch und wurde erst im Elfmeterschießen mit 4:3 für Schweden entschieden, nachdem es nach Verlängerung 1:1 gestanden hatte.
Rubriklistenbild: © Team 2/Imago



